"weihnachtsbaumen"
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 2. Oktober 2008, 07:30 Uhr
ENL5454
Die vergangene Woche war für mich eine gute Woche. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich zuletzt so sehr lachen musste.
"Wir werden diese Rechnungen nicht weihnachtsbaumen", ist die Formulierung, mit der ein Senator - ich glaube, es war Chris Dodd - beschrieb, wie der Kongress mit dem Rettungsplan *umgehen wolle.
"Ich habe noch nie gehört, wie man "Weihnachtsbaum" als Verb benutzt. Aber ich überlasse es den Experten in Washington ein rührseliges Symbolbild des Christentums in das Gequassel der Lobbyisten zu verwandeln. Die Jungs auf dem Hügel haben am Montag angefangen, den Baum zu schmücken... seither haben sie nicht wieder aufgehört, Tand an den Baum zu hängen. Und einer Zeitung von Freitag zufolge, haben sie sich über das wesentliche Thema geeinigt: Es wird aber wohl noch einige Tage dauern, ehe die ganze Geschichte so in Form ist, dass es Gesetz werden kann.
Der Dow ist Ende vergangener Woche um 196 Punkte gestiegen; während die Investoren darauf warteten, dass die Kerzen am Baum in einer Zeremonie angezündet werden. Der Dollar hielt sich stabil - am Gare Montparnasse habe ich die gleichen sieben Dollar für eine Tasse Kaffee bezahlt wie in der Woche zuvor. Und die Erträge auf die kurzfristigen Regierungspapiere - Schatzanleihen über 91 Tage - sind kaum gefallen.
Doch kehren wir zur Unterhaltung zurück - alle steigen ein. Politiker, Investoren, Komiker... sogar der Klerus. Ja, sogar der Erzbischof von Canterbury sagte, dass die Menschen zu viel Vertrauen in den Markt gesteckt hätten... und dass aus dem Vertrauen eine Art Götzentum" geworden ist.
Er geht davon aus, dass man mehr Respekt vor der Regierung haben sollte... während die Entscheidungen und Pläne des freien Mannes beschnitten werden sollten. Mehr Regulierungen seien notwendig, sagte er, und lobte Großbritanniens Verbot des Ausverkaufs von Finanzunternehmen.
Ja, liebe Leser, die arme Church of England hat einen Dummkopf an ihrer Spitze.
Aber man kann wohl kaum den Herrn im Talar selbst dafür verantwortlich machen, wenn sie glauben, dass die Märkte gescheitert sind und die Regierung das wieder in Ordnung bringen muss. Die Vorstellung ist so weit verbreitet, dass er vermutlich auf die gleiche Weise dazu gekommen ist, wie man sich normalerweise eine Erkältung einfängt oder eine beliebte Melodie aufschnappt - d.h. ohne dass man selber darüber nachdenken muss.
Wenn alle das gleiche glauben, dann denkt keiner mehr nach. Und jetzt glauben alle, dass der Markt kaputt ist... und die Bürokraten beeilen sich, diese Geschichte wieder in Ordnung zu bringen.
Typisch dafür ist das Folgende von Garrison Keillor:
Und deswegen brauchen wir heute die Regulierer aus der Regierung. Leute mit Laseraugen und Brillen mit Stahlrahmen und Kreppsohlen, die die Zahlen kontrollieren und die Macht haben zu sagen: Das ist Betrug, das ist zu viel und entweder Sie hören damit auf, oder Sie unterlassen es oder Sie verbringen einige Jahre in einer staatlichen Einrichtung und spielen dort Backgammon."
Draußen in der Prärie kann man sich alles Mögliche vorstelle. Aber es ist nicht so, als hätte es zwischen 2000 und 2007 keine Bürokraten gegeben, die ihren Dienst tun. Wie kann man sich vorstellen, dass eben diese Regulierer, denen der größte Betrug in der Geschichte des Marktes entgangen ist, jetzt in der Lage sein könnten, das wieder aufzuräumen?
Wie kann ein Bürokrat, der die Verantwortung trägt, das Geld der Öffentlichkeit zu schützen, einen Betrug einfacher erkennen als ein Investor, dem das Geld gehört, um das es hier geht? Welche Informationen hat er, die der Öffentlichkeit nicht zur Verfügung stehen? Welche Theorie verfolgt er, die ein Investor nicht kennt? Was isst er zu Mittag... und welchen Wein trinkt er... und was würde verhindern, dass er Täuschungen und Versuchungen zum Opfer fällt, denen jedes Fleisch zum Opfer fällt?
