Wer bietet mehr?
Mr N. N. in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 17. Juni 2011, 07:30 Uhr
ENL5454
Die letzten Tage hatten es einmal mehr in sich. Und es steht zu befürchten, dass auch die nächsten Wochen und Monate äußerst turbulent werden. Vielleicht sogar garniert" mit historischen Verwerfungen.
Griechische Staatsfinanzen völlig aus dem Ruder
Einmal mehr dreht sich in diesen Tagen nahezu alles um Griechenland. In der gestrigen Ausgabe der Neuen Zürcher Zeitung wird gemeldet, dass die griechische Regierung in den ersten fünf Monaten diesen Jahres ein Defizit von 10,28 Milliarden Euro angehäuft hat. Letztes Jahr lag das Haushaltsloch von Januar bis Mai bei nur gut 9 Milliarden Euro; und in den Planungen der hellenischen Finanzverwaltung war für die ersten fünf Monate 2011 ebenfalls ein Defizit von nur gut neun Milliarden Euro vorgesehen. Wohl gemerkt, die Löcher in den Haushalten der Kommunen und Sozialkassen sind darin noch gar nicht enthalten. Die Finanzlage ist also extrem angespannt. So angespannt, dass in Athener Finanzkreisen gar die Angst umgeht, dass der hellenischen Regierung noch VOR der möglichen Auszahlung der zwölf Milliarden durch EU, EZB und IWF das Geld ausgehen könnte.
Verdopplung des Rettungsschirms auf 1,5 Billionen Euro
Vor dem Hintergrund der Griechenland-Krise und der Debatte um eine sanfte Umschuldung" brachte Hollands Zentralbankchef und EZB-Ratsmitglied, Nout Wellink, gegenüber der niederländischen Zeitung Het Financieele Dagblad" die Verdopplung des Rettungsschirms auf 1,5 Billionen Euro ins Gespräch. Dies seit notwendig, wenn es zu einer Beteiligung privater Investoren an neuen Hilfskrediten für die Hellenen kommen sollte. Wellink betonte ferner, dass weitere Hilfsmaßnahmen für Griechenland große Unsicherheiten mitsamt der Ansteckungsgefahr von Staaten wie Irland oder Portugal mit sich bringen könnten. Daher müsse angesichts der Risiken ein größeres Sicherheitsnetz aufgebaut werden, welches sich auf sage und schreibe 1,5 Billionen Euro belaufen solle.
Ja, liebe Leserin, lieber Leser, Herr Wellink will also das Sicherheitsnetz" für Griechenland, Irland und Portugal auf 1,5 Billionen Euro verdoppeln. Nicht auszudenken, welche Summen in den Raum gestellt werden dürften, wenn es dann auch noch um die Rettung Italiens oder Spaniens gehen sollte.
Nach den Wellink-Aussagen brach jedenfalls am Devisenmarkt der Euro gegenüber dem Schweizer Franken massiv ein. Gestern ging es zeitweise gar unter die 1,20 CHF; mittlerweile wird in der Schweizer Exportwirtschaft mit der Euro/Franken- Parität gerechnet. Angesichts der Überschuldung des Euroraums und der starken Anziehungskraft des Frankens spricht alles dafür, dass der Euro weiter an Wert verliert", so der Chef von Swiss Export, Peter Widmer, gegenüber der Basler Zeitung.
Sarkozy in Berlin
Vielleicht wird ja schon am heutigen Freitag die deutsche Bundeskanzlerin vom französischen Staatspräsidenten von der Notwendigkeit der Vergrößerung des Rettungsschirms sanft überzeugt werden. Ja, vielleicht bereiten Merkel und Sarkozy nun endgültig den Weg in die europäische Transferunion vor. Wobei der Transfer wohl zunächst auch zu den französischen Großbanken fließen dürfte, die ja bekanntlich stark in den südeuropäischen Staaten engagiert sind.
Wehe, wehe, wenn am Ende des Tages der deutsche Steuerzahler doch noch aus seinem Tiefschlaf erwachen sollte...
