Weiterhin bullisch für Gold!
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom 16. Juli 2008, 20:00 Uhr
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Liebe Leser,
da zog er aus, unser aller Ben Bernanke um auch noch den allerletzten, die es bislang noch nicht wahr genommen hatten, ganz offiziell mitzuteilen, wie sehr ihm doch die Wirtschaft Sorgen bereitet. Die US-Wirtschaft wohlgemerkt, oder die drohende Rezession, anders ausgedrückt! Da wird die wachsende Inflation nun richtig gehend zweitrangig in der Gedankenwelt des tapferen Ben und seiner Mannen. Verzeihen Sie mir den Sarkasmus an dieser Stelle! Ich weiß den armen FED-Kriegern bleibt ja auch gar nichts anderes mehr übrig, als die Bekämpfung der Inflation vorerst auf die Reservebank abzuschieben.
Doch, ganz unter uns, überraschend kam das gestrige Statement des FED-Vorsitzenden ja nun nicht gerade. Wer seinen gesunden Menschenverstand schon länger benutzt, hatte die Zeichen auch schon vorher richtig deuten können. Ben Bernanke hat sich nicht erst seit gestern für eine Seite in seiner stagflationären Zwickmühle entschieden. Die Abschwächung der US-Wirtschaft, die Beklemmung des US-Finanzsektors, die Insolvenz der Hypothekengeber, keine Leitzinsveränderung und die Ausweitung des Notfall-Kreditsystems.
Alles Ereignisse, die nur einen Schluss zulassen: die FED kann den Leitzins gegenwärtig nicht anheben; wird die Ausweitung der Inflation trotz bereits bestehender negativer Realverzinsung nicht bekämpfen (können) und muss sich zunächst einmal um die drohende Rezession kümmern.
Doch es kam wie es kommen musste: Ben sagt die Risiken für das Wachstum, ebenso wie für die Inflation sind gestiegen und die Marktteilnehmer schicken den US-Dollar in den Orkus. Dieser erreichte gestern noch ein neues Rekordtief gegenüber dem Euro. EUR/USD notierte zwischenzeitlich auf einem neuen Rekordhoch bei 1,6038.
Rohöl korrigiert
Für viele vielleicht besonders überraschend, schickten die Marktteilnehmer auch gleich die Rohstoffe mit nach unten. Man bedenke, trotz fallendem US-Dollar. Sonst korrelieren unsere Rohstoffe in äußerst engem Verhältnis zur EUR/USD-Entwicklung.
Also was ist hier jetzt los? Nun ein genauerer Blick verrät uns, dass es offenbar die Energie- und Agrarrohstoffe stärker getroffen hat. Wobei ich bei den Grains etwas vorsichtiger bliebe, denn hier gilt es noch die gegenwärtige fundamentale Lage auszuloten. Tatsache ist, dass der neueste USDA-Bericht nicht gerade Anlass zum freudigen Kauf bietet und deshalb die Marktteilnehmer gegenwärtig auf schlechteres Wetter warten. Obwohl auch Mais gegenwärtig etwas überverkauft wirkt, sollten gerade die Sojabohnen auf einem günstigeren Level wieder neuen Kaufanreiz bieten. So viel mal zu den Grains!
Viel interessanter ist die Psychologie die momentan hinter der Rohölpreisentwicklung steckt. Was ist los mit diesen Marktteilnehmern? Sind sie nun auch dahinter gekommen, dass die US-Benzinnachfrage in der 12. Woche in Folge rückläufig ist? Dass die OPEC zum wiederholten Male ihre Nachfrage-Wachstumsprognose nach unten korrigiert hat, kann es doch auch nicht gewesen sein? Oder versuchen sie nun alle heroisch anstelle der FED die Inflation zu bekämpfen indem sie die Rohstoffpreise drücken - die Guten? Weder noch! Die Antwort ist vielleicht ganz simpel: noch immer taugt das Wort des FED-Vorsitzenden als gesprochenes Machtwort. So hat das gestrige Statement des Ben Bernanke den Markt ganz einfach etwas aufgescheucht. Das ist so, wie wenn man laut Fuchs" in den Hühnerstall hinein ruft. Da flattert es auch erst ganz wild und dann setzen sie sich wieder bedächtig aber nervös zurück auf die Eier ( ich liebe Metaphorik, auch wenn ich nicht gerade eine Fachfrau dafür bin - aber ich bin mir sicher Sie verstehen was ich damit sagen will)
Ich schätze, ganz ähnlich dürfte es sich auch mit den Preisen für süßes Leichtöl verhalten. Der Preis für ein Barrel WTI-Öl hat zwar zwischenzeitlich im gestrigen Handel bis auf 135,92 US-Dollar korrigiert, notiert mittlerweile aber wieder bei 137,47 USD pro Barrel. Ich denke nicht, dass die Marktteilnehmer nun Fakten, die ihnen eigentlich schon länger bekannt sein müssten erst jetzt verstärkt wahr nehmen. Stattdessen gehe ich davon aus, dass sie ganz einfach die magische 150 USD-Marke unbedingt noch sehen wollen. Zumindest so lange sie nicht ein weiteres Mal aufgeschreckt werden. Erst wenn die Lagerbestände wieder steigen und die US-Rezession nicht mehr wegzuleugnen ist, dürfte sich die Gelegenheit für eine stärkere Korrekturbewegung bieten. Allerdings dürften die Preise wohl nur sehr schwer noch einmal unter die 110 USD-Marke zu drücken sein. Zunächst aber dürften die Ölpreise nichts von ihrer hohen Volatilität verlieren.
Gold der Rettungsanker der wahren Werte
Doch eigentlich wollte ich heute ja über Gold schreiben. Nun, im Angesicht all dessen kamen auch die Goldpreise erneut unter Druck. Von einem zwischenzeitlichen Hoch im Verlauf des gestrigen Handels bei 986,44 US-Dollar pro Feinunze korrigierte der Goldpreis mittlerweile bis auf 970 US-Dollar. Gegenwärtig notiert Gold im Spotmarkt bei 979,93 US-Dollar pro Feinunze.
Was ist hier nun los? Nun, ich würde sagen, die Marktteilnehmer beobachten ein wenig die Ölpreisentwicklung. Auch möglich sind zwischenzeitlich immer ein paar liquidierte Positionen, weil die jeweiligen Investoren dringend Cash benötigen.
Dennoch, für nichts bleibt die Aussicht weiterhin so bullisch wie für Gold, dem altbewährten Inflationsschutz. Hier steigt nach wie vor die Nachfrage von Seiten der Finanzinvestoren. So gab ETF Securities bekannt, gestern seien weitere 265 Millionen US-Dollar in die Gold-ETFs geflossen.
So lange noch nicht das wahre Vertrauen in die Aktienmärkte zurückgekehrt ist (und so weit sind wir im Moment noch nicht) und vor allem so lange sich die Inflation weiter ausweitet, dürften sich die Goldpreise durchaus weiter in Richtung der 1.000 USD-Marke bewegen.
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