Das hat Hayek als "tödliche Täuschung" bezeichnet, dass die Vertreter der Öffentlichkeit - bewaffnet mit der Macht, die Leute zu zwingen, das zu tun, was sie wollen - die Aufgabe besser erfüllen würden, als die Leute es selbst können.
Offenkundig haben weder die Herren des Universums an der Wall Street, noch die Genies in den Ratingagenturen, noch die Heiligen der Börsenaufsicht... und ganz bestimmt nicht die arme breite Masse der Investoren verstanden, was hier vor sich ging. Niemand hat Laseraugen. Stattdessen sind ihnen die Augen vor Bewunderung aus dem Kopf getreten, als sie das Handwerk der Finanzingenieure sahen... und vor Gier, als sie sahen, wie viel Geld sie damit verdienen.
Und jetzt finde ich auf der ersten Seite des International Herald Tribune die wahre Herausforderung an die Bürokraten. Was ist das Ganze wert?" Der Plan Paulsons bringt 700 Milliarden Dollar in die Hände der Manager, Experten und Bevollmächtigten. Was sollen sie damit tun? Anlagewerte kaufen, die die Wall Street loswerden möchte?
Wie sollen sie wissen, was das wert ist? Wenn sie zu viel bezahlen, dann muss die Regierung einen schweren Verlust einstecken. Wenn sie zu wenig bezahlen, dann wird es, zumindest wenn man das schwache Licht bedenkt, das dann von den Weihnachtsbäumen kommt, die Wall Street nicht retten und dann wird die Wirtschaft vermutlich in einer Rezession versinken.
"Die Wahrheit ist, dass wir über Jahre nicht wissen werden, welcher Preis der richtige ist", zitiert der International Herald Tribune einen Portfoliomanager.
Ist es nicht erstaunlich, wie schnell sich alles verändert, liebe Leser? Noch vor wenigen Monaten hätte jeder Portfoliomanager der Welt sich dem Markt gefügt. Was ist es wert? Genau das, was die bereitwilligen Käufer dafür bezahlen wollen. Und keinen Penny mehr. Und keinen Penny weniger.
Aber jetzt haben wir es mit einer ganz neuen Theorie zu tun... der Wert der Finanzanlagen lässt sich heute irgendwie nicht mehr wissen... es ist wie mit dem Aussehen Gottes... oder der Bedeutung von ist" - es fließt im Äther, es spielt Karten mit Jimmy Hoffa. Laut dieser Theorie ist der Wert eines Vermögenswertes nicht davon bestimmt, wie viel ein Käufer dafür zu bezahlen bereit ist... es gibt nicht so etwas wie den Marktpreis". Stattdessen sind die Werte metaphysisch... sie werden von dem bestimmt, was die Käufer in einigen Jahren vielleicht bezahlen werden... wenn alles nach Plan läuft.
Henry Paulson sagt, es sei sogar möglich, dass die Regierung damit einen Gewinn macht. Wie soll das geschehen? Nun, die Bürokraten stellen sich vielleicht als gerissener heraus als die Experten an der Wall Street. Die Preise, die von den Bürokraten bestimmt werden (mit Geld, das ihnen nicht gehört) werden besser sein als die, die die von den bereitwilligen Käufern und Verkäufern bestimmt werden.
Dieser neuen Theorie zufolge, wissen die Verkäufer nicht, was für Juwelen sie da vor die Türe werfen. Sie kennen den Spruch von den Perlen, die vor die Säue geworfen werden. Laut der neuen Theorie werfen die Säue der Wall Street die Perlen raus. Und diese gerissenen Bürokraten lesen sie auf.
Und jetzt das... auf die jüngste Aufruhr an der Wall Street folgt vielleicht ein Nachbeben von 900 Milliarden Dollar, wenn im nächsten Jahr die Bankenschulden fällig werden..."
Was für ein schöner Tag für den öffentlichen Sektor... das ist die große noch unangetastete Reserve der Weisheit der Investitionen... jetzt kommt eine weitere Möglichkeit diese Perlen zu kaufen, die die Säue an der Wall Street nicht haben wollen.
Jetzt wird alles noch interessanter. Fügen Sie zum Weihnachtsbaum noch eine weitere Rechnung von einer Billion Dollar hinzu... nur Monate nachdem Sie die letzte Rechnung geweihnachtsbaumt haben. Macht die Lichter an! Ich kann es kaum erwarten, mir anzusehen, wie diese geweihnachtsbaumte Welt aussehen wird.