Weitere Konjunkturpakete?
Mr N. N. in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 21. Juli 2009, 07:30 Uhr
ENL5454
"Es gibt einige Anzeichen für einen Aufschwung", sagte erst jüngst der Haushalts-Direktor des US-Präsidialamts, Orszag. Der Europa-Chefvolkswirt von Merrill Lynch, Schmieding, fragt sich bereits, ob dieser Aufschwung vielleicht sogar unterschätzt werde. Und der Chefökonom der Commerzbank fügt hinzu, dass es sich wahrscheinlich um kein Strohfeuer handeln würde.
Beginn einer nachhaltigen Erholung?
Herr Solveen ist gar der Ansicht, dass wir am Beginn einer nachhaltigen Erholung stehen würden. Gleichzeit konzediert er aber, dass die Dynamik spürbar gebremst sein werde. Yale-Ökonom Robert Shiller ist da allerdings gänzlich anderer Meinung und sieht noch keine Grundlage für eine wirklich nachhaltige Erholung. Im Gegenteil, es bedürfe weiterer Konjunkturpakete, um eine Abwärtsspirale zu verhindern.
Ja, liebe Leserin, lieber Leser, Prof. Shiller zufolge wird die US-Wirtschaft über Jahre hinweg relativ schwach bleiben. Die Zeit für einen wirklich nachhaltigen und starken Aufschwung ist noch nicht gekommen.
Schwacher deutscher Stimulus
Äußerst interessant ist auch, dass Shiller die deutschen Konjunkturpakete als schwach" bezeichnet. Es bestehe tatsächlich die große Gefahr, dass Unternehmen und Organisationen, Haushalte und Regierungen nun allesamt auf Sparkurs schalten. Für Shiller liegt sogar das Problem darin, dass die Nationen, die nicht gewillt sind, ihre Wirtschaft zu stimulieren, sich nur schwerlich von dieser Weltkrise erholen werden.
Zwangsweise Eigenkapitalerhöhung
Indes gibt es auch in Deutschland einige Stimmen, die nun eine zügige Rekapitalisierung des deutschen Bankensystems anmahnen. Vor allem ifo-Konjunkturexperte Carstensen betont, dass schon im Herbstgutachten die Wirtschaftsforschungsinstitute eine Eigenkapitalerhöhung der Banken, nötigenfalls per Zwang, gefordert hätten. Für den Fall einer misslungenen Bankensanierung würde sogar die Gefahr der Depression wieder aufleben. Ohne Bankensanierung gebe es überhaupt keine Chance, in einem überschaubaren Zeitrahmen überhaupt wieder Wachstum zu generieren.
Weiterentwicklung des Geldsystems
Auch für Prof. Polleit, Chefvolkswirt von Barclays Capital, reicht das Eigenkapital im Bankensektor nicht mehr aus, um das bisherige Geld- und Kreditmengenangebot aufrechtzuerhalten. Ohnehin sei in der Währungsgeschichte ein staatliches Papiergeldsystem nicht der Normalfall. Insofern geht er sogar weiter und rät zu einer Privatisierung des Geldsystems, in dem vermutlich Gold und zusätzlich auch Silber und Platin vom Markt die Geldfunktion erhalten würden.
Last but not least kommt einem hier nur noch George Bernhard Shaw in den Sinn:
Sie müssen sich enscheiden, worauf Sie vertrauen wollen. Auf die natürliche Stabilität des Goldes oder auf die Ehrlichkeit und Intelligenz der Regierung. Bei allem schuldigen Respekt für diese Damen und Herren rate ich Ihnen, solange das kapitalistische System existiert, für Gold zu votieren."
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