Welche Scheine gerade ungünstig bewertet sind
Michael Vaupel in Traders Daily
vom 22. Februar 2008 12:00 Uhr
ENL5454
Am Mittwoch hatte ich Sie darauf hingewiesen, dass die derzeit recht hohe Volatilität bei der Kategorie der „Discount-Zertifikate“ zu günstigen Bewertungen führt. Diese Kategorie ist derzeit also tendenziell interessant.
Im Gegenzug möchte ich nun auf die Kategorie von Schienen hinweisen, welche aktuell (in Zeiten vergleichsweise hoher Volatilität) relativ unattraktiv sind.
Und das sind die "ganz normalen" (auf Börsendeutsch heißt das "Plain Vanilla") Call- und Put-Optionsscheine.
Was hat die Volatilität damit zu tun?
Die Volatilität (Börsendeutsch: "Vola") ein Maß für die Schwankungsfreudigkeit der Kurse. Je höher die Volatilität, desto stärker schwanken die Kurse – und umgekehrt. Bei der Preisbildung von Derivaten spielt die Volatilität eine große Rolle.
Ich zeige Ihnen deshalb mal die Auswirkungen im Einzelnen auf:
- Sowohl Call- als auch Put-Optionsscheine werden mit steigender Volatilität teurer. Das heißt: Auch wenn sich der Basiswert gar nicht bewegt, dann steigt der Kurs des Scheins, wenn die Volatilität zunimmt!
- Discount-Zertifikate werden mit steigender Volatilität billiger. Also: Auch wenn sich der Basiswert gar nicht bewegt, dann kann der Kurs des Discount-Zertifikats fallen, wenn die Volatilität zunimmt!
- Was für die Discount-Zertifikate gilt, gilt auch für Aktien-Anleihen
- Bei den "Turbos", also den Turbo-Zertifikaten, hat die Volatilität auf die Kursbildung so gut wie keine Auswirkungen.
Ganz klar: Welches Instrument das Richtige ist, hängt in erster Linie von der Höhe der Volatilität des Basiswertes ab! Keine Kategorie ist in jeder Marktphase überlegen (sonst gäbe es die anderen Kategorien gar nicht mehr).
Wenn Sie sich also fragen, ob ein Turbo, ein Optionsschein oder ein Discount-Zertifikat gerade passen ... dann lautet die richtige Antwort:
Es kommt darauf an! Nämlich auf die Höhe der Volatilität.
Die Volatilität ist ein konkreter Wert. Z.B. für den Fall des DAX gibt der Index VDAX (oder VDAX NEW) die Höhe der Volatilität an, ich hatte Ihnen das am Mittwoch erklärt.
Aktuell gilt also:
Gute Kategorien sind Discount-Zertifkate und Aktien-Anleihen.
Schlechte Kategorie: „Normale“ Calls und Puts.
Und neutral in Bezug auf die Volatiliät sind die Turbos (oder Mini Long-Zertifikate oder wie sie sonst heißen, das ist ja bekanntlich von Emittent zu Emittent verschieden).
Jeder Schein hat seine Zeit.
So ist das.
Ich wünsche Ihnen ein angenehmes Wochenende!
Michael Vaupel