Weltfinanzsystem in der Krise

unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom


von unserem Korrespondenten Bill Bonner

Früher oder später scheinen Leute, die mit viel Geld zu tun haben, die falschen Dinge zu tun. Vor drei Jahren stand Wim Duisenberg im Kreuzfeuer der Kritik. Er Vorsitzende der Europäischen Zentralbank sagte irgendetwas Dummes (ich weiß nicht mehr, was), und plötzlich sackte der Euro ab.


Jetzt ist US-Finanzminister Snow an der Reihe. Nicht, dass er etwas Dümmeres als Duisenberg damals oder seine Kollegen von der Fed jetzt gesagt hätte. Auch hat er nichts gesagt, was nicht stimmen würde.

Aber George Soros verkaufte, und der Dollar fiel; die Presse brauchte einen einfachen, verständlichen Grund. Der US-Finanzminister habe "die Katze aus dem Sack gelassen", schrieben sie, und offenbarten der Welt, dass die derzeitige US-Administration nicht länger eine Politik des starken Dollar verfolge.

Ich persönlich bin ja noch mehr als viele andere an der Entwicklung des Dollarkurses interessiert. Ich verdiene mein Geld schließlich in Dollar, und gebe es in Euro aus (wie Sie wissen, lebe und arbeite ich seit ein paar Jahren in Frankreich). Ich spüre jeden Kursrückgang des Dollar; das treibt mir praktisch die Tränen in die Augen.

Aber ich habe das akzeptiert. Nicht nur den 25 %igen Rückgang, den der Dollar gegenüber dem Euro von Wim Duisenberg in diesem Jahr schon hinnehmen musste ... sondern deutlich mehr. Von 1985–1987 verlor der Dollar gegenüber der damaligen Deutschen Mark rund 50 %. Das war vor dem Amtsantritt von Alan Greenspan ... und vor seiner größten Geldvermehrung der Geschichte.

Sie sehen, liebe(r) Leser(in), man kann den armen John Snow genausowenig für den Dollarverfall verantwortlich machen wie Alan Greenspan für den zuvorigen Dollaranstieg. Heute lasse auch ich die Katze aus dem Sack – der Dollar wird weiter fallen, egal, was die US-Geld-Offiziellen sagen.

Anständige Männer und Frauen interessieren sich normalerweise nicht für die Funktionen der internationalen Geldmechanismen. Ich würde es ihnen nicht vorwerfen, wenn sie meinen heutigen Beitrag gelangweilt oder angeekelt ignorieren würden. Aber es gibt eine Zeit und einen Platz für alles. Plötzlich ist das Geldsystem der Welt in den News ... und in Gefahr. Ich fordere meine Leser auf, die Jungen und die Schwachen aus dem Raum zu schicken ... stärken Sie sich mit einem Schluck Whiskey ... und lesen Sie weiter. Es ist nicht schön, aber es ist notwendig – manchmal – zu verstehen, wie diese Dinge funktionieren.

Es gab eine Zeit, als Amerika ehrliches Geld hatte. Sowohl der Goldstandard als auch das Abkommen von Bretton Woods verpflichteten die Nationen, ihre Schulden mit realem Geld zu bezahlen – Geld, das nicht einfach so gedruckt werden konnte. Unter dem Bretton Woods-Abkommen konnten internationale Finanztransaktionen goldgedeckt durchgeführt werden. Wenn ein Land mehr kaufte als es verkaufte, dann konnte es dazu gezwungen werden, die Differenz mit Gold zu bezahlen. Amerika hatte den Dollar. Deutschland hatte die D-Mark. Aber die Währung der Welt war Gold.

Dann wurde von der Nixon-Administration "das Goldfenster geschlossen", wie es damals hieß. Das bedeutete, dass ausländische Nationen bei der US-Zentralbank ihre Dollar nicht mehr länger gegen Gold eintauschen konnten. Es begann der Dollar-Standard. Der internationale Handel wurde in Dollar abgewickelt, und die Nationen bauten Dollarreserven auf – statt Goldreserven.

In den 20 Jahren des Abkommens von Bretton Woods – von 1949 bis 1969 – sind die internationalen Reserven insgesamt um nur 55 % gestiegen. Seitdem hat der Anstieg mehr als 2000 % (!) betragen, das meiste davon kam seit dem Amtsantritt von Alan Greenspan im Jahr 1987 zustande.

Die Fed erhöhte nicht nur das Geldangebot in den USA – sie erhöhte das Geldangebot der gesamten Welt. Sie warf so schnell Geld auf den Weltmarkt, dass sich dort schnell ein Geldberg bildete.

