Was würde Marcus Goldmann dazu sagen?
Michael Vaupel in Traders Daily
vom 17. April 2009, 12:00 Uhr
ENL5454
*** Gestern schrieb ich hier im Trader´s Daily zum „Stiefkind-Monat" bei den Quartalszahlen von Goldman Sachs:
"Eine Frage bleibt: Was würde der Gründer von Goldman Sachs zu dieser Vorgehensweise sagen - wäre dies in seinem Sinne?"
Ja, was würde Marcus Goldmann - der Gründer - dazu sagen?
1821 in Unterfranken geboren, als ältester Sohn von insgesamt fünf Kindern, wanderte er im Alter von 27 Jahren nach New York aus. Er war keiner dieser Einwanderer, die sich im Sozialsystem eines Landes ausruhen (wäre damals ohnehin noch nicht gegangen) - er nahm sein Schicksal in die Hand, zog als Hausierer durch die Lande, hielt Augen und Ohren auf, und als sich ihm eine Gelegenheit bot, eröffnete er einen Laden in Philadelphia. Später stieg er in den Handel mit Schuldscheinen ein, und das war der Grundstein für das spätere Bankhaus.
Im Jahr 1850 hatte er Glück: Als 29jähriger lernte er eine aparte 21jährige mit Vornamen Berta kennen, ebenfalls zwei Jahre zuvor aus Bayern in die USA ausgewandert.
Dann passierte das, was sich seitdem Millionenfach wiederholt hat: Heirat und Zeugung von Kindern, darunter zwei Töchter.
Befreundet war man mit dem Ehepaar Sachs, ebenfalls aus Franken ausgewandert.
Zwei der Töchter verliebten sich in zwei der Söhne des Ehepaars Sachs (damals hatten auch Deutschsprachige noch zahlreiche Kinder), und es kam zu zwei weiteren Hochzeiten. Bei den Eltern durchaus erwünscht, diese Verknüpfung zwischen den Familien.
*** Marcus Goldman nahm einen der neuen Schwiegersöhne in seine Firma auf, die er deshalb in „Goldman Sachs & Co." umbenannte.
Ein ehrlicher Geschäftsmann, der seine Firma durch vollen Einsatz und Geschäftssinn zusammen mit dem neuen Teilhaber - seinem Schwiegersohn - voran brachte. Das war Marcus Goldmann, welcher 1821 im fränkischen Trappstadt geboren worden war. Im Jahr 1904 verstarb er in New York, wohlhabend und geachtet im Alter von 83 Jahren.
Und ja, was würde dieser Marcus Goldmann zu dem „verschwundenen Monat" sagen?
(Wenn ich dran denke und es so kommen mag, werde ich ihn im Paradies dazu um seine Meinung fragen.)
Ich wünsche Ihnen ein angenehmes Wochenende,
Ihr
Michael Vaupel