Weinger verkaufte Häuser in den USA
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 11. September 2007 07:30 Uhr
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Die Zahlen der Hausverkäufe sind im Juli stärker als erwartet gefallen. Deutlich stärker. Und die Finanzmedien sind voll von Meinungen zu diesem Thema. Einige sagen, die Immobilienkrise sei zu wenig beachtet worden. Andere gehen davon aus, dass sie noch deutlich schlimmer ausfallen wird, als die Analysten glauben.
Wie schlimm es werden wird, weiß ich nicht. Aber es mit Sicherheit noch lange nicht vorbei. Im nächsten Monat werden wir den Gipfel der Neueinstufungen der Kredite mit variablen Zinssätzen erleben. Im März 2008 wird der absolute Gipfel erreicht sein. Das wird bedeuten, dass Millionen Hausbesitzer deutlich höhere monatliche Zahlungen werden leisten müssen – und es bedeutet, dass es eine Hypothekenindustrie gibt, die nicht in der Lage sein wird, sie über Refinanzierungen der Häuser frei zu kaufen. 50 Hypothekengeber haben bereits ihre Türen geschlossen. Andere ins vorsichtiger geworden.
Die Hauspreise im ganzen Land, schreibt Jeremy Grantham im Fortune Magazine, drängen in Richtung des sechsfachen Familieneinkommens. Letzten Endes müssen Familien in der Lage sein, für ihre Unterkünfte aufzukommen, wenn das Spekulationsfieber nachlässt. Und historisch gesehen waren sie dazu bei Hauspreisen von nicht mehr als dem Vierfachen des Familieneinkommen in der Lage. Die Hauspreise fallen, schreibt er.
Wenn die Hauspreise fallen, dann wird eine ganze Kettenreaktion der Explosionen ausgelöst – in der Finanzindustrie ... in der Bauindustrie ... im Einzelhandel ... und letzten Endes auch im Produktionssektor. Die Folgen sind Rezession ... zurückgehende Verbraucherausgaben ... geringere Preise für die Vermögenswerte ... weniger Spekulation ... mehr Angst und weniger Gier.
Ist das eine schlechte Sache?
“Manchmal klingt es so, als wollten Sie, dass die Aktien einbrechen. Es klingt als ob Sie glücklich wären, wenn eine Rezession zuschlägt“, schreibt ein besorgter Leser. „Ist das nicht ein bisschen gemein?“
Ja, ich würde gerne einen richtigen Crash an der Wall Street erleben. Und ja, ich würde gerne eine richtige Rezession erleben. Ist das gemein? Überhaupt nicht. Ganz im Gegenteil, es resultiert aus den zutiefst öffentlich orientierten, großzügigsten Impulsen meiner absolut idealistischen Art.
Ich sage immer wieder, dass es sich bei diesem Boom um Betrug handelt. Je eher er endet, desto besser. Es ist ein Betrug, weil der Boom – zumindest in Amerika – nicht auf einem größeren Output, Kapitalbildungen oder Wohlstandsbildung aufbaut. Vielmehr ist es ein Boom, der Wohlstand vernichtet ... einer, der auf Konsum, Spekulation und Verschuldung basiert. Spekulanten und die Wall Street selbst werden reich. Die meisten Leute haben aber einfach nur mehr Schulden ... und sie werden ärmer.
Und schlimmer noch: je länger dieser Boom andauert, desto mehr verbreiten sich die Haltungen und Gewohnheiten, die davon geprägt werden. „Die Preise steigen immer“ sagen die Massen, „kaufen Sie also heute.“ „Mit Immobilien und Aktien kann man nichts falsch machen“, sagen die Kohlköpfe. „Ein netter junger Mann hat gerade angeboten, unser Haus zu refinanzieren“, sagen die Hausbesitzer. „Keine Sorge ... Ben Bernanke wird nicht zulassen, dass wir unser Geld verlieren“, sagen die Spekulanten. „Es geht nicht um die Defizite“, sagt der Vizepräsident.
Korrekturen sind – genauso wie Revolutionen, Geständnisse und Waldbrände – unerfreulich Doch oft sind sie notwendig. Sie räumen das abgestorbene Holz weg.
*** Der „Trade des Jahrzehnts“
Ich kümmere mich nicht wirklich um die harte Arbeit des Investierens … ich bin zu sehr damit beschäftigt, zu beobachten, was vor sich geht. Also nehme ich die Mühen aus dem Investieren, indem ich mich auf eine Anlageentscheidung alle zehn Jahre beschränke. Das nenne ich dann den „Trade des Jahrzehnts“.
Zu Beginn des gegenwärtigen Jahrzehnts lautete mein “Trade des Jahrzehnts“ ganz einfach, den Dow zu verkaufen und Gold zu kaufen. Dieser Trade sah in den ersten beiden Jahren des Jahrezehnts ganz gut aus. Dann, nachdem der Dow von seinem Tiefstwert 2002 aus zu steigen begann, sah er weniger gut aus. Heute sieht er wieder gut aus.
Wenn Sie sich an die Aktien des Dow gehalten haben, dann sind Sie mir nominell voraus ... und effektiv hinken Sie hinterher. (Ich habe das nicht ausgerechnet ... doch ganz allgemein hat der Aktienmarkt sich nicht gerührt. Zieht man die Inflation, die Provisionen und die Steuern ab ... dann hat der durchschnittliche Anleger vermutlich ganz beachtliche Verluste einstecken müssen.)
Gold ist derweil um ungefähr 170% gestiegen.
Ich fühle mich, was den “Trade des Jahrzehnts” anbelangt, ziemlich gut.
Doch das Jahrzehnt ist noch nicht vorüber. Wenn Richard Russell und die Bullen richtig liegen, dann werde ich vermutlich noch bereuen, dass ich während des verbleibenden Jahrzehnts an Gold festgehalten habe. Aber was kann ich sonst tun? Aktien sind immer noch teuer. Und ich bezweifle, dass die zugrundeliegenden Trends, die Gold auf über 700 Dollar gedrückt haben, sich bereits vollständig zum Ausdruck gebracht haben.
Der Preis für Gold lag, wenn ich mich recht entsinne, bei über 700 Dollar, als Reagan zum ersten Mal den Amtseid als Präsident vor 27 Jahren leistete. Damals war der Dollar – an dem sich der Goldpreis bemisst – deutlich stärker als heute. Damals waren Derivate, Carry Trade, Private Equity und mit Diamanten geschmückte Totenschädel noch gar nicht erfunden.
Nein, liebe Leser … es gibt keine Notwendigkeit, mit der Mode zu gehen … keine Notwendigkeit, 2 und 20 an die Hedgefonds-Manager zu bezahlen … keine Notwendigkeit die Risiken zu erhöhen und die Schlafdauer zu senken. Ich werde mich an meinen „Trade des Jahrzehnts halten, so wie ich mich an mein Geschäft und meine Ehe halte – ich will sehen, was als Nächstes passieren wird.