Weiter fragile Erholung der Weltwirtschaft
Mr N. N. in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 4. November 2010, 07:30 Uhr
ENL5454
Gestern warnte die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in Paris, dass die Erholung der Weltwirtschaft von der schwersten Krise seit Jahrzehnten weiter fragil bleiben werde.
Stärker als erwartete Abschwächung des Wachstums
Laut OECD habe sich das Wachstum in den 33 OECD-Mitgliedsstaaten im Verlauf des Jahres 2010 stärker als erwartet abgeschwächt. Dennoch werde die weitere Entwicklung durch die robuste Entwicklung in den asiatischen Volkswirtschaften getragen. Für die Euro-Zone werde 2010 wie auch im kommenden Jahr das Wachstum zwischen 1,5 und zwei Prozent liegen. Für die USA prognostiziert die Organisation mit Sitz in Paris imnächsten Jahr nur noch ein Wirtschaftswachstum zwischen 1,75 und und 2,25 Prozent nach 2,5 bis drei Prozent im laufenden Jahr. Für alle 33-OECD-Staaten wird für 2010 ein Wirtschaftswachstum von 2,5 bis drei Prozent erwartet, für das kommende Jahr dann nur noch um die zwei Prozent.
Anhaltend hohe Arbeitslosigkeit
Für die Arbeitsmärkte wird indes auch für die kommenden Jahre keine wirklich nachhaltige Verbesserung prognostiziert. Zwar gebe es seit diesem Jahr eine leichte Verbesserung, nachdem bis zum Ende des Krisenjahres 2009 die offizielle Arbeitslosenquote auf 8,5 Prozent angestiegen war. Nichtsdestotrotz werde die Arbeitslosenquote noch für eine längere Zeit relativ hoch bleiben. Der Prognose zufolge werde selbst Ende 2012 die durchschnittliche Arbeitslosenquote in den Mitgliedsstaaten bei 7,25 Prozent liegen.
Erhebliche Unsicherheitsfaktoren
Sehr interessant auch die Tatsache, dass selbst die OECD einräumt, dass erhebliche Unsicherheitsfaktoren die Prognosen erschweren würden. Vor allem ein weiterer Rückgang der Immobilienpreise in den USA stelle ein großes Abwärtsrisiko dar. Darüber hinaus könnte es durch Spannungen am Devisenmarkt zu mehr Protektionismus kommen, was die Wachstumsaussichten deutlich eintrüben könnte.
Historische Konsolidierungsbemühungen notwendig"
Darüber hinaus müssen die Industriestaaten ihre Schuldenberge abbauen. Dafür seien OECD-Generalsekretär Gurria zufolge historische Konsolidierungsbemühungen notwendig. Die Notenbanken sollen indes aus der Politik des billigen Geldes aussteigen, ohne zusätzliche Unsicherheit am Markt zu schüren. Aufgrund der Wachstumsschwäche in den USA bzw. der Eurozone sollte es aber erst in der ersten Hälfte des Jahres 2012 zu einer langsamen Zins-Normalisierung kommen. Sollte jedoch das Wachstum schwächer ausfallen, müsse der Normalisierungsprozess nach hinten verschoben werden.
Just am gestrigen Mittwoch lockerte die US-Notenbank ihre bereits ultra-expansive Geldpolitik abermals. Bis Ende des zweiten Quartals 2011 sollen für 600 Milliarden weitere Staatsanleihen gekauft werden. Hinzu kommt, dass bereits aufgekaufte Papiere, die nun auslaufen, auch wieder ersetzt werden sollen. Mithin ergibt sich ein Gesamt-Ankaufvolumen in Höhe von bis zu 0,9 Billionen Dollar.
Ein Schelm, wer jetzt schon im Hinterkopf hat, dass die Überdosis an Zusatz-Liquidität zu neuen Spekulationsblasen führen wird. Allerdings wird deren Platzen weit heftigere Folgen zeitigen als beim 2008er-Zusammenbruch...
Denn dann wird es mit allergrößter Wahrscheinlichkeit heißen:
Game over