Wer hat Angst vor der Finanzkrise
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 21. Oktober 2008, 07:30 Uhr
ENL5454
Gute Nachrichten, schlechte Nachrichten... und ich habe keine Ahnung, was ich davon halten soll...
Die gute Nachricht ist, dass der Dow am Donnerstag um mehr als 400 Punkte nach oben geklettert ist. Aber vielleicht war das auch eine schlechte Nachricht. Die Märkte brauchen meiner Ansicht nach eine ordentliche kalte Dusche. Und am besten wäre es, wenn wir es bald hinter uns brächten.
Wer hat Angst vor einer Finanzkrise? Alle. Nur ich nicht. Andererseits habe ich noch nie eine Finanzkrise erlebt... und vielleicht gefällt sie mir auch nicht, wenn ich sie zum ersten Mal zu sehen bekomme.
Was würde passieren, wenn man zuließe, dass die Banken in Konkurs gehen? Was würde passieren, wenn man zuließe, dass die Wirtschaft schnell in einer Rezession versinkt? Was würde passieren, wenn man zuließe, dass die Aktien auf ein KGV von 5 fallen?
Ich weiß es nicht, aber ich gehe davon aus, dass es dann einige sehr große Pleiten gäbe... einen sehr schnellen Rückgang der Preise... und dann würde man alles auf einem festeren Fundament wieder aufbauen. Das hat sich bei allen Paniken, Crashs und Krisen im 19. Jahrhundert so abgespielt.
Was einen wirklichen Wert hat, verschwindet nicht so einfach. Die Häuser sind immer noch da - sie sind nur billiger. Genauso die Banken... und die Versicherungsunternehmen... und die Autos... und die Pizzas.
"Liquidiert die Banken... liquidiert die Bauern... liquidiert die Gewerkschaften... es wird die Fäulnis aus dem System vertreiben..." das hat der amerikanische Finanzminister 1929 gedacht, ehe Hoovers Weltverbesserer ihm einen Maulkorb verpassten. Seither war kaum jemand bereit, eine Liquidierung hinzunehmen. Sie alle gehen davon aus, dass sie klug genug sind, das umgehen zu können. Und die Öffentlichkeit wird es auch nicht dulden.
Das ist das Problem mit dem freien Unternehmertum. Es ist wie mit dem Wetter; es gefällt den Leuten, wenn die Sonne scheint... aber ohne den Regen würde es fürchterlich trocken werden.
Wird Ihnen das zu kompliziert, liebe Leser? Ich mache Witze... aber Sie sehen, wie einfach das mit der Wirtschaft ist. Die Leute machen Fehler. Wenn sie Fehler machen, dann bringt es nichts, wenn sie versuchen, den Konsequenzen zu entgehen. Die Fehler werden nicht ungeschehen gemacht, wenn man sie abstreitet. Die Kosten sinken nicht, wenn man hinausschiebt, sie zu zahlen.
Der beste Weg aus den Schwierigkeiten, ist der direkte Weg", pflegte ein alter Freund zu sagen. Lasst die Liquidierungen anfangen.
Aber seit den Zwanzigern haben wir eine erleuchtete" Form der Wirtschaft. John Maynard Keynes bestand darauf, dass die Regierung die Wirtschaft verwalten könnte und damit die Kreisläufe von Krise und Boom ausschalten. Diese Idee war alles andere als originell.
Auf die Frage, was das Problem im Bankensektor sei, gab Emilio Botin, Vorsitzender der Santander Bank die Antwort, es sei ganz einfach: In den fetten Jahren, machen die Leute Fehler..." die Leute machen immer Fehler, wenn es gut läuft. Sie zahlen dafür, wenn es nicht so gut läuft.
Keynes Idee war mehr als 2.000 Jahre alt, als sie ihm in den Sinn kam. Sie kommt direkt aus dem Alten Testament und der Geschichte der sieben guten und der sieben schlechten Jahre. Der Pharao wusste, dass die Leute nicht klug genug sein würden, selber Getreide anzusparen. Sie würden Fehler machen - und alles aufessen. Also hat er in den fetten Jahren Getreide gelagert... und es dann an die Leute gegeben, als die mageren Jahre kamen. Keynes sagte, dass die Regierung das Gleiche tun sollte - Überschüsse in guten Jahren aufbauen, und Defizite in den schlechten Jahren anlaufen lassen.
Seither haben sich die Regierungen als sehr gut erwiesen, wenn es darum geht, Defizite anlaufen zu lassen - und das sogar in den fetten Jahren. Es sind die Überschüsse, mit denen sie Schwierigkeiten haben. Und jetzt scheinen die Vereinigten Staaten in eine der magersten Phasen ihrer wirtschaftlichen Geschichte einzutreten. Doch was wird Pharao George II finden, wenn er in die Getreidespeicher geht? Sie sind leer! Und schlimmer noch... er hat ein Haushaltsdefizit von 455 Milliarden Dollar - das ist ein Rekord - noch ehe die Rezession beginnt.
Doch was soll's? Er bestellt einfach noch größere Defizite! In der Presse erschien am Freitag ein Bericht, dass immer mehr Analysten ein Handelsdefizit von einer Billion Dollar für das Jahr 2009 prognostizieren. (Ich halte mich an meine Schätzung von 2 Billionen Dollar...)
Aber kann man wirklich ein "keynesianisches" Programm ohne die Überschüsse in den fetten Jahren ablaufen lassen? Kann man den Leuten wirklich helfen, eine Hungersnot zu überleben, ohne dass man Getreide gelagert hat? Kann man wirklich auf den Himmel hoffen, ohne auch die Hölle fürchten zu müssen?
ich weiß es nicht, liebe Leser. Ich bezweifle es. Alles scheint im Gleichgewicht zu funktionieren. Geben und Nehmen. Yin und Yang. Hin und her. Wenn man sich nicht die Mühe macht, zu sparen... dann hat man doch auch keine Rücklagen, auf die man zurückgreifen könnte, oder?