Wer empfiehlt was: Siemens
Cindy Bach in Insider Daily zum Thema Dax 30
vom 31. Juli 2009, 14:30 Uhr
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der Münchener Technologie-Konzern Siemens musste seinen Aktionären gestern einen gemischten Quartalsbericht vorlegen. Sicher, es ist ein gute Nachricht, dass Siemens ergebnisseitig die Erwartungen übertreffen konnte, und das in allen drei Sektoren. Und es ist überaus positiv zu werten, dass Siemens nicht ins Minus gerutscht ist. Es gab Quartale, in denen man auch ohne Umsatzrückgang rote Zahlen schrieb. Darüber hinaus sind die operativ guten Zahlen auch unterm Strich angekommen, die notorischen außerordentlichen Aufwendungen sind endlich passé.
Insgesamt sanken die Erlöse im dritten Quartal des Geschäftsjahres auf Jahressicht leicht von 19,18 Mrd. auf 18,35 Mrd. Euro. Unter dem Strich hielt Siemens den Überschuss mit 1,26 Mrd. nach 1,37 Mrd. Euro im Vorjahreszeitraum annähernd stabil. Damit wurden zugleich die Erwartungen der Analysten übertroffen, die nur mit einem Nettogewinn von rund 955 Mio. Euro gerechnet hatten.
Nun kommt das dicke ABER: die vorherrschende schlechte Nachricht ist das Ausmaß des Auftragsrückgangs. Hier ging es um 28 Prozent runter auf gut 17,2 Mrd. Euro, im Industriesektor gar um 42 Prozent. Erstmals in diesem Zyklus ist das Verhältnis der Aufträge zum Umsatz sogar auf unter eins gefallen. Entsprechend werden die Analysten zwar die Ergebnisprognosen für 2009 hochnehmen, die 2010er-Zahlen aber reduzieren. Denn trotz desolater Auftragslage hält der DAX-Konzern an seiner Prognose fest, beim operativen Gewinn aus dem Kerngeschäft besser als im Vorjahr abzuschneiden. Das schwache Wirtschaftsumfeld soll zudem offenbar für Übernahmen genutzt werden. Interessant seien vor allem die Bereiche Erneuerbare Energien und Solar, sagte Löscher.
Experten empfehlen den Einstieg
Nichts desto trotz haben zahlreiche Experten die Siemens-Aktie aktuell auf ihrer Kaufliste stehen, so unter anderem Der Aktionär, der Effecten-Spiegel und Hans A. Bernecker von der Actien-Börse.
Letzterer sieht vor allem in der neuen "grünen" Ausrichtung von Siemens einen enormen Vorteil. Siemens ziehe sich aus der klassischen Energie-Erzeugung zurück und wende sich den neuen Energieträgern zu. "München konzentriert sein Interesse auf alle alternative Energie-Erzeugungen jeglicher Art bzw. Transporttechnik in gleichem Umfang. Darin steckt eine Menge Fantasie, die sich im Moment nicht definitiv in Zahlen greifen lässt. Klinken Sie sich in diesen Meinungstrend ein", so der Tenor von Hans A. Bernecker.
Die Experten von Der Aktionär halten für die Siemens-Aktie bis Jahresende Kurse im Bereich von 67 Euro für realistisch. "Die massiven Kostensenkungsmaßnahmen sollten sich bemerkbar machen und über 2010 hinaus den Gewinn je Aktie wieder deutlich über 5 Euro ansteigen lassen. Aufgrund der relativ hohen Krisenresistenz der Siemens-Produkte lassen sich dann auch wieder KGVs von 15 ohne weiteres rechtfertigen", ist in der aktuellen Kaufempfehlung als Begründung zu lesen.
Auch der Effecten-Spiegel sieht Siemens auf dem richtigen Weg: "Die Wirtschaftskrise dürfte zwar tiefe Spuren in der Q3-Bilanz des Technologieriesen Siemens hinterlassen haben, an der '08/09er Prognose wird jedoch unvermindert festgehalten. Außerdem habe sich der Konzern besser als seine Konkurrenz geschlagen. Für das am 30. Sept. zu Ende gehende Geschäftsjahr visiert der DAX-Konzern in seinen drei Kernsegmenten (Energietechnik, Industrie- und Medizintechnik) einen operativen Gewinn von mehr als 6,6 Mrd. Euro an."
Die Siemens-Aktie setzt auch heute ihren Zick-Zack-Kursverlauf der letzten Tage fort. Zwischen 55 und 57 Euro geht es munter rauf und runter.
Die Unausgewogenheit des Quartalberichts spiegelt sich also auch in der kurzfristigen Kursperformance wieder. Langfristig ist jedoch mit dem Streben in Richtung der wichtigen Widerstandmarke von 60 Euro durchaus Potenzial vorhanden. Fällt diese Marke, ist für die Aktie einiges drin.
Ich wünsche Ihnen ein erholsames Wochenende und einen guten Start in den August.
Ihre
Cindy Bach
