Weg mit den Nullen!
Michael Vaupel in Traders Daily
vom 21. September 2006 12:00 Uhr
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*** Thema gestrige Fed-Sitzung. Keine Überraschung. Die Fed hat die Leitzinsen nicht erhöht (sie bleiben bei 5,25%), und die öffentliche Verlautbarung („Fed statement“) war auch nicht überraschend, im Gegenteil. Die Formulierungen blieben gegenüber dem letzten Mal nahezu wörtlich unverändert.
Ich denke, dass die Fed es mit Zinserhöhungen jetzt erstmal bleiben lassen wird. Denn einerseits schwächt sich in den USA das Wirtschaftswachstum etwas ab, und zweitens ist gerade etwas Druck von der Preisfront genommen worden. Wodurch? Durch die gesunkenen Energiepreise. Stichwort Ölpreis, der nun auf rund 60 Dollar gefallen ist (leider reißt er auch das gesamte Rohstoff-Universum mit nach unten, was mir gar nicht gefällt). Oder, und das wird hier kaum wahrgenommen: Der amerikanische Erdgaspreis. Der ist relativ losgelöst z.B. vom Erdgaspreis der Londoner Börse – ganz einfach deshalb, weil sich Erdgas nach wie vor nicht so einfach wie Erdöl von Kontinent zu Kontinent verfrachten lässt. Und am „Henry Hub“ in den Süd-USA ist der Erdgaspreis seit Jahresanfang um rund 50% gefallen.
Das nimmt natürlich Druck von den Produzentenpreisen und damit von der gesamten amerikanischen Inflation.
Also, Fazit: Die Fed dürfte weitere Zinserhöhungen bis auf weiteres einstellen. Das gibt bei den US-Anleihen ein gewisses Potenzial, denn teilweise dürfte noch eine weitere Zinserhöhung in den Kursen drin sein („eingepreist“), welche nun wieder rausgenommen werden dürfte. Was wiederum bedeutet, dass die US-Anleihen ein wenig steigen könnten.
*** Was sind die jüngsten Nachrichten aus Simbabwe? Mit weit über 1.000% Inflation hat dieses Mitleid erregende afrikanische Land wahrscheinlich die höchste Inflationsrate in der Welt. Aber letzten Monat hat die Zentralbank von Simbabwe Schritte eingeleitet „um den Handel und den Alltag zu erleichtern“. Man hat drei Nullen von der Währung gestrichen. Der Euro, der kurz vor dem Streichen der Nullen bei ca. 200.000 Simbabwe-Dollar je Euro stand, steht jetzt bei 200 Simbabwe-Dollar. Man erkennt leicht, wie viel bequemer das für die Verbraucher ist. Statt eine Million für einen Laib Brot bezahlen zu müssen, sind es nur noch 1.000. Zumindest in dieser Woche. Nächste Woche kann es sein, dass sie schon wieder mehr zahlen müssen.
Gideon Gono, Senator der Zentralbank von Simbabwe, trat zur Begründung der Umstellung im Fernsehen auf und wandte sich an die Nation:
“Unsere Währung hat Probleme“, gab er mit ernster Miene bekannt, „unsere Bevölkerung erfährt unglaubliche Härte und Unannehmlichkeiten, die mit zu vielen Nullen zusammenhängen.“
Ja, das ist es... Sie haben den Nagel auf den Kopf getroffen, Mr. Gono. Aber woher kommen eigentlich die ganzen problematischen Nullen? Präsident Robert Mugabe macht die „Feinde“ dafür verantwortlich – sowohl die im Inland als auch die äußeren Feinde.
Also, weg mit den verdammten Nullen. Nichts könnte leichter sein als das.
Etwas besser geplant hätte diese Aktion allerdings doch werden können. Denn da es nach der Umstellung einfach nicht genügend neue Banknoten gab, mussten die Geschäfte improvisieren…Wechselgeld wurde z.B. in Form von Bonbons gegeben.
Ist das nicht eine nette Unterhaltung für das Ende des Sommers, liebe(r) Leser(in)?
Viele Grüße,
Michael Vaupel