Weltweite Schatzsuche
Chris Mayer in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 27. November 2006 07:30 Uhr
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Ich habe gerade zwei Bücher über das Investieren durchgelesen. Das eine wurde von einem fähigen Analysten verfasst und es beschäftigt sich direkt mit dem weltweiten Investieren. Das andere, geschrieben von einem berühmten Geldmanager, hat sich damit nur indirekt auseinandergesetzt. Doch die Botschaft in diesen beiden Büchern war ganz einfach – Investoren müssen auch ins Ausland blicken.
Ich werde mit dem indirekten Buch anfangen. Christopher Browne von Tweedy hat gerade ein Buch mit dem Titel „The Little Book of Value Investing“ (Das kleine Buch der Wertinvestitionen) verfasst. Darin legt er einige grundlegende Gedanken und Vorstellungen dar, wie ehrgeizige Investoren ihre finanziellen Brötchen verbessern können.
Das Buch wurde in der Tradition von Graham und Dodd verfasst – es setzt sich für einige einfache Wahrheiten über die Tugend, günstige Aktien zu kaufen, ein. Es ist ein bisschen so etwas wie ein Bauernhofladen. Doch anstatt der polierten Äpfel und dem Zuckermais, liegen auf den Regalen Säcke mit polierter Weisheit und süße Klumpen von Ratschlägen, wie man Geld macht.
Aber was mir, verborgen unter diesen hausgemachten Maximen am deutlichsten ins Auge fiel, war seine Betonung der weltweiten Investitionen.
Browne erzählt seinen Lesern fröhlich von seinen Heldentaten an weit entfernten Märkten. Wie ein eifriger Reisender, der von seinem ersten Blick auf die Pyramiden zurückkehrt oder der gerade die Inkaruinen von Machu Picchu besucht hat, berichtet Browne von den guten Folgen, wenn man billige Aktien in Japan, Südkorea oder in der Schweiz zu kauft.
In den späten 1990ern konnten die freigeistigen Investoren japanische Bauunternehmen, Medienunternehmen und Textilfirmen finden, die für weniger als das verkauft wurden, was in ihren Büchern stand. Und 2003 entdeckte Browne ein Schweizer Konglomerat, das mit wertvollen Vermögenswerten überhäuft war – Immobilien, ein Eisenwalzwerk, ein Abteilung für Sportzubehör und mehr. Die Aktie wurde für die Hälfte des angenommenen Buchwertes verkauft. Innerhalb von zwei Jahren hat sich die Aktie im Wert verdoppelt. Er schreibt über die Dae Han Getreidemühlen in Südkorea, die er für ein Drittel des Buchwerts gekauft hat.
Das ist nur eine kleine Auswahl des mit Profiten beladenen Reiselogbuchs von Mr. Browne. Als Globetrotter unter den Schatzsuchern, verwendet Browne eine beachtliche Menge an Tinte auf die logischen Grundprinzipien, auf das Verständnis der ausländischen Buchführung, und darauf, was man von den ausländischen Währungen hat und auf vieles mehr.
Aber für all diese gewundenen Gründe, die andere häufig für Investitionen in ausländische Aktien anbieten, bietet Browne nur einen, und der ist kristallklar: „Wenn sie ihren Horizont so weit erweitern, dass er alle entwickelten Länder der Welt erfasst“, schreibt er, „dann kann man seine Chancen verdoppeln, die billigen Aktien zu finden.“
Um jegliche Ängste zu verbannen, dass man sein hart verdientes Geld in irgendein unbeständiges Unternehmen steckt, das mit Streichhölzern zusammen geschustert ist, liefert er eine weitere grundlegende, jedoch zwingende, Beobachtung.
Wenn man die obersten 20 Unternehmen der Welt, gemessen an den Verkaufszahlen, ordnet, dann findet man darunter 12, die ihre Hauptquartiere in Europa oder Asien haben. „Das größte Ölunternehmen hat seine Basis im Vereinigten Königreich [BP]“, schreibt Browne, „und drei der fünf größten Automobilhersteller sitzen in Deutschland und Japan.“
Was für die Spitze gilt, gilt auch für die Mitte und den unteren Bereich. Es gibt gute mittlere und kleinere Unternehmen, die in anderen Gegenden sitzen als in den USA. Investitionen aus den Staaten ignorieren diese Möglichkeiten so wie Weintrinker, die keine importierten Weine probieren wollen. Sie haben dadurch unnötig eingeschränkte Auswahlmöglichkeiten – und sie wissen nicht, was sie verpassen.
