Weizen – für Überraschungen gut!
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Agrar-Rohstoffe
vom 10. August 2010, 20:00 Uhr
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Wie ich am vergangenen Donnerstag schon schrieb, besteht an sich keine Gefahr einer weltweiten Weizenverknappung oder gar einer Krise, wie vor zwei Jahren. Die weltweiten Weizenbestände befinden sich nach wie vor auf einem recht hohen Niveau (insbesondere in den USA: das USDA geht für den US-Weizenmarkt von einer stocks to use ratio von 50% aus und weltweit von einer stocks to use ratio von 24%).
Dennoch, wie wir ja nun gesehen haben, ist der Weizenmarkt (und die Agrarmärkte generell) für Übertreibungen gut, je nachdem, welche Überraschungen da noch kommen mögen. Am Donnerstag steht zunächst einmal die Veröffentlichung der neuesten USDA-Prognosen an. Eigentlich sollte das für Stabilität sorgen, sofern das US-Landwirtschaftsministerium für die weltweite Lagerbestandsentwicklung keine starken Überraschungen bereit hält.
Faktor Russland
Und dann ist da natürlich der Faktor Russland. Zum einen stehen die russischen Exporteure momentan etwas unter Zeitdruck, zum anderen sind die Aussichten für die kommende Aussaat alles andere als rosig.
Russische Getreideunion spricht sich für Verzögerung bei Beginn des Exportstopps aus
Aktuell sind rund 600.000 Tonnen russischen Weizens für den Export bestimmt. Im Moment sind stehen etwa 300.000 Tonnen Weizen in den Terminals der Schwarzmeer-Häfen Novorossiysk und Tuapse zur Verladung bereit. Die restlichen 300.000 Tonnen befinden sich erst auf dem Weg zu den beiden Verladehäfen.
Nun ist es aber so, dass die beiden Umschlagplätze Novorossiysk und Tuapse nur eine Kapazität von 30.000 Tonnen pro Tag aufweisen, abhängig vom Wetter.
In 5 Tagen soll das Exportverbot beginnen! Rechnen Sie nach: es sieht nicht so aus, als hätten die Exporteure genug Zeit um die gesamte für den Export bestimmte Menge an Weizen zu verladen. Im schlimmsten Fall könnten weniger als 50% der für den Export bestimmten 600.000 Tonnen Weizen nicht verschifft werden.
Kein Wunder, dass sich die Getreideunion dafür ausspricht, den Beginn des Exportverbots bis zum 1.September hinauszuzögern.
Nun ja, wenn die Russen auch nicht liefern können...die US-Amerikaner können es, auch Argentinien und Australien dürften profitieren. Zumindest sollten aber mal die Weizenpreise nach unten hin bis etwa 6 USD relativ gut abgesichert sein. Wie gesagt, vorerst zeigt sich die 7 USD-Marke recht stabil.
Sorgen bezüglich der kommenden Ernte
Sorgen bereitet auch nach wie vor die kommende russische Ernte. Die Saison für die Aussaat des russischen Wintergetreides endet regulär Anfang September. Doch wie es im Moment aussieht, ist der Boden in weiten Teilen Russlands aktuell einfach noch zu trocken, so dass hier, sollte sich dieser Zustand nicht bald ändern, vielfach keine Aussaat vorgenommen werden kann.
Und dies ist nicht der einzige Aspekt, der die Aussaat bedroht. Viele russische Landwirte, deren Ernte durch Dürre und Feuer betroffen ist, haben nun mit finanziellen Problemen zu kämpfen und können es sich schlichtweg gar nicht leisten das Wintergetreide auszusäen. Zu allem Überfluss verschlechtert sich ihre finanzielle Situation noch durch das Exportverbot, denn generell liegen die Marktpreise über den einheimischen Preisen.
Wenn es zu weiteren negativen Überraschungen kommt...
Generell bleibt die russische Ernte erst einmal ein Sorgenkind und die Weizenpreise anfällig für weitere schnelle und heißlaufende Übertreibungen. Da könnte schon eine weitere Hiobsbotschaft aus Russland ausreichen. Mittlerweile hat der Markt zwar einen russischen Exportstopp akzeptiert, doch sollte Russland eventuell sogar auf Importe zurückgreifen müssen, könnte dies schon wieder ein neues auslösendes Reiz-Fünkchen für heißlaufende Spekulanten bedeuten.
So long liebe Leser...das war's wieder einmal für heute vom Weizenmarkt...im folgenden werden wir uns auch noch einmal ein paar Updates zu den übrigen Getreidemärkten gönnen und mit unserer Wirtschaftstheorien-Reihe weiter verfahren...wie Sie sicher schon gemerkt haben, habe ich inzwischen damit begonnen, in loser Reihenfolge zwischen den aktuellen Rohstoff-Themen und unserer fortlaufenden Theorien-Reihe abzuwechseln...ich hoffe, das ist auch in ihrem Sinne und in diesem Sinne verabschiede ich mich für heute...liebe Grüße, einen schönen Abend und bis morgen...
Ihre Miriam Kraus
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Heiko Jessen (10.08. 2010 20:44 Uhr):
Hallo Frau Kraus, ich lese sehr gerne und aufmerksam Ihre Berichte. Selbst wenn im Moment draußen der Mähdrescher läuft nehme ich mir die Zeit in Ruhe ihren Bericht zu lesen. Für mich als Landwirt liegt heute der Schwerpunkt für den Gewinn bzw. Verlust im Unternehmen ganz eindeutig in der Vermarktung. Vielen Dank für Ihre klaren und aufklärenden Worte. Machen Sie bitte weiter so. Mit freundlichen Grüßen Ihr treuer Leser Heiko Jessen
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