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Gerhard Grasmann (17.06. 2011 10:29 Uhr):
Sie schreiben so interessante und wertvolle Artikel. Können Sie nicht auf diese Unsitte mit dem Spruch "Leserinnen und Leser" verzichten? Das haben sich doch nur diese Stimmen fangenden Politiker ausgedacht, die Angst vor den Alice Schwarzer Damen haben. Jeder der das, was Sie schreiben liest ist ein Leser, ob ein Mann, eine Frau, ein Ausländer oder meine Oma. Diese Unsitte gibt es auch erst seit einigen Jahren. Ihr fleißiger Leser Gerhard Grasmann Australien
Antworten- Antwort von Laufer (17.06. 2011 18:40 Uhr):
Volle Zustimmung! Man muß nicht allen Zeitgeistströmungen folgen. Und das Correctness-Geschwafel nimmt so schon überhand!
- Antwort von Peter Harting (18.06. 2011 00:58 Uhr):
Wir haben inzwischen zwei Sprachen in D. Das haben unsere Nachbarn in der Tschechei (bitte schön!) erkannt, da sie Deutsch als alternative Pflichtfremdsprache zugunsten von Englisch aus den Schulen zu verbannen gedenken. Denn welches "Deutsch" sollen die armen Tschechen denn lernen, das korrekte (die "Sprache Goethes und Schillers") oder das politisch korrekte? - Amtlich wird schon seit Langem falsch gesprochen. Auf der Homepage des Kanzleramtes findet man die Kompetenzen einer Bundeskanzlerin beschrieben, im Anhang steht der Grundgesetzestext dazu, der besagt, welche Aufgaben der Bundeskanzler habe. Dieses Problem (der "weiblichen Berufsbezeichnungen",die das Russische trotz femininer Suffixe vermeidet!) würde verschwinden, wenn eingesehen würde, dass das grammatische Geschlecht (die Majestät, die Drohne) etwas Anderes ist als das biologische (das Weib). Es wurde erst vermengt, als feministische "Linguisten" das auf die Sprache anwandten, wovon sie behaupteten ("als Frau") betroffen gewesen zu sein, nämlich Unterdrückung.
- Antwort von Laufer (17.06. 2011 18:40 Uhr):
- Kommentar von Jürgen Eduard Drgala (17.06. 2011 12:43 Uhr):
Die europäische Gemeinschaftswährung wird unter den präsenten Rahmenbedingungen mit Sicherheit alsbald zum Scheitern verurteilt sein. Dabei muss man gar nicht erst den Seher Nostradamus bemühen, der das Platzen des ersten europäischen Einigungsversuchs exakt voraussagte, sondern nur ein klein wenig volkswirtschaftlicher Sachverstand genügt bereits. in diesem Zusammenhang würde auch eine Harmonisierung der Finanz,-Wirtschafts und Steuerpolitik entegen der Auffassung der Euro-Apologeten den Zusammenbruch der Gemeinschaftswährung nicht aufhalten, da sich damit allenfalls eine Problemlinderung auf der Ausgabenseite herbeiführen ließe. Das eigentliche Problem der Euro-Kalamität liegt jedoch auf der Einnahmenseite , was -aus welchen Gründen auch immer- von der deutschen Regierung übersehen wird. Dieses Manko ist sysemimmanent und -resistent und könnte nur durch eine genetische Umpolung-also nicht realisierbar!!- der südeuropäischen Peripherstaaten ausgeglichen werden. Denn es ist eben einmal eine nicht eskamotierbare Realität, dass Arbeitseinsatz, Innovationsfähigkeit und Innovationsfreude und ein entsprechend zu verzeichnender Technologietransfer Nord-und Südeuropa wahrscheinlich für immer spaltet mit der Folge eines per se gegen das Bailout-Verbot der europäischen Veträge verstossenden, auf Ewigkeit getrimmten " Länder-Finanzausgleichs". Diesen konnte Kohl wegen der Erpressung durch Mitterand im Hinblick auf die deutsche Wiedervereinigung nicht verhindern, aber Herrn Sarkozy sollte man, zur Vermeidung eines sich abzeichnenden wirtschaftlichen Selbstmords jetzt die kalte Schulter zeigen.Die noch erforderlichen gigantischen Schutzschirme für die weiteren Wackelkandidaten Irland, Portugal, Spanien und bald auch Slowakei, vielleicht auch Frankreich kann Deutschland nicht schultern.Jedenfalls ist momentan für jeden Anleger höchste Vorsicht geboten bei der Frage , mit welcher Währung bzw. Anlageform man sein Vermögen zu schützen versucht.
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