Weizen - wann kommt die Bodenbildung?
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Agrar-Rohstoffe
vom 23. April 2008 20:45 Uhr
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Liebe Leser,
sicher erinnern Sie sich noch an Weizen. Weizen, dieses herrliche Getreide, welches im Jahresvergleich eine höchst beachtliche Preisentwicklung hinter sich gebracht und im solchen noch immer mit 71 % im Plus notiert. Weizen, dieses herrliche Getreide, über das ich bereits zu Beginn des Jahres 2007 euphorisch berichtete. Weizen, dieses herrliche Getreide, welche im Februar einen Rekordpreis bei über 13,45 US-Dollar pro Scheffel erreichte. Weizen, dieses herrliche Getreide, welches doch so knapp war- auch dank des Einflusses durch den Ethanolfaktor- aufgrund geringer Anbauflächen und wetterbedingter Ernteeinbußen.
Weizen, dieses herrliche Getreide, welches seit Mitte März nur noch eine Richtung kennt: nach unten. Gegenwärtig notiert der Maifuture bei 8,16 US-Dollar pro Scheffel. Gut, zugegeben – Sie mögen sich erinnern – schon Ende Januar glaubte ich, dass die Rallye zunächst einmal beendet sein könnte. Ich habe mich – zugegeben – gerne eines besseren belehren lassen: spekulative Unterstützung und zwischenzeitliche Gegenbewegungen, die neue Kaufanreize auslösten trugen zur massiven Preissteigerung bei.
Aber was ist nun eigentlich jetzt passiert? Das was von vielen Seiten erhofft wurde: die hohen Preise haben den Landwirten wohl einen Anreiz geboten die Anbauflächen für Weizen auszuweiten. In Europa, wie immer planwirtschaftlich, forciert. In den USA, aufgrund der Gesetze des Marktes. Tatsächlich geht die USDA von einer Ausweitung der Weizenanbaufläche von 60 Millionen auf über 63 Millionen acres aus.
Auch Indien weitet wohl seine Produktion aus
Nachdem Indien, der weltweit zweitgrößte Weizenproduzent im vergangenen Erntejahr ebenfalls aufgrund widriger Wetterbedingungen unter Ertragseinbußen litt und gezwungen war auf den Weltmarkt einzukaufen, sieht die Lage für dieses Jahr doch wesentlich besser aus. Indiens Landwirtschaftsminister Sharad Pawar sagte heute Indien werde in der kommenden Saison 76,8 Millionen Tonnen Weizen ernten. Das entspricht einem Plus von 1 Million Tonnen gegenüber der vorherigen Ernte. 19 Millionen Tonnen wolle Indiens Regierung den heimischen Farmern abkaufen, so Pawar. Damit würde sich ein erneuter Zwang auf dem Weltmarkt zu kaufen wohl erübrigen.
Die Lage entspannt sich zunehmend
Die IGC geht davon aus, dass die weltweite Weizenproduktion in diesem Jahr um 7 % auf 646 Millionen Tonnen ansteigen dürfte. Das bedeutet nicht nur Indien und die USA können ihre Lagerbestände wieder aufstocken. Sollte sich die Prognose bewahrheiten, dürfte sich die weltweite Versorgungslage zunächst etwas entspannen.
Auch die Ukraine, traditionelle Kornkammer Osteuropas, scheint das inzwischen ähnlich zu sehen. So hat Yulia Timoshenko inzwischen die Exportbeschränkungen für Weizen aufgehoben, nach nun bald zwei Jahren.
Das Wetter ist immer der Clou
Dennoch darf man nicht außer Acht lassen, dass die Weizenfutures inzwischen fast 39 % von ihrem Rekordhoch abgegeben haben. Und was günstiger wird sollte man beobachten.
Aber ich will ehrlich zu Ihnen sein: gegenwärtig gehe ich davon aus, dass vor allem das Wetter der Clou ist. Dieses gilt es zu beobachten. Vor allem in den USA. Denn was momentan zusätzlich auf die Weizenpreise drückt, sind die gleichen Wetterbedingungen die im Moment die Maispreise unterstützen. Hohe Niederschläge und kühlere Temperaturen, führen zwar dazu, dass die Maisaussaat sich weiter verzögert, aber die dadurch entstehende hohe Bodenfeuchtigkeit unterstützt eben auch das Wachstum der bereits ausgesäten Winterweizenpflanzen.
So weit sieht es momentan also nicht so rosig aus für eine eventuelle Bodenbildung im Weizen. Aber wie wir alle ebenfalls wissen, ist das Wetter nun mal unbeherrschbar und vor allem immer wieder für eine Überraschung gut.
Sollten sich also in den USA doch noch Wetterbedingungen ergeben, die sich negativ auf das Pflanzenwachstum auswirken können, könnte dies dann auch der Beginn einer neu einsetzenden Bodenbildung sein. Was schließlich auch irgendwann wieder zu einem neuen günstigen Einstiegszeitpunkt führt.
Bis es so weit ist, dürfte Weizen allerdings wohl noch weiter abgeben.