Wenn sich ein Call-Optionsschein "merkwürdig" entwickelt
Michael Vaupel in Traders Daily zum Thema Optionen und Optionsscheine
vom 12. März 2010, 12:00 Uhr
ENL5462
Trader´s Daily-Leser Erich R. schrieb mir:
"Ich habe eine Frage zum Optionsschein CG5JSE. Kurs RWE am 4.12.09 = 64,.. Optionsschein 0,33 Kurs RWE am 12.2.10 = 64,.. Optionsschein 0,23. Wird hier von der Citibank manipuliert oder ist so ein Kursverfall von 10 ct in 2 Monaten normal, obwohl der OS noch bis 10.6.11 läuft?"
Meine Antwort:
Da schauen wir doch - nach Kennerweise - zunächst einmal nach dem Preise.
Bzw. nein! Bevor ich das tue, eine Vermutung: Es ist ein Call-Optionsschein, der relativ weit „aus dem Geld" notiert. Sprich: Ein Optionsschein, bei dem der Basispreis ÜBER dem aktuellen Kurs der Aktie liegt.
(Wenige Augenblicke später...)
Genauso ist es. Es handelt sich um einen Optionsschein, der ausschließlich aus „Zeitwert" besteht. Wenn heute Laufzeitende wäre, dann wäre der Schein wertlos.
Solche Scheine haben die Eigenschaft, im Zeitverlauf im Kurs zu fallen, selbst wenn mit dem Basiswert nichts passiert.
Im Traderjargon heißt das: „ceteris paribus gibt es einen Zeitwertverlust" oder noch kürzer: Das Theta wirkt sich aus!
Theta, das ist die griechische Kennzahl, welche den Zeitwertverlust angibt. Üblich ist eine Angabe z. B. eines „Wochen-Thetas". Dieser Wert gibt dann an, wie viel der Schein in einer Woche verliert, wenn sich ansonsten gar nichts geändert hat (Kurs des Basiswertes, Volatilität...).
Bei solchen Scheinen, welche lediglich aus „Zeitwert" bestehen, spielt zudem der Faktor Volatilität eine große Rolle. Volatilität, das ist vereinfacht gesagt die Schwankungsfreudigkeit (erspare mir hier Anspielungen auf eigenen Leib und Freitagabende) des Basiswertes.
Generell gilt: Je höher die Volatilität, desto höher der Kurs des Scheins.
Und hier noch ein Haken: Der Emittent bestimmt die „implizite" = aktuelle Volatilität selber. Er kann also z.B. sagen, unserer Ansicht nach ist die implizite Volatilität gefallen, der Schein wird deshalb heruntergestuft in unserer Kursstellung.
Alles Faktoren, die mich zu diesem Rat führen: Optionsscheine „aus dem Geld" meiden. Insbesondere dann, wenn die „implizite Volatilität" hoch ist!
Optionsscheine sind für mich übrigens ohnehin nur dann interessant, wenn die Volatilität relativ niedrig ist.
Ansonsten halte ich mich (und empfehle das auch Ihnen) lieber an „Turbo-Zertifikate". Da spielen „die Griechen" (Theta, Delta, Vega, Gamma...) keine bzw. fast keine Rolle. Kursentwicklung fast 1:1 zum Basiswert, entsprechend gehebelt, nach oben oder nach unten. Das war es.
Ich wünsche Ihnen ein angenehmes Wochenende!
Ihr
Michael Vaupel
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Dr Papp Ernoene Ungarn (12.03. 2010 14:51 Uhr):
Sehr geehrter Herr Vaupel! Ich bedanke mich bei Ihnen, da Sie - bis jetzt der Einzige - mir einfach, aber verständlich die "Griechen" erklärt hat, und warum man solche Scheine womöglichst meiden sollte. Mit freundlichen Grüßen:
Antworten
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