Weitere Grundlagen zum Devisenhandel
Alexander Hahn in Investoren Wissen zum Thema Devisen & Devisenhandel
vom 27. Januar 2010, 16:00 Uhr
ENL5462
in der heutigen Ausgabe meiner kleinen Serie „Devisen für Einsteiger“ werde ich Ihnen wichtige Begriffe rund um das Thema Devisenhandel vorstellen bzw. erläutern. Neben den „ISO-Codes“ werden wir einen Blick auf die wichtigsten Währungspaare werfen, uns anschauen, was ein „Pip“ ist, und ich werde Ihnen zeigen, wie Sie mittels sog. „Crossrates“ exotische Währungen in z.B. Euro umrechnen können.
ISO-Codes:
Die ISO (Internationale Organisation für Normung) kann es nicht lassen. Neben industriellen Produkten, Fertigungsverfahren und aller möglichen Größen und Einheiten hat sie sich auch der Bezeichnungen für Währungen angenommen und diese normiert. Der Sinn einer „ISO-Kennzeichnung“ liegt darin, die Währungen ohne Probleme voneinander unterscheiden zu können.
Es gelten u.a. die folgenden ISO-Codes für die wichtigsten Währungen (in Klammer finden Sie den Spitznamen für die jeweilige Währung):
- US-Dollar: USD (greenback)
- Euro: EUR (euro)
- Schweizer Franken: CHF (swissy)
- Kanadischer Dollar: CAD (can-dollar)
- Australischer Dollar: AUD (aussie)
- Britisches Pfund: GBP (cable)
- Japanischer Yen JPY (yen)
- Neuseeland-Dollar: NZD (kiwi)
Wenn Sie nun (formell) einen Wechselkurs zwischen zwei Währungen bilden wollen, müssen Sie (je nach Datenbank oder Datenquelle, die Sie nutzen) oftmals einfach nur die beiden ISO-Codes hintereinander (manchmal auch mit Schrägstrich oder Doppelpunkt - je nach Dienstanbieter) schreiben.
Beispiel: Wechselkurs Euro-Dollar: EUR/USD bzw. EURUSD.
Basiswährung vs. variable Währung:
Die erste Währung eines Währungspaares wird als Basiswährung bezeichnet, die zweite als variable Währung. Der Wert der Basiswährung ist immer eins, während der Wert der variablen Währung schwankt.
Beispiel:
Bei einem Wechselkurs des Euros gegenüber dem Schweizer Franken (EUR/CHF) von z.Z. um die 1,47 ist ein Euro 1,47 Schweizer Franken wert. Um auszudrücken, wie viele Euro ein Schweizer Franken wert ist, muss man den Wert einfach invertieren (^(-1)), d.h. den mathematischen Kehrwert bilden. Ein Schweizer Franken ist (mit der Zahl aus dem 1,47er Beispiel oben) somit etwa 1/1,47 = 0,6803€ wert.
Der Pip:
Der Pip eines Wechselkurses ist nichts anderes, als die kleinstmögliche Bewegung, die ein Wechselkurs vollziehen kann. Je nach Währungspaar unterscheidet sich die Anzahl der Nachkommastellen (Standard sind i.d.R. vier). Ein Pip entspricht in den meisten Wechselkursen somit einer Bewegung von 0,0001 (bei vier Nachkommastellen).
Beispiel:
Falls der Euro gegenüber dem Dollar (EUR/USD) von 1,4075 auf 1,4100 steigt, entspricht dies einer Bewegung von 25 Pips.
Big Figure:
Bei dieser Größenordnung werden vom aktuellen Wechselkurs einfach zwei (Nachkomma-)Stellen gestrichen. So entspricht die „Big Figure“ des Euros gegenüber dem Schweizer Franken (EUR/CHF = 1,4724 zum Zeitpunkt des Verfassens dieses Artikels) z.Z. 1,47.
