Wehe wenn sie los gelassen, ... oder Banken außer Rand und Band
Jürgen Nowacki in Investoren Wissen
vom 26. August 2011, 16:00 Uhr
ENL5454
Als sich der Staub des großen Börsencrashs vom Donnerstag, dem 24. Oktober 1929 legte, begann eine langwierige Untersuchung darüber, wie der Crash zustande kam und welche Vorsichtsmaßnahmen für die Zukunft durch den Gesetzgeber eingeleitet werden mussten. Dieser Börsencrash gilt als Auslöser der Weltwirtschaftskrise und wenn auch nur dieser eine Tag sprichwörtlich wurde, so zog sich der eigentliche Crash doch über Tage hin und die folgende Baisse erreichte erst 1932 ihren endgültigen Tiefpunkt.
Ich erwähne das deshalb, weil wir solch eine lange Phase sinkender Kurse seitdem nicht wieder erlebt haben. Ich bin seit 1986 am amerikanischen Markt als Broker und Kundenberater registriert. Und seit dieser Zeit steuerte die Notenbank jedem Crash - zunächst unter Alan Greenspan - erfolgreich mit Liquidität entgegen. Das hatte zur Folge, dass selbst der zweitgrößte Absturz an der Börse, am Montag, dem 19. Oktober 1987, nach nur drei Monaten vergessen war. Bereits im Dezember sahen wir an der Wall Street neue Höchstkurse. Aber die USA hatten auch etwas anderes, nämlich ein strenges Trennbankensystem nach dem Glass-Steagall Act von 1933 und das hatte folgende Bewandtnis.
Der Gesetzesinitiative vorausgegangen war eine Spekulationsblase ähnlich der New-Economy-Blase im Jahr 2000. In den zwanziger Jahren hatte eine unaufhaltsam scheinende Hausse den Dow Jones auf bis zu 331 Punkte getrieben - 1923 lag er noch bei ungefähr 100. Man sprach von einer eternal prosperity" - einem ewigen Wohlstand. In der Folge dieser fatalen Fehleinschätzung spekulierten nicht nur Großanleger und Firmen, auch zahlreiche Kleinanleger riskierten viel; Millionen nahmen kurzfristig hohe Kredite auf, um sich davon Aktien zu kaufen (oft galten allein die Aktien als Sicherheit). Allein aus den Gewinnen dieser Anlagen hoffte man das geliehene Geld zurückzahlen zu können.
Halten wir also fest, nicht etwa steigende Aktienkurse oder steigende Immobilienpreise rufen eine Blasenbildung hervor. Erst wenn Kredite ins Spiel kommen, bildet sich durch kreditfinanzierte Immobilien- und Wertpapierkäufe eine Blase. Eine Börsenaufsicht wie die Securities and Exchange Commission (SEC) oder wie viele heute selbstverständliche Gesetze zur Regulierung von Insidergeschäften und Kursmanipulationen existierten damals noch nicht (die SEC wurde erst als Reaktion auf den Schwarzen Donnerstag gegründet). Aber es wurde nicht nur eine Börsenaufsicht gegründet, es wurde mit dem Glass-Steagall Act auch per Gesetz verhindert, dass sich noch einmal eine kreditfinanzierte Blase bilden konnte. Das funktionierte so:
Zum zweiten Teil von: >50 Jahre sorgte der US-Gesetzgeber für Vertrauen an der Wall Street