Weltweite Entwicklungen
Alexander Hahn in Investoren Wissen
vom 27. September 2010, 16:00 Uhr
ENL5454
bevor ich zur heutigen Ausgabe komme, ein Hinweis vorab:
Wer sich nur für konkrete und rein "technische" Fragen rund um die Geldanlage interessiert, dürfte sich an dem heutigen Artikel ggf. weniger erfreuen. Denn ich werde die heutige Ausgabe nutzen, um einen überblicksartigen Streifzug durch die Medien und einige Veränderungen, welche aktuell weltweit ablaufen, durchzuführen. Um erfolgreich als Investor zu agieren, gehört ein gewisses Hintergrundwissen und eine Beobachtung der weltweiten Vorgänge stets dazu. Hierzu möchte ich heute ein wenig beisteuern. Morgen geht es dann wieder um konkrete und "handwerklichere" Themen.
Sie erinnern sich mit großer Wahrscheinlichkeit noch daran, wie 2007 und 2008 der amerikanische Chefgelddrucker, Herr Bernanke, immer wieder die Lage in den öffentlichen Statements des FEDs herunterspielte und beschönigte: Es war etwa von der Krise, die ja bald vorbei sei, die Rede. Oder man sah mal das Problem an als "lediglich auf den Subprime Bereich beschränkt". Die Wahrheit über die Lage gab es seitens der entsprechenden Verantwortlichen nicht.
Anders hingegen verhielt sich Herr Bernanke kürzlich und äußerte sich besorgt und sichtlich unzufrieden mit der aktuellen Lage in den USA. Wenn also selbst Adressen wie Herr Bernanke nicht mehr die heile Welt verkünden, was steht uns dann bevor?
Wirtschaftlich schwierige Zeiten bringen stets auch politische und gesellschaftliche Veränderungen
Wie wir die letzten Jahre gesehen haben und nun immer deutlich mitverfolgen können, bringen wirtschaftlich schwierige Zeiten stets auch politische und gesellschaftliche Veränderungen. Diese können sehr kleiner oder aber auch deutlich größerer Natur sein.
In England etwa steht aktuell die Londoner City etwas im Visier der Politik, was dazu führt, dass eine ganze Reihe von prominenten Bankern ihren Rücktritt angekündigt hat. Hintergrund sind die Pläne der Regierung, möglicherweise einige britische Banken zu zerschlagen. Gleichzeitig bangen zahlreiche Investmentbanker um ihre üppig bezahlten Jobs, da die Branche zunehmend zu kämpfen hat.
Wenig Sorgen hingegen muss man sich als Pleitebanker offenbar in der Bankenrepublik Deutschland machen, zumindest wenn man mit Steuermitteln gemästet wird. Wie "Die Welt" in ihrer Online-Ausgabe berichtet, verlassen wieder einmal einige Vorstände der berüchtigten Hypo Real Estate die Bank und werden dafür natürlich vom Steuerzahler mit Geld überschüttet (die genauen Zahlen und Hintergründe können Sie hier lesen). Doch damit ist es noch nicht genug. Auch in anderen "staatlichen" Kreditinstituten wird wieder gut kassiert und die Gehaltsgrenze von 500.000 EUR pro Jahr mit diversen Tricks unterlaufen, wie etwa die Bild-Zeitung erst kürzlich berichtete.
Hierzulande gibt es in dieser Hinsicht also nicht wirklich etwas neues. Dafür aber in anderen Bereichen...
Beginnt die Presse den Euro schlechtzuschreiben?
Hatte man sich Jahre lang an der staatlichen Pro-Euro-Propaganda in führender Rolle systematisch beteiligt, fällt in den letzten Monaten und speziell in letzter Zeit immer mehr auf, dass bei einigen Medien ein "Richtungswechsel" erkennbar zu sein scheint.
So machte sich etwa kürzlich der Spiegel lächerlich, in dem er auf "Geheimarchive" verweisend einen Artikel mit der "Neuigkeit" brachte, dass die Euro-Einführung der französische Preis der deutschen Wiedervereinigung gewesen sei, was zu Zeiten der harten Pro-Euro-Linie des Blattes sicherlich undenkbar gewesen wäre.
Derartige "Geheiminformationen" mögen für das gutgläubige Mainstream-Schlaf-Schäfchen, welches sich nur auf Informationen und "Wahrheiten" derartiger Blätter verlässt, tatsächlich etwas neues sein.
Tatsache ist jedoch, dass Punkte wie dieser schon längst bekannt und einfach nachzulesen sind, wenn man sich ein wenig eigenständig informiert, anstatt nur die "vorgekochte" Kost der Konzernmedien zu konsumieren.
Bester Beweis: Bereits am 08.01.2009 schrieb ich in einem meiner Artikel zum Thema "Ist der Euro krisenfest?":
Am 1. Januar 1999 war es soweit: Die Währungsunion in Europa war perfekt und der Euro geboren. Was damals aus einem politischen Kuhhandel als französischer Preis für die deutsche Wiedervereinigung (1) entstand und heute im Volksmund auch als "Teuro" bekannt ist, ist nun 10 Jahre alt. [...]
(1) siehe z.B. die Äußerungen des ehemaligen deutschen Bundespräsidenten Richard v. Weizsäcker in "Die Woche" vom 19.09.1997 oder die Memoiren von Brigitte Sauzay, der damaligen Dolmetscherin des ehemaligen französischen Präsidenten Mitterand, welche noch deutlicher wird: Mitterand habe seine Zustimmung zur Wiedervereinigung "nur um den Preis gegeben, dass der deutsche Kanzler (Helmut Kohl) die Mark dem Euro opfere" (siehe auch Spiegel Special 02/1998). Die deutsche Mark war zu der Zeit in Europa längst zur "Ankerwährung" geworden, an deren (relativer) Stabilität sich die anderen Mitglieder, natürlich einschließlich Frankreichs, orientieren mussten, wenn sie nicht in der Konkurrenz der Währungen hoffnungslos abgehängt werden wollten. Außerdem fürchtete Frankreich eine Neuorientierung des durch die Wiedervereinigung wieder erstarkten Deutschland, das nach der Meinung der französischen Politik die europäische Union "zu einer großen, von der D-Mark beherrschten Freihandelszone von Brest bis Brest-Litowsk" hätte machen können (siehe u.a. FAZ vom 01.06.1996)
Selbst damals schon war diese Information also keineswegs neu. Sogar das eigene Magazin hatte zu dem Zeitpunkt darüber berichtet. Was damit aber bleibt, ist die Frage, warum gerade jetzt derartige "Neuigkeiten" bei der breiten Bevölkerung "verteilt" werden?
Steht in Zukunft etwas an, auf das man "vorbereitend" wirken möchte? Da sich zahlreiche überregionale Medien bereits mehrfach für die Bundesregierung als willige Handlanger betätigten, ist eine solche Frage ja sicherlich nicht ganz ohne Berechtigung...