Wer die Rechnung ohne die nächste Generation macht
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 18. September 2006 07:30 Uhr
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Diesmal wandern meine Gedankengänge in verschiedene Richtungen zugleich. Ich zwänge mich in diese Gedanken wie in einen Pullover mit einem schlechten Schnitt – der eine Arm ist zu lang, die Schultern sind zu weit und die Öffnungen zu klein, als dass man den Kopf hindurch bekäme. Das mag dann zwar nicht elegant aussehen, aber es erfüllt dennoch seinen Zweck. Ich fange am kürzeren Ende an.
Es ist nun schon mehr als 35 Jahre her, dass die amerikanische Regierung ihren ausländischen Kreditgebern sagte, dass sie sich zum Teufel scheren können. Sie wagen es zwar nicht, das laut auszusprechen, aber heute sind sie kurz davor, das gleiche zur amerikanischen Bevölkerung zu sagen... und zu den ausländischen Besitzern von amerikanischem Papier ebenso.
Das ist das, was aus unserem, auf Vertrauen basierenden weltweiten Geldsystem geworden ist: Ein massiver Anstieg der Schulden und Verpflichtungen. Ich wende mich meiner Familie zu, um diesen Punkt zu illustrieren.
„Hör mal, ich schulde dir überhaupt nichts“, musste ich mir gestern beim Frühstück anhören. Jules ist aus dem College zurück und hat jetzt das Gefühl, dass er nicht mehr wie die jüngeren Kinder behandelt werden sollte.
Seine Mutter hatte ihm gerade eine lange Liste mit Aufgaben übergeben.
„Einen Moment mal,... wir haben dir das Leben gegeben“, setzte sie dem entgegen.
„Aber ich habe euch nie darum gebeten, das habt ihr in eurem eigenen Interesse getan“, antwortete Jules.
„Wie sieht es denn dann damit aus? Wir haben dir gerade ein Frühstück auf den Tisch gestellt und das mindeste, was du tun könntest, wäre, das Geschirr in die Küche zu tragen“, sagte seine Mutter.
„Nein, ihr habt mich hierher eingeladen. Ich wollte diesen Sommer wirklich nicht kommen. Hier gibt es nichts zu tun. Ihr könnt mich nicht einladen und mich dann zwingen, zu arbeiten“, stellte Jules fest.
Ihnen wird sicher nicht entgangen sein, dass Jules eine sehr schlechte Verhandlungsposition hat. Er verdient noch nicht sein eigenes Geld. Er kann nicht wirklich „nein“ zu seinen Eltern sagen, ohne dass er möglicherweise einen großen Einbruch seines Lebensstandards erleiden muss.
Doch ich will gleich hinzufügen, dass ich Sie nicht aus müßiger Geschwätzigkeit in unser Esszimmer und zu unseren familiären Auseinandersetzungen eingeladen habe. Davon haben Sie vermutlich zuhause selbst genug. Ich tat es, um ein Thema deutlich zu machen: Die Frage, was eine Generation der anderen schuldet.
Wissen Sie, Jules will sich unabhängig fühlen, wie jeder junge Mann ... der frei, weiß und älter als 18 Jahre ist. Er sollte, meint er, jetzt in der Lage sein, das zu tun, was ihm gefällt. Aber sowohl der amerikanische Kongress, als auch die Vertreter der Bush-Regierung und das auf dem Dollar basierende Geldsystem der Welt, arbeiten alle gegen ihn, schmieden Fußfesseln, Ketten und Fußeisen die er und der Rest seiner Generation für den Rest ihres Lebens tragen müssen.
Kürzlich stellte ein Bericht in der Financial Times fest, dass diese Fußfesseln bereits 79 Billionen Dollar auf die Waage bringen. Wenn es in Jules Generation 100 Millionen Menschen gibt, dann sind das für jeden von ihnen 790.000 Dollar.
Wie üblich habe ich auch hier die Rolle des Provokateurs freudig übernommen.
„Was hältst Du davon, Jules“, forderte ich den jungen Mann heraus.
„Du machst wohl Witze! Ich werde das nicht bezahlen. Und ich könnte es auch nicht bezahlen, selbst wenn ich wollte“, kam die Antwort, „Und warum sollte ich mein ganzes Leben lang arbeiten, nur damit so ein alter Knacker...“
„Jules...“, protestierte seine Mutter.
„Na gut, damit die Leute aus eurer Generation in Florida auf ihren dicken fetten Hinterteilen ihren Ruhestand aussitzen können? Abgesehen davon ist das doch eh alles nur Rauch und anderes Blendwerk“, sagte Jules. Aber es gibt so viel Rauch, als hätten wir das große Feuer von San Francisco vor uns und die Fed führt uns ihre Zaubertricks vor, die das ganze so wahnsinnig unterhaltsam machen.
Jedes öffentliche Spektakel ist auf seine Art unterhaltsam, aber sie alle haben die gleichen theatralischen Elemente: Jedes beginnt mit Taschenspielerei oder einer einfachen Lüge, dann geht es in Richtung Farce und endet mit der Katastrophe. Die Gründungslügen der Fed sind die folgenden: Eine Bank soll Geld aus dünner Luft erzeugen können ... Experten, die einem nicht sagen können, ob der Ölpreis morgen steigen oder fallen wird, sollen dennoch die gesamte Wirtschaft lenken können ... und ein Komitee von Bürokraten soll die kurzfristigen Zinssätze besser zusammenflicken können, als der Markt selbst.
Eben diese Fed hat jetzt die Weltwirtschaft in einen Finanzzirkus verwandelt, die Buchhalter jonglieren mit den Büchern, die Defizite sausen durch die Luft wie Trapezkünstler, die Tiere in den Gräben der Börse brüllen und die Zauberer versuchen die Massen zu überzeugen, dass sie nicht an das glauben dürfen, was sie mit eigenen Augen vor sich sehen. Währenddessen tun die Clowns der Fed so, als wüssten sie genau, was sie tun.
Der Dollar ist so elastisch, dass die Leute denken, der Haushalt könnte wie die Feinstrumpfhosen an einer fetten Dame gedehnt werden und dennoch würden er anschließend immer wieder in die alte Form zurückkehren. Sie glauben, dass sie immer weiter ausgeben, ausgeben und ausgeben können, und dass ihr Vater ihnen nie das Spielzeug aus der Hand nehmen wird.
In den vergangenen neun Jahren, fielen allein durch Social Security und Medicare in den USA finanzielle Verpflichtungen im Wert von 40 Billionen Dollar an, berichtete USA Today im vergangenen Monat.
Wer soll das wieder ausgleichen?
Jules und seine Freunde?
Es ist, als würde jemand in ein Restaurant gehen und eine Flasche Champagner bestellen, ein gutes Essen dazu und dann, wenn die Rechnung kommt sagt er: „Meine Frau hat letzte Woche einen Sohn zur Welt gebracht ... heben Sie die Rechnung bitte für ihn auf. Lassen sie die Zinsen doch einfach so lange anlaufen, bis er alt genug ist anzufangen, die Rechnung abstottern.“
„Ja, sicher!“, sagt Jules dazu.
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