Welthandel und Rohstoffpreise
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom 20. November 2008, 20:00 Uhr
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Liebe Leser,
der synchrone globale Boom hat sich in einen synchronen globalen Abschwung gewandelt. Die Elektrizitätsnachfrage in China fiel gegenüber dem Vorjahr um 5%, das Wachstum der Industrieproduktion in Russland fiel von 6,3% im September auf 1,6% im Oktober und Stahl- sowie Düngerunternehmen haben ihre Produktion um 20-30% zurückgefahren. Die USA befinden sich nun offiziell in einer Deflation, die US-Einzelhandelspreise fielen gegenüber dem letzten Monat um 1%. Vor allem bedingt durch den Rückgang der Energie- und Nahrungsmittelpreise. Der Wahnsinn daran ist, dass sich dies innerhalb von nur 6 Monaten vollzog. Dauerte ein globaler Abschwung früher von der Entstehung bis zum Tiefpunkt mindestens 1-2 Jahre, so erleben wir den beinahe völligen Kollaps in nur wenigen Monaten.
Dabei ist die Krise in den Köpfen der Menschen noch gar nicht einmal angekommen. Im Sommer waren immer noch genausoviele Menschen in den Biergärten und das Münchner Oktoberfest verzeichnete wieder einmal einen Bierpreisrekord von 8,13 Euro für die Mass...
Doch zurück zu den Rohstoffen.
Die globale Unterversorgung mit Rohstoffen hat sich innerhalb weniger Monate in eine Überversorgung gewandelt. Diese Zahlen tauchen jedoch in den meisten Statistiken noch gar nicht auf, sondern werden uns noch in den nächsten Monaten beschäftigen. Doch der Hauptgrund ist nicht etwa die erwartete Angebotsausweitung, sondern ein drastischer Nachfragerückgang. Der aber nicht gewollt, sondern wegen der Kreditkrise unausweichlich ist.
Vor allem der Rückgang des Welthandels ist dafür ausschlaggebend. Aktuell ist die Vertrauenskrise in alle Bereiche der Wirtschaft umgeschlagen. Derzeit leidet der internationale Handel massiv unter Einschränkungen der Ex- und Importfinanzierung. Für die reibungslose Abwicklung dieses Handels besitzt der so genannte Letter of Credit" immense Wichtigkeit. Laut WTO werden 90% des Welthandels mittels dieser Garantien abgewickelt. Doch momentan traut keine Bank einer anderen und damit ist auch der Letter of Credit" in Frage gestellt, was dazu führt, dass so unsinnige Dinge geschehen, die für uns Normalbürger einfach nicht mehr nachvollziehbar sind. Da warten voll beladene Schiffe darauf, dass die entsprechenden Garantien abgegeben werden und da dies nicht der Fall ist verfaulen Bananen auf den Schiffen.
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