Wer profitiert von einer Schwächung der EU?
Jochen Steffens in Investors Daily
vom 03. Juni 2005 18:00 Uhr
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Wirklich viel hat die EZB nicht preisgegeben. Geschickt gemacht. Auf jeden Fall wurden die unbegründeten Zinssenkungshoffnungen klar enttäuscht. Der Euro erholte sich, was ein deutliches Zeichen dafür ist, dass auch diese "Angst" vor einer Zinssenkung den Euro belastete.
Heute morgen jagte dann noch eine Meldung den Devisenhändlern einen Schreck ein, wonach ein italienischer Minister über die Möglichkeit eines Austritts aus der Währungsunion nachgedacht habe. Das war jedoch nur ein kurzes "Vergnügen", welches den Euro in die Knie zwang.
Natürlich schreit der Euro jetzt nach einer Gegenreaktion. Auf der anderen Seite ist charttechnisch nun auch wieder Platz bis ca. 1,17 /1,18 Dollar. Hier muss man abwarten, wie dynamisch diese aktuelle Gegenbewegung ausfällt.
Silber hält sich gut gegen den starken Dollar, auch Gold scheint sich zu behaupten. Beobachten!
Wer profitiert von einer Schwächung der EU?
Als Börsianer entwickelt man eine fast zynische Einstellung. Egal was auch geschieht, zunächst wird gefragt: Wer wird davon profitieren?
Ich habe mich also gefragt, wer profitiert eigentlich davon, wenn die EU auseinanderfallen sollte? Die Antwort ist so logisch, wie einfach: die USA. Es gibt kaum noch eine Instanz, die den USA noch Paroli bieten könnte, ohne direkt auf Konfrontationskurs zu gehen (wie das z.B. bei China der Fall wäre).
So reagierten die USA sehr souverän, um keinen Unmut zu erzeugen: US-Außenministerin Condoleezza Rice betonte das Interesse der USA an einem starken und vereinigten Europa. Rice hofft darüber hinaus, dass sich die EU nun nach der Ablehnung der EU-Verfassung nicht zu sehr um sich selbst kümmert.
Es ist schon eine interessante Zeit, die wir erleben. Ich bin, wie gesagt, nicht unglücklich darüber, dass der EU-Prozess sich nun etwas verlangsamt. Allerdings gefällt mir gar nicht, was die Presse und manche Politiker daraus machen.
Ich glaube aber, den meisten Bürgern ist klar, dass wir angesichts der Globalisierung und den zukünftigen Problemen wie Rohstoffmangel, Energiekrisen, demographische Krisen, Klimakatastrophen, etc ein starkes Europa brauchen.
Ich bin allerdings auch davon überzeugt, dass die Menschheit angesichts dieser Herausforderungen sowieso immer mehr zusammenrücken wird. Denn offenbar ist es eine Eigenart des Menschen, in Krisenzeiten zusammenzurücken und zusammenzuhalten und dabei ungeahnte Kräfte zu entwickeln, um große produktive Energien frei zu setzten. Das hat die Geschichte oft genug gezeigt.
Man denke an die zu erwartenden Klimakatastrophen. Was soll da ein Land alleine ausrichten? Hier können nur alle Länder dieser Erde gemeinsam reagieren. Leider, wie es so typisch ist für uns bequeme und eigensinnige Menschen, reagieren wir immer erst dann, wenn es fast zu spät ist und es anfängt, weh zu tun. Bis dahin kann allerdings noch einige Zeit vergehen.
Und zum Schluss möchte ich auch noch auf den "Technische Analyse Kongress 2005" hinweisen: