Weihnachten in Argentinien
Bill Bonner in Devisen-Monitor zum Thema Devisen & Devisenhandel
vom 02. Januar 2008 08:30 Uhr
ENL5462
Also, hier unten war es zu Weihnachten gar nicht winterlich. Das liegt daran, dass es nicht Winter ist. In der südlichen Hemisphäre ist es der erste Tag des Sommers gewesen.
Ich habe normalerweise die Neigung, skeptisch zu sein. Wenn mir jemand etwas erzählt, dann glaube ich es nicht ganz. Es gibt immer eine andere Perspektive... und immer mehr hinter einer Geschichte.
Seit ich klein war, hat man mir gesagt, dass die Erde rund sei, und dass die Leute am unteren Ende wegen der „Schwerkraft“ nicht herunterfallen würden. Nun, ich kann heute berichten, dass es stimmt. Oder zumindest, dass es zu stimmen scheint. Newton und Kopernikus hatten Recht... das himmlische System funktioniert genau so, wie sie gesagt haben... mehr dazu später...
Aber zuerst will ich mich dem zuwenden, was die Welt beim Geld in Bewegung hält. Was gab es zu Weihnachten Neues aus dieser Welt?
Die Flut aus Geld und Kredit geht zurück... der Kredit versiegt... und die von Krediten angetriebenen Märkte brechen ein.
Die Immobilien haben im letzten Jahr die Höchstwassermarke erreicht. Seither sind sie immer weiter gefallen.
Auch die Aktien haben in diesem Jahr ein Niveau erreicht, das einer 40-Jahres-Flut gleicht. Die wichtigere Geschichte bei den Aktien ist, dass sie im vergangenen Jahrhundert dreimal die Höchstwassermarke bei Flut erreicht haben –
Im Jahr 1929, dann wieder im Jahr 1966 und zuletzt von 1999 bis 2000. Was wir hier erlebt haben, ist im Grunde genommen nur eine nachfolgende Woge von Liquidität.
Gemessen an Gold, am Euro oder effektiv am Dollar (d.h. unter Berücksichtigung der Verbraucherpreisinflation) sind Aktien gegenüber dem Niveau von Januar 2000 gefallen.
Natürlich haben wir auch weltweit an den Märkten Hochwassermarken gesehen. Viele Schwellenmärkte haben absolute Spitzenwerte verzeichnet. Viele Aktienmärkte befinden sich immer noch in der Nähe der Höchstwerte. Gleiches gilt für viele Märkte an der Peripherie. Die Aktien von Sotheby’s, dem gefeierten Auktionshaus, sind zwischen 2003 und 2006 um 600% in die Höhe geschossen.
Die Flut der Liquidität lässt die schweren Boote obenauf schwimmen.... genauso wie eine Menge leichten, banalen Schrotts. Nichts ist gehaltloser als die zeitgenössische Kunst. Jetzt scheint auch sie einzubrechen; der Kunstmarkt hat in diesem Jahr ebenso seinen Gipfel erreicht.
In gleicher Weise befindet sich auch Gold in der Nähe eines absoluten Spitzenwertes. Öl scheint seinen Höchstwert bei fast 100 Dollar erreicht zu haben... und hat seither wieder nachgegeben. Der Rohstoffmarktindex ist immer noch im Rekordbereich.
Aber es gibt unterschiedliche Arten von Rohstoffen. Industrielle Rohstoffe – Kupfer, Eisen, Zinn – haben schon im Mai ihren Gipfel erreicht. Landwirtschaftliche Rohstoffe sind eine ganz andere Geschichte... auf die ich gleich noch einmal zurückkommen werde.
Manches Watt und tiefer liegende Marschland liegt schon jetzt wegen des zurückweichendes Wassers zu weit oben und auf dem Trockenen. Die Hausbauer, die Finanzierer von Häusern und die Finanzwelt im Allgemeinen sitzen auf dem Trockenen.
Die großen Finanzaktien – wie z.B. Merrill und KKR – sind um fast 50% eingebrochen. An dieser Stelle ist die Geschichte am spannendsten... und fast alarmierend. Denn die Investoren und die Kreditgeber wissen nicht mehr, wie viel Liquidität diese Gruppen noch übrig haben. Oft wissen sie es selbst nicht.
Viele Derivatkontrakte, die sie an andere verkauft haben... und auch an sich selbst verkauft haben, wurden niemals mit dem Marktpreis bewertet. Stattdessen orientierte sich ihr Preis an Modellen – an mathematischen Modellen, mit tief greifenden und offensichtlichen Mängeln. Schlimmer noch, sie wurden über Phantasiewelten bewertet, auf eine Weise, die den Hypothekenvergaben am unteren Ende der Skala gleicht.
Die Kreditnehmer logen bezüglich ihrer Einkommen, ihrer Anlagewerte, ihres Alters, ihrer Jobs, ihres Familienstand und darüber, wie viele Punkte sie auf ihrem Führerschein haben.
Die Gutachter logen, wenn es um den Wert der Sicherheit ging. Die Kreditgeber logen, wenn es um die Bedingungen des Kredits ging. Und dann logen Merrill, oder Citigroup, oder Goldman, wenn es um die Qualität der Kredite im Allgemeinen ging... und Moody’s hat sich hinter sie gestellt.
Wie ich kürzlich feststellte, haben die Bankräuber während der Hochzeit der Kreditblase ihre Waffen und Skimasken zur Seite gelegt, denn es war leichter, genauso wie alle anderen auch Geld zu leihen, und es dann nicht zurückzuzahlen.
Die Anleger haben kurz vor Weihnachten die Aktien von MBIA um 25% nach unten gedrückt, nachdem ein großer Kreditgeber enthüllte, dass 8,1 Milliarden Dollar in den minderwertigen Krediten steckten.
Die Anleger zögern heute, ihr Geld bei den Kreditgebern zu investieren. Die Kreditgeber verleihen nur zögerlich Geld. Das ist die Grundlage der Kreditkrise, von der man momentan so viel liest. Und es ist das, was den Zentralbankern Sorgen bereitet. Es ist der Grund, warum die Zentralbank im Dezember erneut die Zinssätze gesenkt hat... und warum die Europäische Zentralbank kurz darauf eine unglaubliche halbe Billion Dollar bereitgestellt hat, als Versuch, das Geld weiter in Fluss zu halten.
Und das ist der Punkt, an dem diese Geschichte eine dramatische Wende nimmt... der Krieg der Giganten... der Zusammenprall zwischen den unbeweglichen und den unaufhaltsamen Gegenständen... die Schlacht des Marktes und der Manipulatoren.
Werden wir die weit verbreitete Korrektur bekommen, die der Markt zu brauchen scheint? Oder wird es den Regierungsvertretern gelingen, genug Liquidität in das System zu pumpen, um alles auch weiterhin feucht und gut geschmiert zu halten?
Inflation... oder Deflation?
Unsere Aktien antworten mit “Ja”. Wir werden beides haben. Alles zu seiner Zeit...
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