Weizen- Aussichten für 09
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Agrar-Rohstoffe
vom 15. Dezember 2008, 20:00 Uhr
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Liebe Leser,
beschäftigen wir uns doch heute wieder einmal mit Getreide im Allgemeinen und Weizen im Speziellen.
Doch werfen wir zunächst einen Blick auf die US-Dollar-Entwicklung, denn sie begründet maßgeblichen Einfluss auf die Entwicklung der Rohstoffpreise. Nach einer viermonatigen, 24%-Rallye scheint die Luft nun endlich raus zu sein aus dem US-Dollar. Was nicht nur ich schon seit längerem erwartet habe, beginnt nun! Das Deleveraging aus dem Finanzsektor scheint langsam nachzulassen und so kommt nun der Effekt der massiven fiskalpolitischen Stimulierungsprogramme in den USA zum Tragen. Mittlerweile überfluten die USA unter 23 verschiedenen Rettungspaketen und Konjunkturprogrammen die Welt mit schätzungsweise 8,5 Billionen weiteren US-Dollar. Dieses massive Geldmengenwachstum musste früher oder später seine Auswirkungen auf die US-Währung zeigen. Und so beweist der US-Dollar folgerichtig weiterhin Schwäche! EUR/USD ist mittlerweile von 1,2616 am vorletzten Freitag auf gegenwärtig 1,3456 gestiegen.
Die US-Dollar-Schwäche der letzten Woche ist aufgrund der Negativkorrelation ausschlaggebend für die starke Entwicklung der Rohstoffpreise in der vergangenen Woche. Während der US-Dollar in der letzten Woche gegenüber den sechs wichtigsten Währungen um 4 % abgegeben hat, sind die Weizenpreise um über 9 % gestiegen.
Gegenwärtig beobachten wir eine gute Ausgangslage für eine Bodenbildung in den Getreidemärkten. Doch wie wird es weitergehen? Beschäftigen wir uns also mit weiterführenden Überlegungen zum Weizenmarkt.
Weizen und seine Korrelation zu Erdöl
Der fallende US-Dollar unterstützt ganz klar auch die Erdölpreisentwicklung. WTI hat inzwischen eine Unterstützungsmarke bei 40 US-Dollar pro Barrel gefunden und bewegt sich bereits in Richtung der 50 US-Dollar-Marke. Heute wurde diese, zum ersten Mal seit dem 2.Dezember, wieder nach oben durchbrochen. WTI im Januar-Future notiert gegenwärtig bei 46,01 US-Dollar pro Barrel. Doch nicht nur die US-Dollar-Entwicklung unterstützt die Erdölpreise, sondern auch die OPEC. Diese scheint endlich Stärke zu beweisen und geschlossen hinter ihren Produktionskürzungen zu stehen. Dies gilt insbesondere für Saudi-Arabien. Neu wird sich nun auch Russland, welches ebenfalls zum anstehenden OPEC-Meeting am Mittwoch eingeladen ist, an den Produktionskürzungen beteiligen. Die Zeichen stehen also hervorragend für eine zumindest Stabilisierung der Erdölpreise.
Doch was hat das nun mit den Weizenpreisen zu tun? Nun Rohstoffpreise korrelieren, doch das ist jetzt zu einfach gesagt. Stattdessen will ich auf eine ganz praktische Überlegung hinaus:
Stellen Sie sich vor Sie produzieren Getreide. Ihre Kostenfaktoren sind dann Düngemittel, Transportkosten und Lagerhaltungskosten (vereinfacht ausgedrückt). Diese Kostenfaktoren sind Energierohstoff abhängig. (Transport und Lagerhaltung sind klar; für die Produktion von Stickstoffdünger ist ein gewaltiger Energierohstoffverbrauch notwendig). Nun sind die Energierohstoffpreise zwar gefallen, doch Sie beobachten den Markt. Sie sehen die Zeichen stehen für möglicherweise wieder steigende Energierohstoffpreise. Was tun Sie nun also? Jetzt ihr Getreide verkaufen und nachher möglicherweise auf höheren Kosten sitzen bleiben? Nein, Sie warten erst einmal ab.
Und genau das tun gegenwärtig auch die US-Farmer! Sie horten ihren Weizen und harren der Dinge die da kommen mögen.
Wenn nun ein Käufer auftaucht und auf dem Spotmarkt dringend Weizen kaufen muss, dann muss er höhere Preise bezahlen. Die Gesetze des Marktes!!
Höhere Spotmarktpreise führen allerdings auch zu steigenden Futures-Preisen...
US-Dollar-Entwicklung und Exportüberlegungen
Einen weiteren Faktor gilt es zu überlegen: Seit Beginn des Erntejahres im Juni sind die US-Weizen-Exporte um 27% gegenüber dem Vorjahr rückläufig. Der Grund dafür ist der teure US-Dollar. Wenn der US-Dollar nun weiter fällt, bedeutet dies, dass US-Weizen für ausländische Käufer wieder günstiger wird. Ein Faktor der für das kommende Jahr wieder steigende Exportzahlen erwarten lässt.
Weizen - besonders in Zeiten der Rezession gefragt
Gerade jetzt gilt es sich Gedanken in Bezug auf die Nachfrageentwicklung zu machen! Wie sieht es denn mit jener für Weizen aus, in Zeiten der Rezession?
Nun, der Mensch muss essen, ob in wirtschaftlichen Ab- oder Aufschwungphasen. Die Frage ist nur, was der Mensch in wirtschaftlich schwereren Zeiten essen wird?! Auch diese Frage ist einfach beantwortet: der Mensch greift zum günstigeren Lebensmittel. Soll heißen: wohl eher zu Nudeln, anstatt zum Rinderfilet.
Weizen ist damit ein Getreide, welches das Potenzial hat gerade von einer Phase der Rezession zu profitieren. Denn Weizen wird im Gegensatz zu anderen Getreidesorten nur bedingt als Futtermittel eingesetzt. Dafür generiert allein der direkte Verbrauch als Lebensmittel 82% der Weizennachfrage.
Ich gehe davon aus, dass die Getreidemärkte allgemein ihre Erholung im kommenden Jahr fortsetzen werden. Doch Weizen, welches sich als Grundnahrungsmittel, ganz besonders in Zeiten in denen die Menschen verstärkt auf ihre Ausgaben achten müssen, einer wachsenden Nachfrage erfreut, hat durchaus das Potenzial sich gegenüber den anderen Grains noch deutlich stärker zu entwickeln.
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