Wenn der Neid erwacht
Investors Daily
vom 12. Dezember 2005 18:00 Uhr
ENL5454
*** Hinter den Zahlen für das Bruttoinlandsprodukt verbergen sich Schande und Betrug. Über den Betrug habe ich schon eine Menge geschrieben – die Zahlen sind so verdreht, dass sie nicht einmal mehr von ihrer eigenen Mutter erkannt würden. Heute will ich etwas über die Schande sagen. Es ist eine Schande, dass die Mittel- und die Unterschicht in Amerika immer ärmer werden. Daran trägt niemand im Besonderen die Schuld; es ist einfach nur eine Folge der Globalisierung und des Imperiums. Die Amerikaner zahlen eine Menge Geld dafür, weiterhin die Wachmänner über die Dinge der Welt zu sein – der amerikanische Militärhaushalt ist größer als die Haushalte aller anderer Länder zusammen – während sich überall auf der Welt Leute aufmachen, um mit den Händlern und Arbeitern Amerikas in den Wettbewerb zu treten.
Selbst der geringe finanzielle Fortschritt, den es vielleicht noch gibt, klebt an den oberen Schichten der amerikanischen Gesellschaft, wie der Schlamm auf dem Kotflügel des Mercedes. Während die Arbeit der Proletarier immer weniger wert wird, steigt der Wert der Vermögenswerte der Kapitalisten. Ihre Arbeit – als Ärzte, Entwickler, Rechtsanwälte und Firmengründer – ist weniger den asiatischen Preiskürzungen ausgesetzt. Selbst bei GM macht das obere Management gemeinsame Sache, wenn es darum geht, die eigenen Kompensationen in zweistelligen Sätzen anzuheben, während die Löhne des normalen Lohnempfängers seit 1975 nicht mehr wirklich gestiegen sind.
Der Mensch ist in der Masse ein liebenswürdiger Esel, sicher. Aber im Moment ist er sehr fügsam. Er weiß nicht, was vor sich geht. Er wurde von leichtem Geld und von der Blase im Immobilienbereich übertölpelt. Im Allgemeinen beneidet er die Reichen nur deshalb nicht um ihre großen Autos oder um ihre großen Häuser, weil er immer noch glaubt, dass diese Dinge auch für ihn nicht außer Reichweite liegen. Er steckt auch den Mercedes seines Nachbarn nicht in Flammen, weil er glaubt, dass er vielleicht bald selbst einen haben wird – wenn die Immobilienblase nur noch lange genug anhält. Mindestens die Hälfte der Hypotheken, die in den letzten 18 Monaten ausgestellt wurden, basierte auf dem "zu erwartendem Einkommen", – ohne dass die Kreditgeber das überprüft hätten. Dadurch wird es für manche Leute möglich, nicht wegen des Einkommens durch den Beruf, sondern wegen des Einkommens durch seine seltsamen Vorstellungen ein Haus zu kaufen. Und wie sieht es mit einem neuen Auto aus? Autos werden einem doch so gut wie nachgeworfen.
Nur zu schade, dass es hier Grenzen gibt. Wenn wir doch nur für immer leben könnten. Wenn wir doch nur zwei Mägen hätten und den Stoffwechsel eines Düsentriebwerks. Wenn man doch nur immer und immer weiter Geld leihen könnte. Aber die Natur stellt sich gegen uns. Es kommt die Zeit, in der man nur noch weniger leihen kann, und nicht mehr. Wenn das passiert, dann kann man auch nur noch weniger ausgeben. Und wenn man weniger ausgeben kann, dann werden auch die Leute enttäuscht, die sich darauf verlassen hatten, dass man weiter Dinge kaufen würde, und dann fangen auch sie an, weniger Geld auszugeben. Dann werden all die netten Menschen, die einem einmal Geld geliehen haben, plötzlich mit einer sehr ernsten Miene auf einen zukommen und das Geld zurückverlangen.
Ich habe nichts gegen dieses System, oder gegen die Natur selbst. Ich denke, das hat alles seine Gründe. Aber ich habe auch keine riesige Hypothek auf viel zu großen Häusern oder eine ganze Reihe von Kreditkartenrechnungen, die darauf warten, bezahlt zu werden. Ich kann es mir leisten, die Situation philosophisch zu betrachten. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass auch ein Otto-Normalverbraucher die Sache so entspannt sehen kann. Stattdessen wird er versuchen, jemanden zu finden, dem er die Schuld geben kann. Er wird die Leute sehen, die immer noch mit dicken Autos durch die Gegend fahren und er wird sie auf einmal nicht mehr leiden können. Er wird von Leuten lesen, die sehr viel Geld verdienen und wird sich betrogen fühlen.
In irgendeinem billigen und geschmacklosen Büro muss in diesem Moment gerade ein eifriger Demagoge sitzen und seine Rede üben. Er wird sich fragen, ob er die Arme heben soll oder fest auf den Tisch hauen, wenn er sagen wird: "Es ist einfach nicht gerecht (und hier wird er die Tatsachen ein bisschen weiter fassen, damit er sich später selbst zu den Opfern der Globalisierung rechnen kann), dass wir unsere Stellen verlieren, unsere Häuser, unsere Gesundheitsversorgung und unsere Rentenansprüche, nur damit eine Handvoll sehr reicher Leute sich leisten kann, wie die alten Pharaonen zu leben."
Er wird sich danach eine Weile Gedanken über diese Aussagen machen und sich dann entschließen, sie ein wenig zu korrigieren "diese Schwachköpfe werden wohl kaum wissen, was ein 'Pharao' ist", wird er zu sich sagen "der einzige Pharao, den sie kennen, befindet sich in Las Vegas."
*** Als Gold kürzlich auf über 530 Dollar stieg, fragte ich mich, ob das wirklich stimmen kann. 530 Dollar?
Das Problem mit einem echten Bullenmarkt ist, dass er die Neigung hat, einen hinterherlaufen zu lassen. Zuerst steigt er nur sehr zögerlich und fast so, als glaubte er, sich dafür entschuldigen zu müssen ... und er gibt einem damit eine ganze Reihe von Gelegenheiten, während der Korrekturen zu kaufen. Aber wenn er ein fortgeschritteneres Stadium erreicht hat, dann jagt er davon. Man wartet dann vergeblich auf eine Korrektur. Stattdessen rasen die Preise immer weiter und man selbst steht nur noch im Staub der Rennpiste.
Haben wir in diesem Goldbullenmarkt diese Phase erreicht? Sind die Kaufziele jetzt nicht mehr von Bedeutung? Wird Gold in meinem Leben noch einmal für weniger als 500 Dollar gehandelt werden?
Ich weiß es nicht, aber man wird sehen.
*** Madrid ist erstaunlich. Auf dem Weg vom Flughafen sah ich Dutzende von Baustellen. Die Stadt boomt. Es gibt neue Häuser, neue Läden, neue Autos. Was ist mit dem armen Land passiert, das Spanien einmal war? Es ist Vergangenheit.