Wer sagt, dass Linke keinen Reichtum schaffen können?
J. Christoph Amberger in Baltimore in Traders Daily
vom 21. November 2005 12:00 Uhr
ENL5454
*** Wer sagt, dass Linke keinen Reichtum schaffen können? In einem Programm, das eines John Kerrys oder Howard Deans wert wäre, ist die neue offizielle Große Koalition aus deutschen Sozial- und Christdemokraten dabei, Tausende von "nouveaux riches" = Neureichen zu schaffen. Das natürlich nur zum Wohle der Allgemeinheit, natürlich, denn: "Reiche" Leute sollen mehr zahlen als ihren "fairen Anteil".
Deshalb leben die deutschen Politiker den Traum der amerikanischen Demokratischen Partei: Sie sind dabei, das einzuführen, was "Reichensteuer" genannt wird – ein Aufschlag von 3 % auf die bereits große Last der deutschen Steuerzahler. Um die Steuerbasis zu erweitern, wollen sie die Leute auf linke Art reich machen.
Nicht, indem sie ihnen erlauben, mehr zu verdienen und mehr zu behalten – sondern indem sie den Standard für "Reichtum" senken. Während man früher 250.000 Euro Einnahmen pro Jahr brauchte, um sich in den Augen der Politiker als "reich" zu qualifizieren, braucht man jetzt nur 130.000 Euro pro Jahr, um dem Club der Superreichen beitreten zu können. Das darf mit 2 multipliziert werden, falls man verheiratet ist.
Tja, die Amerikaner, die immer noch unzufrieden sind mit der Steuerpolitik der Bush-Administration, können nun ja in Deutschland Zuflucht suchen. Ich rate jedoch zur Vorsicht: Diese Amerikaner könnten überrannt werden von reichen deutschen, die den sicheren Hafen von niedrigen Steuern suchen – wie in den Vereinigten Staaten ...
*** Nachdem die deutsche Regierung ihre Anteile an der Deutschen Telekom, der Deutschen Post und zahlreiche staatliche Immobilien verkauft haben wird ... nachdem geplant worden ist, die Autobahn und die Anteile an den große Flughäfen des Landes zu verkaufen ... spricht die neue deutsche Koalition nun darüber, das Familiensilber zu verkaufen, um die Löcher im Haushalt zu stopfen.
Das ist wörtlich gemeint.
Denn laut "Der Spiegel" plant die neue deutsche Regierung, einen substanziellen Teil der deutschen Goldreserven zu verkaufen, um an die 25 Mrd. Dollar zu kommen, die zur Wiederbelebung der deutschen Wirtschaft ausgegeben werden sollen. Das Geld aus den Goldverkäufen soll deshalb in einen speziellen Fonds wandern. Dieser "Zukunftsfonds" soll jährliche Einnahmen generieren, durch Zinseinnahmen.
Mit anderen Worten: Die Bundesbank wird bald damit beginnen, Gold zu verkaufen, um die Einnahmen zinsbringend anzulegen. Offiziell hatte Deutschland im Juli 2002 Goldreserven von 3.446 metrischen Tonnen. Das sind 110,8 Millionen Unzen. Das wäre ein Marktwert von über 51,6 Mrd. Dollar. Nur ein kleiner Teil dieses Schatzes ist in Deutschland gelagert. Recht große Teile dieses Schatzes lagern in den Tresoren der Bank of England und im Keller der US-Notenbank, einige Meter unter dem Asphalt von Manhattan. Das ist ein Relikt des Kalten Krieges ... keine andere Nationalbank lässt einen größeren Teil ihres Goldvermögens auf ausländischem Boden lagern.
Der Druck zum Verkauf des deutschen Goldschatzes hat sich aufgebaut, seit der Euro eingeführt worden ist. Offiziell ist es die Europäische Zentralbank – nicht die Goldreserven der Bundesbank –, die den Euro garantiert.