Wer ist Schuld am Immobiliendebakel?
Dr. Mark Skousen in Investoren Wissen
vom 28. August 2007 16:00 Uhr
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Liebe Leser,
Letzte Woche hat AOL eine Umfrage gestartet, wer schuld sei am Hypothekendebakel, das die Wall Street in die Knie gehen ließ. Laut dieser Umfrage glauben 55% der Leser, dass die Banken schuld sind,17% die Hausbesitzer, 15% die Investoren und nur 13% stimmen für die Fed.
Um zu verstehen, wer der eigentliche Missetäter bei dieser „Marktfehlleitung“ ist, erinnere ich mich an ein altes Gleichnis aus der Bibel…
Das Gleichnis vom Weizen und vom Unkraut (Matthäus 13:24-30), Jesus spricht: “Das Himmelreich ist gleich einem Menschen, der guten Samen auf seinen Acker säte. Als aber die Menschen schliefen, kam sein Feind, säte Unkraut mitten unter den Weizen und ging davon. Da traten die Knechte des Hausherrn hinzu und sagten zu ihm: Herr, hast Du nicht guten Samen auf Deinen Acker gesät? Woher hat er denn das Unkraut? Er sprach zu ihnen: Ein feindseliger Mensch hat das getan. Die Knechte aber sagten zu ihm: Willst Du, daß wir hingehen und es sammeln? Er sprach: Nein, damit ihr nicht etwa, wenn ihr das Unkraut sammelt, mit ihm zugleich den Weizen herausreißt. Laßt beides zusammen wachsen bis zur Ernte, und zur Zeit der Ernte will ich den Schnittern sagen: Sammelt zuerst das Unkraut und bindet es in Büschel zum Verbrennen, den Weizen aber sammelt in meine Scheuer.“ (Übersetzung aus der Chagall-Bibel)
Dieses Gleichnis lässt sich exakt auf den kürzlichen „wilden Ritt“ der Wall Street anwenden…
Reales gegen artifizielles Wachstum
In der heutigen starken globalen Wirtschaft steht der Weizen für authentisches Wachstum – neue Produkte, Techniken, und die Produktivität, geschaffen durch die Unternehmer. Dies repräsentiert das reale Wirtschaftswachstum und bei der Ernte reflektiert es den wirklichen höheren Lebensstandard für jedermann. Unter solchen Umständen ist es wahrscheinlich, dass die Aktienpreise steigen werden.
Andererseits steht das Unkraut für die künstlichen Wohlstand, der am Ende keine Früchte trägt und zur Erntezeit verbrannt werden muss.
Wo kommt dieses künstliche Wachstum her?
Die "easy money"-Politik (Politik der billigen Kredite) der Zentralbank! Die Fed reduziert künstlich die Zinssätze und erschafft neues Geld buchstäblich aus der Luft (durch Offenmarktgeschäfte). Dieses neue Geld, wie regelmäßige Ersparnisse, wird in die Wirtschaft investiert und stimuliert weiteres Wachstum und höhere Aktienpreise – höher als langfristig nachhaltig.
Seit dem Terroranschlag 9/11 haben die Investoren das meiste Geld in Immobilien gesteckt, ermutigt durch die guten Konditionen der Banken und Finanzinstitute.
Wer ist der heutige Finanzteufel?
Wer ist der Feind, der künstlichen Wohlstand in Immobilien und Aktien sät? Alan Greenspan. (Oder, um genauer zu sein, die Fed und die Zentral“banker“.)
2002 beginnend weiteten Greenspan & Co. aggressiv den Geldfluss aus und senken die Zinssätze weit unter den normalen Markt. Greenspan gab selbst zu (falsch, wie sich herausstellte) dass er befürchtete, die USA könnte den deflationären Weg Japans gehen. Seine Fed kürzte die Zinsen bis auf 1% 2003.
