Web 2.0
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 21. Dezember 2010, 07:30 Uhr
ENL5454
Trotz all dem Aufruhr um das Investieren in die Technologie der New Economy" - Web 2.0 heißt es jetzt ja - gehen die tatsächlichen Investitionen in Fabriken, Maschinen und Dinge-die-den-Investoren-höhere-Gewinne-in-der-Zukunft-hätten-bringen-können" zurück. Die Netto-Kapitalinvestitionen sind auf neue Tiefs gefallen.
Die amerikanischen Unternehmensvorstände scheinen sich mittlerweile statt auf ihr eigentliches operatives Geschäft auf das Abschließen von Übernahmen und auf kurzfristige Gewinne zu konzentrieren - auf alles, was ihren Namen in die Zeitung bringen wird.
Man könnte denken, dass das die Besitzer der Gesellschaften - also die Aktionäre - aufregen würde. Aber nichts davon kümmert die Kapitalisten - denn sie haben aufgehört zu existieren. Die Kapitalisten der alten Schule, die ihr Geld in Unternehmen stecken, die sie kennen und verstehen - mit der vernünftigen Hoffnung auf Gewinn -, sind durch das neue, kollektivierte Kleinanlegertum ersetzt worden, dessen Erwartungen entschieden unvernünftig sind. Diese Einfaltspinsel und Trottel erwarten unmögliche Renditen von ihren Aktien, über die sie überhaupt nichts wissen.
Das Management konnte die Bilanzen ruinieren, wie es wollte. Es konnte extravagante Kompensationsgeschäfte mit sich selbst abschließen. Es konnte Vermögensgegenstände zu lächerlich hohen Preisen kaufen; es konnte sich große Summen leihen und sich dann fragen, wie das Geld zurückgezahlt werden könnte. Das Management konnte auch die Dividenden kürzen...oder überhaupt keine Zahlen; die kleinen Leute werden das derzeit nicht herausfinden.
Die Kleinanleger in Japan und in den USA hätten von Aktien, Schulden und Ausgabenorgien unmittelbar nach dem Crash am Aktienmarkt fliehen sollen. Der Aktienmarkt hätte richtig einbrechen sollen, um sich danach wieder erholen zu können. Aber die Regierung und die Zentralbank waren bald zur Stelle - sie hatten so viele Sicherheitsnetze gespannt, dass es kaum einen freien Platz auf dem Boden gab, auf den man fallen konnte.
Natürlich wussten die kleinen Leute nicht, was sie taten. War es eine große Überraschung, dass sie wieder das Falsche taten; dass sie sich einem Wechsel widersetzten, dass sie den Schmerz der Korrektur in die Länge zogen, und dadurch eine reale Erholung verschoben? In Japan wurden die Analysten des Wartens müde. Dann gingen Stagnation und leichter Abschwung weiter, langsam und soft, wie ein Mann, der in einem Biertank ertrinkt.
Nachdem wir gesehen haben, was mit dem Aktienmarkt und der Wirtschaft hätte passieren sollen und was wirklich passiert ist, schauen wir jetzt unter die Kapuze der imperialen Währung, des Dollar. Was sollte der Dollar tun, frage ich mich? Um es für Sie leichter zu machen, gebe ich Ihnen meine Einschätzung vor der Begründung: Er sollte fallen.
Die Kleinanleger tendieren dazu, Dinge zu glauben, die nicht wahr sind. Auf dem Höhepunkt der großen Spekulationsblase glaubten sie, dass sie 18% pro Jahr verdienen könnten, wenn sie ihr Geld in Aktien anlegen würden - auch wenn sie nicht wussten, was die Gesellschaften, in die sie investierten, überhaupt machten.
Sie glaubten, dass sie den Unternehmensvorständen vertrauen könnten, dass diese die Investoren reich machen würden, statt sich selbst zu bereichern. Sie glaubten, dass die Aktienkurse immer steigen würden und dass die Fed einen größeren Bärenmarkt nicht erlauben würde. Sie glaubten, dass das amerikanische System des Kapitalismus mit Bürgerbeteiligung, der offenen Märkte und der Sicherheitsnetze das beste je entworfene System sei. Und sie glaubten, dass das eine Art von Perfektion repräsentierte, die an der Spitze der Welt bleiben würde...wenn nicht für immer, dann zumindest für eine sehr lange Zeit.
Sie glaubten auch, dass der Dollar so real war wie Papiergeld nur sein kann, und dass er auf ordnungsgemäße Weise nach und nach an Wert verlieren würde. Ihnen war schließlich gesagt worden, dass ein bisschen Inflation gut für eine Volkswirtschaft sei.
Von all den Lügen, die die Kleinanleger aufnahmen, war keine provokativer als die Dollar-Lüge. Und weiterhin lasten die bekannten Belastungsfaktoren auf dem Dollar. Im Oktober lag das Handelsbilanz-Defizit bei 44 Milliarden Dollar. Minus. In einem Monat.