Browne ist ein Mann, der seinen eigenen Rezepten folgt. Heute sucht seine Firma, Tweedy, im Ausland nach Schnäppchen. Von den 14 Milliarden Dollar in Vermögenswerten, die man verwaltet, machen ca. 70% des Stapels internationale Aktien aus. Und ungefähr ein Drittel davon sind kleine Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von 5 Milliarden oder weniger. Zu seinen momentanen Lieblingsorten zählen Gegenden wie Südkorea, Japan und Mexiko.
Das zweite Buch geht die globalen Investitionen direkt an. Finding the Hot Spots (Die heißen Orte finden), lautet der Titel von David Riedels neuem Buch. Ehemals ein Farmhelfer von Salomon Smith Barney, steht Riedel heute einem eigenen, unabhängigen Forschungsunternehmen vor.
Riedel beginnt sein Buch mit einigen Seiten, auf denen er mit alten Mythen aufräumt. Gegen den Vorwurf, Investitionen im Ausland seien zu riskant, wendet Riedel das Mikroskop auf die amerikanischen Märkte. „Erinnern Sie sich noch an Enron und WorldCom?“ Unternehmerischer Neid und Diebstahl heizen den amerikanischen Unternehmen zusätzlich ein.
Die Investoren neigen auch dazu, auf die ausländischen Unternehmen herabzublicken, weil sie glauben, dass die Informationen, die sie erhalten, nicht zuverlässig sind. Auch hier verweist Riedel darauf, dass die Unzuverlässigkeit nicht allein auf die Märkte im Ausland beschränkt ist. Es ist nicht so, das wir hier über Malaria oder Polio sprechen. Meiner persönlichen Erfahrung nach können die Offenbarungen manchmal im Ausland sogar noch umfangreicher ausfallen, als hier in der Heimat. Ausländische Unternehmen wissen, dass sie eine zusätzliche Hürde zu überwinden haben.
Außerdem wollen wir nicht vergessen, dass die grundlegende Idee hinter dem Investieren darin besteht, etwas Geld zu verdienen. Riedel schreibt: „Niemand würde Ihnen je erzählen, dass sie nicht in Aktien investieren sollten, von solchen Leuchtfeuern wie IBM, Coca-Cola, Disney, Time Warner, Blockbuster, Microsoft oder Sears.“ Doch eine Investition über drei Jahre würde bei ungefähr der Hälfte dieser Beispiele die Investoren mit weniger Geld zurücklassen, als anfänglich hatten.
Doch den interessantesten Aspekt an Riedels Buch bilden die zahlreichen Profile der unterschiedlichen ausländischen Unternehmen. Von vielen dieser Unternehmen haben Sie noch nie gehört. Und sie werden an amerikanischen Börsen gehandelt. Riedel befasst sich z.B. mit China Yuchai, einem Unternehmen, das Dieselmotoren herstellt. Eine weitere hübsche Partie in China ist Bodisen Biotech. Trotz des Namens ist Bodisen einfach nur ein Düngerhersteller in China. Dieses Unternehmen wirkt sehr interessant. Während ich schreibe steht die Aktie bei ungefähr 9 Dollar und wird für ein anhängendes KGV von 12 verkauft. Das Unternehmen hat keinerlei Schulden und fast einen Dollar pro Aktie an Bargeld. Riedels Buch liefert zahlreiche interessante Ideen wie diese.
Ein weiterer guter Grund im Ausland zu investieren ist der, dass man Zugang zu einer Währung hat, die nicht der schwache und zurückgehende Dollar ist. Riedel nutzt Brasilien als Beispiel für die guten Dinge, die einem zustoßen können, wenn man einen aufsteigenden Markt und eine gute Währung erwischt. Im vergangenen Jahr stieg der brasilianische Markt um ungefähr 30%. Doch gleichzeitig ist der brasilianische Real gegenüber dem Dollar um 14% gestiegen. Und nachdem man alles einkalkuliert hat, konnten Investoren mit Wohnort in Amerika einen 30%igen Marktgewinn brasilianischer Aktien in einen Gewinn von 50% ausgezeichnet in Dollar verwandeln.
Man hat natürlich nicht immer diesen Rückenwind. Aber es zeigt Ihnen die unterschätze Kraft hinter dem weltweiten Investieren.
Zusammenfassend liegen dieser Tage viele Möglichkeiten vor den Investoren. Bedenken Sie die Öffnung des östlichen Europas oder die boomenden Ökonomien in Asien. Oder sehen sie sich die freundlicher werdenden Aussichten in Teilen Afrikas an. Oder das leicht zu übersehende Südamerika. Sowohl Browne als auch Riedel erinnern uns an das Potential dieser Märkte. Sie drängen darauf, dass wir über den Tellerrand blicken und auch andere Länder unter dem großen weiten Himmel berücksichtigen.