Es ist nicht verwunderlich, dass das neue Geld in riskanten Hypotheken landete. Die Banken und andere Investmentgesellschaften empfanden es als sehr profitabel, verschwenderische Hauskäufer zu ermutigen, immer größere und größere Häuser zu kaufen, mit nur geringen oder keinen Prüfungen zum finanziellen Hintergrund der Kreditnehmer.
Sehen Sie sich folgendes Chart an, mit freundlicher Unterstützung von Jerry Bowyer.
Als Greenspan & Co. die Fed Funds Target Rate (Leitzins) von 6% auf 1% senkte, konnten die Banken billig Geld leihen und in riskante Hypotheken investieren. Der “subprime”-Hypothekenmarkt hob ab wie eine Rakete von 2% aller Hypotheken auf 14% über einen Zeitraum von 5 Jahren (2000-2005). 2003, im Jahr mit der größten Geldflut , als die Fed die Zinsen auf 1% senkten, stieg der Anteil der „subprime“-Hypotheken von 4% auf mehr als 10% der gesamten Kredite. Und das in nur einem Jahr!
Nichts ist umsonst – selbst der Tod kostet das Leben, wie die Ökonomen mehrfach gewarnt hatten. An einem gewissen Punkt ist Erntezeit und der Weizen muss vom Unkraut befreit werden. Dies ist ein kritisches Stadium, wo der Boom der Ernüchterung weicht. Jetzt ist Erntezeit und wir spüren die Effekte der Greenspan Ära.
Greenspans Fehltritt
Am 7.August machte das The Wall Street Journal mit der Titelstory auf "Warum Kredite so einfach vergeben wurden und warum die Kreditvergabe nun erschwert wird." Die Autoren zitierten Greenspan, der 2003/04 sagte: "Ich weiß nicht, was es ist, aber wir verursachen so viel Schaden, weil dies nicht die Art ist, wie der Kreditmarkt arbeiten sollte."
So ignorierte Greenspan zu der Zeit die Auffassung, dass eine genaue Überprüfung der Kreditnehmer mit geringer Bonität intensiviert werden sollte. Ein ehemaliger Fed Governor erzählte The Wall Street Journal , dass er im Jahr 2000 Greenspan vorgeschlagen habe, Prüfer von der Fed aus in die Büros der Kreditgeber zu schicken, welche ohnehin Abteilungen der durch die Fed regulierten Banken sind. Aber der Mitarbeiter der Fed sagte: "Er [Greenspan] war dagegen und verfolgte die Sache nicht weiter."
Die Lektion ist eindeutig: Es gab hier keine Fehlleistung des Marktes. Der Kollaps des “subprime”-Hypothekenmarktes und die folgende Kreditknappheit können den Fed-„Offiziellen“ zur Last gelegt werden, vorneweg Alan Greenspan, dem sogenannten "Maestro." Und jetzt zahlen wir den Preis.
Nur die Fed kann uns aus diesem Schlamassel befreien, und nicht überraschend arbeitet sie zusammen mit den anderen Zentralbanken und erhöht massiv die Liquidität, um das Bankensystem zu stützen. Aber es war nicht genug, um eine finanzielle Krise zu verhindern.
Letzten Freitag entschied sie weise, den Leitzins um einen halben Prozentpunkt zu reduzieren, aber es wird wahrscheinlich noch mehr benötigen, um die Kredit- und Aktienmärkte zu konsolidieren. Wann werden wir endlich dazulernen?
Die Globalisierung und Angebotsorientierung, ebenso wie die Politik des freien Marktes haben ein authentisches Wirtschaftswachstum gerechtfertigt, sowie höhere Aktienpreise über die zwei letzten Dekaden hinweg. Aber die "easy money"-Politik hat gleichzeitig einen künstlichen Boom und eine "irrationale Übertreibung" auf der Main Street und der Wall Street erzeugt.
Sie können diese Lektion auf eigene Gefahr ignorieren. Denken Sie an das Gleichnis vom Weizen und dem Unkraut.
Viel Erfolg, AEIOU,
Mark Skousen
