Was wir von John Law lernen können
Investors Daily
vom 13. Mai 2004 18:00 Uhr
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John Law war ein freundlicher Schurke; sein Lebenslauf liest sich wie der einer Legende. Seine Verrufenheit wurde bestätigt, als er 1694 bei einem Duell in London einen Mann tötete. Die nächsten 20 Jahre verbrachte er auf der Flucht.
Aber 1720 war der Sohn eines Goldschmieds aus Edinburgh der reichste Mann der Welt. Auf dem Höhepunkt seiner Popularität und seines Reichtums besaß John Law unter anderem die französische Zentralbank und das gesamte Gebiet von Louisiana, das sich vom Golf von Mexiko bis zum Eriesee erstreckte, und von den Appalachen bis zu den Rocky Montains. Er hatte es alles – Frauen belagerten ihn, Soldaten beschützten ihn, und Könige verbeugten sich vor ihm.
"Aber alle Dinge werden korrigiert", so schrieb Bill Bonner zusammen mit mir in unserem neuen Buch (das demnächst auf dem deutschen Markt erscheinen wird), "selbst der Ruf von Menschen." Wir bezogen uns da auf John Law, aber das könnte auch auf Alan Greenspan angewendet werden.
Laws Experiment mit Papiergeld führte zu Beginn des 18. Jahrhunderts in Zentralfrankreich zu einem spekulativen Hype. Aber Laws Experiment mit Papiergeld wurde durch eine Inflation unterminiert – die Chinesen hatten das übrigens schon im 10. Jahrhundert entdeckt. Die Spekulationsblase von Law platzte, und Law war gezwungen, in Ungnade zu fliehen – in Frankreich war er Pleite. Bis heute sind die Franzosen zurückhaltende Investoren – vielleicht sind sie immer noch durch John Law traumatisiert.
Alan Greenspan ist jetzt 78 Jahre alt, und seit 17 Jahren ist er der Vorsitzende der amerikanischen Zentralbank. Er wird allgemein als Genie bezeichnet, das Amerika reich gemacht hat ... aber das ist alles nur wie eine Sandburg am Strand. Und das wird sich bestimmt in seinem Ruf widerspiegeln – vielleicht früher, vielleicht später. Greenspan hat ein Schneeball-System kreiert, das von immer neuen Schulden abhängig ist, ein großes Monster, das von neuen Krediten lebt. Wie wird das enden? Was wird der Katalysator für das Ende sein?
Auch die Anleihenmärkte beginnen sich zu wundern. So hohe Renditen wie jetzt haben wir am US-Anleihenmarkt seit Juli 2002 nicht mehr gesehen. Wird man sich an Greenspan erinnern, als denjenigen, der die schuldenüberladene Wirtschaft mit Inflation angeheizt hat, bis er die Kontrolle verlor?
Der Goldpreis ist jetzt von seinem Topp aus rund 50 Dollar gefallen. Das ist wieder einmal so eine bizarre, obskure Unbekanntheit des Marktes: Die Währungen und die Edelmetalle scheinen eine völlig unterschiedliche Botschaft zu senden als der US-Anleihenmarkt.
Wenn der Dollar weiter steigen würde und der Goldpreis weiter fallen würde – könnte dann die Dollar-Rally der Katalysator sein, der die US-Wirtschaft in die Knie zwingt? Die dann folgende massive deflationäre Spirale würde dann ganz bestimmt die Reputation von "Big Al" schädigen – besonders, da er ja gerade verkündet hat: "Die Deflation ist tot."
Der Ölpreis dreht die Uhr zurück. Es steht wieder da, wo er im Oktober 1990 stand, als der Irak in Kuwait einfiel. Danach wurde dieses hohe Niveau nie wieder erreicht – bis auf jetzt. Könnte es auch eine Energiekrise sein, die bei der Party von Greenspan die Lichter ausgehen lassen wird? Und was ist mit dem Abenteuer im Irak? Könnte Desert Storm II die Rakete abfeuern, die die Schuldenbombe hochgehen lässt? Oder vielleicht Osama bin Laden?
Ich bin benebelt ... und räume bereitwillig ein, dass ich keine Ahnung habe. Ich weiß nicht, wann die massive Entschuldung von Amerika stattfinden wird. Es gibt zu viele unkontrollierbare Faktoren, ungeachtet der Fehler, die die Zentralbank macht. Der Dollar könnte steigen. Der Dollar könnte kollabieren. Gold könnte weitere 50 Dollar verlieren. Aber das wären bloß Katalysatoren für die Korrektur – denn am Ende würde Amerikas Allianz mit dem Papiergeld im Fiasko enden. Das hat schon John Law entdeckt.