Wenig zu sagen
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 15. Dezember 2004 18:00 Uhr
ENL5454
Es ist beeindruckend, wie wenig ich heute zu sagen habe. Ich habe mehrere Tage Seminare hinter mir, in Nicaragua, Florida und Baltimore, und diese Seminare haben die Worte aus mir genommen. Ich bin eine leere Hülse. Alles, was ich tun kann: die Nachrichten berichten.
Die amerikanischen Leitzinsen sind um 25 Basispunkte erhöht worden, der Dow Jones stieg ein wenig. Der fallende Dollar könnte gut für US-Aktien sein, so die Zeitungen. Denn die amerikanischen Unternehmen würden dadurch wettbewerbsfähiger.
Ich sprach darüber mit einem deutschen Freund, den ich vor kurzem in München besuchte. Ich sagte ihm, dass die deutsche Wirtschaft unter dem hohen Euro leiden würde.
"Ja, offensichtlich gibt es nun einen lebhaften Handel bei den Re-Exporten bei BMW und Mercedes, zurück nach Deutschland", erklärte er mir. "Ein Auto, das in Deutschland hergestellt und in die USA exportiert worden ist, kann ein paar Monate später mit Gewinn nach Deutschland zurückverkauft werden."
Standard & Poor's rät seinen Kunden, auf eine anhaltende Dollarschwäche zu setzen. Dieses Haus rechnet damit, dass der Dollar gegenüber dem Euro auf 1,45 fallen wird. Die Greenspan-Fed wird demnach ihre Zinserhöhungen mit "Baby-Schritten" fortsetzen, bis ein normales kurzfristiges Zinsniveau erreicht ist. Die aktuellen Leitzinsen von 2,25 % sind kaum hoch genug, um die jährliche Inflation abzudecken – von einer Unterstützung für den Dollar an den internationalen Devisenmärkten ganz zu schweigen.
Deshalb erwartet jeder, dass der Dollar weiter fallen wird. Jeder Schuhputzer rät seinen Kunden, aus dem Dollar zu gehen. Von welcher Richtung die Überraschung kommen wird, weiß ich nicht – aber ich kann nicht glauben, dass es keine Überraschung geben wird.