Richard Duncan erklärt:

"Diese Explosion der Devisenreserven war eines der signifikantesten wirtschaftlichen Ereignisse der letzten 50 Jahre. Heute halten die asiatischen Zentralbanken ungefähr 1,5 Billionen Dollar an Reserven. Der größte Teil der internationalen Dollar-Reserven ist dem Leistungsbilanzdefizit der USA zu verdanken. Dieses Defizit beträgt derzeit ca. 1 Million Dollar pro Minute! Im letzten Jahr betrug es 503 Milliarden Dollar, oder ca. 2 % des weltweiten Bruttoinlandsproduktes. Die Devisenreserven der Länder mit einem Leistungsbilanzüberschuss nehmen insgesamt jedes Jahr entsprechend der Größe des US-Leistungsbilanzdefizits zu. Deshalb müssen sich die Zentralbanker nich nur Sorgen über die bereits bestehenden Dollar-Reserven machen, sondern auch über den Zustrom von neuen Dollar-Reserven, die sie jedes Jahr ansammeln, damit sie auch in der Zahlungsbilanz einen Überschuss erzielen können."

Seit dem Zusammenbruch des Systems von Bretton Woods konnten die USA etwas tun, wovon andere Länder nur träumen konnten; sie konnten ihre Schulden mit Geld bezahlen, das sie einfach selbst drucken konnten, zu "Kosten nahe Null", wie es Fed-Gouverneur Ben Bernanke vor kurzem erklärt hat. Der Rest der Welt konnte den USA verkaufen, soviel sie wollten – auf Kredit, den die Amerikaner einfach mit selbstgedruckten Dollar bezahlen konnten.

Was war das für ein großartiges System! Und nicht nur für die Amerikaner. Natürlich waren sie die ersten Profiteure dieses Symstems – denn sie erhielten etwas für nichts. Aber sie sind auch die größten Opfer.

Lange Zeit glaubten die Leute, dass der Dollar so gut wie Gold sei. Die Ausländer waren bereit, soviele Dollar zu nehmen, wie angeboten wurden, und der letzte Dollar hatte den gleichen Wert wie der erste. Und die Ausländer waren bereit, bis in die Nacht hinein zu arbeiten, für minimale Löhne, um Dinge zu produzieren, die sie gegen Dollar eintauschen konnten.

Der erste größere Profiteur des neuen Systems war Japan. Die Japaner trugen Uniformen ihrer Firmen und sie sangen Lieder ihrer Firmen ... und sie transformierten ihre Insel in eine Japan AG, eine Nation, deren Herz mit einer einzigen Absicht schlug – den Amerikanern Güter zu verkaufen. Aber was konnten sie mit all den Dollar, die sie verdienten, tun?

Duncan weiter ...

"Dieses Arrangement hatte den Vorteil, dass es schnelleres Wirtschaftswachstum erlaubte, als dies sonst der Fall gewesen wäre, besonders in großen Teilen der Entwicklungsländer. Es führte auch zu Druck auf die Konsumentenpreise und damit auch auf die Zinssätze in den USA, da billig produzierte Güter in immer größeren Mengen von den USA importiert wurden. Trotzdem ist es zunehmend offensichtlich geworden, dass der Dollar-Standard auch zu einer Anzahl ungewollter und potenziell desaströser Konsequenzen geführt hat."

"Zunächst einmal ist es klar, dass die Länder, die große Devisenreserven angehäuft hatten, in eine ernste wirtschaftliche Überhitzung gerieten, mit einer Hyperinflation der Aktienkurse und einem schließlichen wirtschaftlichen Kollaps. Japan und die Asienkrise sind die offensichtlichsten Beispiele dafür. Diese Länder konnten eine komplette Depression nur deshalb vermeiden, da sich die Regierungen stark verschuldeten, um den eigenen Banken zu helfen, um einen Bankencrash abzuwehren."

"Zweitens hat das derzeitige internationale Geldsystem auch zu wirtschaftlicher Überhitzung und explodierenden Aktienkursen in den USA geführt, da die Länder, die im Handel mit den USA Überschüsse erzielten, diese Überschüsse in den USA selbst anlegten. Ihre Käufe von US-Aktien, US-Staatsanleihen und US-Unternehmensanleihen führten zu Spekulationsblasen und ließen die Kurse auf unhaltbare Niveaus steigen."

"Drittens hat die Geldschaffung, die der Dollar-Standard ermöglichte, zu einer großen Überinvestition in fast jeder Industrie weltweit geführt. Überinvestitionen, die Überkapazitäten schufen und zu deflationärem Druck führten, was die Profitabilität der Unternehmen weltweit untergräbt."

Wird es Sie überraschen, liebe(r) Leser(in), dass man ohne Gegenleistung auch nichts bekommt? "Von Nichts kommt Nichts", das ist so elegant korrekt. Drei Dekaden des Dollar-Standards haben Jobs, Fabriken, Ersparnisse, Gewinne produziert – aber zum größten Teil in Übersee.


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