Weder Fleisch noch Fisch
Klaus Buhl in Nebenwerte Daily zum Thema Aktien & Aktienhandel
vom 24. September 2009, 17:00 Uhr
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relativ ereignislos und unter geringen Schwankungen verliefen die ersten drei Börsentage der Woche. Nur knapp schrammte der DAX an einem neuen Jahreshoch vorbei, zeigte dort aber zunehmend Schwierigkeiten und Höhenangst! Erst am Mittwoch Abend, unmittelbar vor der FED-Entscheidung also, kam etwas Bewegung in die Märkte. Noch ist es zu früh, die zwangsläufig irgendwann auftretende Korrektur auszurufen, aber es wäre nicht zum ersten Mal, wenn nach einer den Erwartungen entsprechenden Notenbanksitzung Gewinnmitnahmen einsetzen würden.
Sell on good news?
Wie gesagt, noch ist es viel zu früh etwaige Korrekturen hier zu diskutieren. Aber es passieren aktuell einige Dinge in der Welt und im Markt, die einen prima Nährboden für Gewinnmitnahmen abgeben würden. Dazu zähle ich die gestrige FED-Sitzung, den Optimismus der Anleger, die zurückkehrende Zuversicht der Volkswirtschaftler, die bevorstehende Bundestagswahl und den G 20 Gipfel in Pittsburgh. Alle Punkte einzeln für sich betrachtet haben das Potential, die Investoren zu verunsichern. Aber auch das von mir hier kürzlich vorgestellte Konzept des Bullish Percent Index, welches die Marktbreite einer Bewegung anzeigt, befindet sich mittlerweile auf schwindelerregenden Höhen. Dieser Zustand kann theoretisch noch eine Weile andauern. Kritisch wird es erst, wenn Kapital aus dem Markt fließt und die Anzahl der Aktien, die den Aufschwung mitträgt, wieder abnimmt.
Noch ist davon nichts zu sehen. Wenn aber wie aktuell 84 % der an der NYSE gehandelten Werte auf einem P& F-Kaufsignal stehen, wird es zusehends schwieriger die ganz miesen Werte auf Kauf" zu hieven. Irgendwann kommt einfach der Punkt, an dem sich die Masse an die steigenden Kurse gewöhnt hat und lethargisch wird. Dies wäre der ideale Zeitpunkt für flexible Investoren, Trader und Hedgefonds ihre Gewinne einzufahren.
Auslöser für Gewinnmitnahmen könnten die gestrigen Aussagen der US Notenbank FED sein. Diese erklärte nämlich recht deutlich, dass sie die Zinsen für einen längeren Zeitraum" auf dem aktuell extrem tiefem Niveau halten will, obwohl sich die US-Wirtschaft stark aufhellt.
Wann werden die Zinsen angehoben?
Obwohl wir uns derzeit auf dem geradezu lächerlichen Zinsniveau von 0,25 % bewegen, scheinen viele Anleger von der Frage umgetrieben zu werden, wann die Zinsen endlich wieder steigen werden. Nach wie vor scheint das alte Patentrezept zu gelten, dass steigende Zinsen Gift für die Börsen seien, egal von welchem Niveau aus dieser Prozess einsetzt. Denn immerhin sind steigende Zinsen auch das Anzeichen einer prosperierenden Wirtschaft und daher keine zwangsläufige Katastrophe für uns Aktionäre. Historisch und über einige Konjunkturzyklen betrachtet, ist ein Zinsniveau von 5 Prozent innerhalb einer prosperierenden Wirtschaft kein Problem für uns Aktionäre. Während es beim unveränderten Zinsniveau gestern Abend keine Überraschungen gab, änderte die FED in einem anderen Punkt ihre bisherigen Absichten.
Die US-Notenbanker bekräftigten zwar ihre Absicht, für 1450 Mrd. Dollar hypothekenbesicherte Anleihen und Schuldtitel zu kaufen, um den Hypotheken- und Häusermarkt zu stützen. Nun sollen die Käufe aber bis März 2010 gestreckt werden, um einen "sanften Übergang" zu schaffen, und nicht bereits in diesem Jahr auslaufen. Auf diese Neuigkeit reagieren die europäischen Rentenmärkte bisher sehr gelassen.
Mit den aggressiven Zinssenkungen und Hypotheken Käufen hat sich die Fed meiner Meinung nach sehr erfolgreich gegen die tiefste Finanz- und Wirtschaftskrise seit den 30er-Jahren gestemmt und damit eine Depression verhindert. Da sich derzeit aber immer mehr Volkswirtschaftlicher zunehmend positiv über den Aufschwung äußern, wird die Debatte immer lauter, wann die Zinswende kommt.
Übrigens ist dies auch eines der Argumente, warum ich die Gewinnmitnahmen förmlich rieche. Denn selten habe ich es erlebt, dass sich die Prognosen der meist sehr zyklischen Forscher und Analysten als gute Handelssignale und Timing-Instrumente erwiesen haben!
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