Beim JPY-Wechselkurs werden üblicherweise nur zwei Nachkommastellen mit angegeben, so dass bei einem Verhältnis von 110,70 (USD/JPY) 110 die „Big Figure“ ist.
Unter Profidevisenhändlern wird die gegenwärtige Big Figure eines Wechselkurses als bekannt vorausgesetzt.
Majors, Minors und Exotics:
Als „Majors“ werden im Fachjargon die am häufigsten gehandelten Währungen bezeichnet:
- EUR
- USD
- JPY
- GBP
- CHF
„Minors“ bieten ebenfalls eine hohe Handelsliquidität. Zu ihnen gehören z.B.:
- NZD
- AUD
- CAD
Die verbleibenden Währungen, welche weder "Major" noch "Minor" sind, fallen unter die Rubrik „Exotics“, da sie nur mit kleinem Volumen gehandelt werden.
Bid/Ask:
Wie ich bereits in der letzten Ausgabe meiner Artikelserie erwähnte, gibt es für den Devisenhandel keine zentrale Börse. Somit kann auch nicht ermittelt werden, zu welchem Wechselkurs der „letzte Kurs“ (= LAST) ausgeführt wurde. Stattdessen wird ermittelt, zu welchem Kurs Käufer und Verkäufer einer Währung bereit sind, diese zu handeln.
Als „Bid“ (= Geldkurs) bezeichnet man den Ankaufskurs, als „Ask“ (=Briefkurs) den Verkaufskurs einer Währung.
Beispiel:
Die Bid/Ask-Kursspanne zum EUR/USD beträgt beim Market Maker XYZ 1,4075 zu 1,4077. Der sog. „Spread“ (Differenz aus Geld- und Briefkurs) beträgt somit 2 Pips.
Egal ob Sie auf eine Währung long (diese kaufen) oder short (diese verkaufen) gehen: Der Market Maker, der Sie „bedient“, erhält den Spread. Für Sie ist der Spread damit indirekt eine Kaufgebühr, welche Sie zu Ihren weiteren Kosten (falls Sie welche haben) addieren müssen.
Crossrates:
Oftmals werden Währungen gegen den US-Dollar quotiert. Wird jedoch eine Währung gegenüber einer anderen Währung (beide nicht USD) quotiert, spricht man von einer Crossrate, z.B. (EUR/JPY).
Berechnung der Crossrates: Wenn Sie den Euro in den australischen Dollar (oder beliebige andere Währungen) umrechnen wollen, aber keinen aktuellen Wechselkurs parat haben, können Sie sich auch des Dollars als Hilfsmittel bedienen (vorausgesetzt Sie kennen den Wechselkurs AUD/USD und EUR/USD).
Nehmen wir an, die „Big Figure“ für AUD/USD beträgt 0,90 und für EUR/USD 1,41.
Um nun den Wechselkurs EUR/AUD näherungsweise auszurechnen, gehen Sie folgendermaßen vor:
EUR/AUD = (EUR/USD) / (AUD/USD) = 1,41/0,90 = 1,56
(für alle Mathematikfreunde unter Ihnen: Formell entsteht im obigen Verhältnis ein Doppelbruch, aus dem Sie den USD "kürzen" können)
Nächste Woche werde ich an dieser Stelle den FX-Markt näher beleuchten und Ihnen verschiedene Instrumente zum Handeln von Devisen vorstellen.
Beste Grüße
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Stefan Hertel (27.01. 2010 21:35 Uhr):
Eine kleine Korrektur: Der kanadische Dollar läuft unter dem Spitznamen "loonie".
Antworten - Kommentar von Alexander Hahn (28.01. 2010 10:03 Uhr):
Danke, Herr Hertel. Can-Dollar ist nicht wirklich falsch, aber Loonie ist sicher weitaus deutlich verbreiteter. Wäre besser gewesen, den Namen für den Artikel zu nehmen, stimmt! Beste Grüße AH
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