Weltbank malt düsteres Bild – warum uns trotzdem nicht bange sein muss

in Insider Daily
vom


"bitte nicht schon wieder", schoss es mir heute Morgen durch den Kopf als ich auf dem Weg zur Arbeit aus meinem Autoradio die Meldung vernahm, dass die Weltbank ihre globale Konjunkturprognose wegen der Euro-Krise kräftig gestutzt hat und nun sogar vor einem Absturz der gesamten Weltwirtschaft warnt. Der Chefautor des heute in Peking vorgelegten Berichts, Andrew Burns, hat wenig bis gar nichts Positives anzukündigen: Die Eurozone wird demnach noch in diesem Jahr in die Rezession rutschen. Weltweit erwartet die Weltbank nur noch ein Wachstum von 2,5% in diesem und 3,1% im nächsten Jahr.


Das Angstwort Rezession kehrt zurück auf die Agenda

Sollte sich die Krise verschlimmern, würde sie nach Ansicht Burns keine Weltregion verschonen. Mit 2012 habe ein "schwieriges Jahr" begonnen. "Die Weltwirtschaft ist in eine gefährliche Phase eingetreten", warnt der Report. Sollte weiteren Ländern Zugang zu Kapital verwehrt werden, sei zudem nicht auszuschließen, dass eine weit schwerere Finanzkrise Banken und Finanzinstitutionen auf beiden Seiten des Atlantiks erfasst. "Das würde die Welt in eine Rezession stürzen, die genauso groß oder sogar größer sein könnte die der Jahre 2008/09." Und weil Industrie- und Schwellenländer zahlreiche Gegenmittel wie z.B. milliardenschwere Konjunkturpakete schon in der letzten Krise ausgeschöpft wurden, dürfte die Welt sich von einem neuerlichen Absturz nicht so schnell erholen wie zuvor. Die Finanzsituation sowohl reicher wie armer Staaten sei extrem angeschlagen, und in den Industrienationen könnten die Zentralbanken nicht mehr so kräftig gegensteuern wie 2008/09.

Oha, da kommt was auf uns zu. Und es könnte sogar noch viel schlimmer kommen. Muss uns nun doch angst und bange werden? Müssen wir um den Verlust all unserer Ersparnisse bangen? Definitiv nein: Wer sein Geld in Sachwerte wie Aktien oder Edelmetalle investiert hat, kann weiterhin ruhig schlafen. All jene können sich mit großer Wahrscheinlichkeit sogar auf ein tolles Jahr 2012 freuen. Denn was wir derzeit beobachten ist erst der Anfang einer nachhaltigen Entwicklung: Die nach wie vor immens hohe Liquidität der Investoren und Privatanleger fließt zunehmend in Aktien - Qualitätspapiere namhafter Konzerne, welche verschlankt und gestärkt aus der Krise 2008/2009 herausgetreten sind. Sie alle sind nun bestens gerüstet für was auch immer da kommen mag - Krise oder Aufschwung. Und diese Erkenntnis setzt sich gerade durch.

Das zeigt auch die Tatsache, dass der deutsche Aktienmarkt heute nach Ankündigung des Berichtes nur moderat verliert und kurze Zeit später bereits wieder ins Plus dreht. Damit bestätigt sich: Der Wendepunkt an den Börsen findet zumeist am wirtschaftlichen Tiefpunkt, oft sogar schon ein Quartal im Voraus statt. Und schließlich erwarten auch die Ökonomen für das zweite Quartal 2012 eine Trendwende in der Weltwirtschaftskonjunktur. Es gibt derzeit also keinen Grund, in Panik zu verfallen.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Börsentag.

Ihre

Cindy Bach

von
Cindy Ullmann
Cindy Ullmann

Cindy Ullmann nimmt regelmäßig Insidergeschäfte unter die Lupe. Sie stellt „Directors’ Dealings“ vor - zum Vorteil ihrer Leser.

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Kommentar von Albert Karl

Sehr geehrte Frau Bach, vielen Dank für diesen informativen Bericht. Fakt ist aber doch auch, dass der scheinbare Aufschwung - wie von Ihnen oben beschrieben - offensichtlich eben nicht das Ende der Krise bringt, sondern für mein Verständnis einen weiteren Anfang bedeutet. Wenn wir uns fragen was ist denn im globalen Markt gegeben, dann ist festzustellen, dass die heutige Welt durchseucht ist mit Schulden. Das Grundproblem unseres Finanzsystems ist also die stetige Zunahme weltweiter Verschuldung. Es ist de facto eine Schuldenkrise durch eine solch explodierende Schuldenlast entstanden und der Ausfall von Krediten führt unweigerlich zu einer Reduzierung der umlaufenden Geldmenge, welche dann eventuell in eine Deflation zusammenlaufen könnte. Die Frage ist doch vielmehr, welche Möglichkeiten es gibt, eine solche deflationäre Abwärtsspirale aufzuhalten. Warum haben eigentlich die ganzen angeblichen Sparmaßnahmen der Politik in den letzten 10 Jahren nichts Positives gebracht? Wenn wir nach Japan schauen, dann beweisen die Fakten, dass es letztlich immer zuerst zu einer längeren Deflation kommen muss, bevor überhaupt eine Hyperinflation denkbar ist. Schöne Grüße und gute Nacht, A.K

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