Weiteres zur Sektorbetrachtung
Alexander Hahn in Investoren Wissen
vom 24. März 2010, 16:00 Uhr
ENL5454
ich möchte im heutigen Artikel noch einmal kurz auf das Thema Sektorrotation zurückkommen.
In der Analyse vom letzten Donnerstag erwähnte ich, dass Sie Longpositionen vor allem in den stärksten und Shortpositionen in den schwächsten Sektoren aufbauen sollten.
Dazu erreichten mich einige Zuschriften und Kommentare von Ihnen, welche mich dazu veranlassten, heute nochmals ein paar Dinge zu vertiefen.
Was bedeutet es für mich als Investor / Trader, wenn ein Sektor von der „Big Money" favorisiert wird?
Am anschaulichsten ist es, wenn Sie sich die vorherrschenden Marktzustände als eine Art Großwetterlage vorstellen. Folgende Fragen sollten Sie sich vor einer Neupositionierung innerhalb eines Sektors / Marktes daher stets stellen:
- In welche Richtung geht der übergeordnete Trend (z.B. wenn Sie auf Tagesbasis traden: Wie sieht der Wochenchart aus)?
- Sind wir in dem Wert überkauft / überverkauft? Wenn ja, wie stark?
- Lassen Sich die vorherrschenden (technischen) Trends durch fundamentale Gründe untermauern?
- Wie lange hält der Trend schon an?
- Gibt es bereits (technische) bärische oder bullische Divergenzen (z.B. Sektorindex steigt weiter an, während der Sektor-BPI nach unten dreht), welche der vorherrschenden Trendrichtung entgegen laufen?
All diese Fragen sollten Sie vor einem Neuengagement gewissenhaft beantworten, um tatsächlich die Großwetterlage in Ihrem Sektor zu kennen
Wie sollten Sie dann weiter vorgehen?
Nehmen wir den Biotechsektor als Beispiel und gehen davon aus, dass dieser die Kriterien unserer Checkliste erfüllt und für ein Long-Engagement spricht. Sollten wir nun mit 100% unseres Portfoliowertes in den Sektor investieren? Volles Risiko? Augen zu und durch?
Mit Sicherheit natürlich nicht, denn unsere Großwetterlage sagt uns nur, dass die Chancen auf Gewinne mit Longpositionen in diesem Sektor höher sind als in einem schwachen Sektor wie z.B. Versicherungen, in welchen z.Z. kaum frisches Geld fließt.
Das bedeutet, wir stellen uns innerhalb des favorisierten Sektors eine Liste mit fundamental gesunden Unternehmen zusammen, welche wir alle nach möglichen Einstiegs-Set-Ups (=Kriterien für den Einstieg) durchsuchen.
Hierbei schauen wir uns z.B. die Charts des betreffenden Wertes ganz genau an, zeichnen Unterstützungen sowie Widerstände und Trendlinien ein, suchen nach Chartformationen (Flaggen etc.), lassen uns die wichtigsten Gleitschnitte anzeigen (z.B. 50- bis 200 MA im Tageschart), prüfen das Chance-Risikoverhältnis der Trades (Verhältnis zwischen Zielkurs und Stop-Loss) und überlegen, wie groß unsere Position sein soll.
Das ist natürlich nur die Spitze des großen „Prüfungs- und Kriterieneisbergs"...
Ich werde in den nächsten Wochen die angesprochenen Punkte nach und nach abarbeiten und Ihnen Tipps und Tricks mit an die Hand geben, damit Sie aus Ihrem eigenen Trading bzw. noch mehr für sich herausholen können.
Beste Grüße
P.S.:
Die Methoden, welche wir uns in den nächsten Wochen ansehen werden, sind übrigens nicht nur etwas für Trader, sondern eignen sich m.E. auch sehr gut für Investoren, die auf Chart- und Markttechnik beim Timing ihrer Engagements nicht vollständig verzichten möchten.
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Volker Gerull (24.03. 2010 17:34 Uhr):
Lieber Herr Hahn, Unabhängig von Ihren wirklich guten Beiträgen, die für mich äußerst informativ sind weil ich eigentlich ein totaler Anfänger in Sachen Anlage bin und mich bisher weitgehend auch aus Anlagen rausgehalten habe, liest man u.a. bei Weiß und Dr.Vogt über Monate vom Bärenmarkt und dem evtl.hineintappen in die Bärenfalle.Erst in letzter Zeit weniger.Was ist dies denn nun? wenn man vor einigen Monaten investiert hätte und nicht darauf geachtet hätte, hätte man vermutlich viel Geld verdient.Und überhaupt.Die einen sagen es kommt die ( Hyper ) Inflation, die andern sagen Deflation.Sokrates sagte ich weiß, dass ich nichts weiß.Und ich glaube er hatte Recht.Vermutlich sind wir bereits in einer Deflation, die noch nicht den Charakter einer Depression hat.Und dies will die Politik ja zu Recht weltweit verhindern.Ob es ihr gelingt; da habe ich wie Sie so meine Zweifel.Ich vermute Sie haben Recht was die nicht außer Kraft zu setzenden Marktmechanismen anbelangt.Es sei denn die Mächtigen setzen auf die Karte Krieg.Was Gott verhüten möge. Viele Grüße Volker Gerull
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