Was wir als Trader aus der griechischen Geschichte lernen können

Martin Denholm in Traders Daily
vom


Sun Tzu schreibt in Kapitel 13 seines Werkes über die Verwendung von Spionen im Krieg und über die Notwendigkeit zu wissen, was im gegnerischen Lager vor sich geht: „Spione sind ein Schlüsselelement der Kriegsführung. Auf ihnen begründet sich jede Bewegung einer Armee."

Aber Alkibiades war nicht nur ein Spion und Überläufer. Er versorgte die Spartaner auch noch mit einer vollständigen Auflistung der Schwächen Athens und half Sparta bei der Entwicklung einer Strategie die Athener niederzuschlagen. Unter anderem drängte er die Spartaner, die strategischen Regionen in der Gegend um Athen einzunehmen und zu befestigen und auch Syrakus zu befestigen. Es war nichts weniger als eine Karte in das Herz der athenischen Macht. Die Athener verurteilten Alkibiades in Abwesenheit zum Tode. Sein Eigentum wurde konfisziert, aber der Schaden war nicht mehr abzuwenden.


Trotz des Verlustes von Alkibiades und des wahrscheinlichen Schadens nicht nur für die Sicherheit der Ausführung, sondern auch für die gesamte Strategie, setzten die Athener die Ausführung auf Sizilien fort.

Das war reinste Tollkühnheit auf deren Seite. Es war, als hätten die Ereignisse auf Sizilien ein Eigenleben bekommen und als wären die Athener nicht mehr in der Lage die Situation neu einzuschätzen, ganz zu schweigen davon, dass sie ihr eigenes Schicksal nach der Flucht Alkibiades' noch unter Kontrolle hätten kriegen können. Anfangs gewann man kleinere Schlachten gegen die Mächte, die sich mit Syrakus verbündet hatten, aber Nikias gelang es nicht seinen Vorteil auszubauen.

Viele der kleineren sizilianischen Städte hatten den Athenern ihre Unterstützung zugesagt, ehe sie loszogen. Aber als die Sizilianer die gewaltige Größe der athenischen Streitkraft sahen, fürchteten sie sich mehr vor diesen als vor den Herren in Syrakus und lehnten die Unterstützung ab.

Der gute Wille zwischen den Athenern und den Sizilianern brach immer mehr zusammen nachdem die Sizilianer anfingen, die wahren Motive der Athener in Frage zu stellen, was deren Tun in Sizilien anging. Bei einem Streit mit einem der sizilianischen Stämme beschuldigte man die athenische Führung, sie versuche nur, ein weiteres Imperium begründen zu wollen. Die Athener gaben zu, dass sie ihr Imperium durch Angst hielten aber beanspruchten auch, dass sie sich um die Sicherheit kümmerten und niemanden versklavten. Der betreffende Stamm entschloss sich, neutral zu bleiben, unterstützte aber später Sizilien. So wendete sich das Blatt gegen die Athener.

Aber die Athener waren immer noch zuversichtlich, dass ihre Armee mächtig genug sein würde, Syrakus auch ohne Hilfe der Ortsansässigen zu bezwingen und so setzten sie ihre Bemühungen fort. Innerhalb weniger Tage wurde General Lamachus in der Schlacht getötet. Aber die Athener setzten ihre Belagerung fort.

Nach einer Reihe guter Fortschritte in Syrakus glaubte Nikias, dass die Menschen in der belagerten Stadt kurz davor seien, aufzugeben. Nikias verzögerte den Abschluss der Belagerungsarbeiten, die er geplant hatte, während er mit den verschiedenen Splittergruppen in der Stadt verhandelte. Das soll heißen, er vernachlässigte die Konzentration auf das militärische Prinzip, wonach man einen Vorteil ausnutzen muss. Und so hat sich diese Verzögerung auch wirklich zu seinem Nachteil ausgewirkt.

In der Zwischenzeit war ein spartanischer General namens Gylippus, der gerade erst von Alkibiades instruiert worden war, auf Sizilien angekommen, um Syrakus zu helfen. Nachdem er erfahren hatte, dass Syrakus noch nicht vollständig abgeschnitten war, versammelte er seine Truppen, ebenso wie die der sizilianischen Verbündeten und es gelang ihm, sich in die Stadt durchzuschlagen. Seine Ankunft stärkte sofort die Moral innerhalb von Syrakus. Von da an liefen die Dinge für die Athener immer schlechter. Es sah so aus, als hätte sich das Schicksal verschworen und all seine bösen Winde gegen die Athener versammelt.

Schlimm genug, dass Lamachus in einer Schlacht getötet wurde. Dann wurde Nikias durch das Klima in Sizilien krank. Nikias schrieb der Führung in Athen und bat um Verstärkung und dass man ihn austauschte. Die Athener hatten in Sizilien ihre gesamte Führung und Kommandostruktur verloren. Die sizilianische Expedition, die zu Anfang das war, was Clausewitz als „kühnen Schlag" bezeichnete, entwickelte sich schnell nicht nur in einen Fehler, sondern in einen entscheidenden Fehlschlag.

Waren die Athener einfach nicht bereit, die Situation neu einzuschätzen? Oder waren sie dazu einfach nicht in der Lage, wegen der Sturheit und Überheblichkeit ihres Charakters? Mit Sicherheit haben sie sich die Aussicht, dass ihr Sizilienplan fehlgeschlagen sein könnte, nicht eingestanden, auch haben sie keine Vorkehrungen getroffen, das zu retten, was vielleicht noch zu retten war. Stattdessen haben die Athener eine zweite Expedition nach Syrakus geschickt, unter der Führung zweier weiterer Generäle, Eurymedon und Demosthenes, mit weiteren 73 Schiffen und 5.000 Fußsoldaten. Jetzt hatten die Athener für diese Expedition schon die Hälfte ihrer Marine aufs Spiel gesetzt und fast ein Drittel ihrer Armee. Aber wofür?

Später haben die sonst sehr besonnen Athener eine Möglichkeit zum Rückzug verstreichen lassen, nur wegen eines Aberglaubens über eine Mondfinsternis, die sich in der Nacht ereignete in der sich die Athener eigentlich zurückziehen wollten. Der abergläubige Nikias lehnte es ab, die Segel zu setzen bevor man nicht die verlangten 27 Tage hatte verstreichen lassen. Auf Kosten militärischer Notwendigkeiten, hatte sich Nikias den Konventionen unterworfen.

Diese Verzögerung sollte sich als tödlich herausstellen. Im engen Hafenbecken von Syrakus hatten die Athener einen Nachteil und die Soldaten von Syrakus kämpften - wie zuvor die Griechen gegen die Perser in Salamis -gegen die fremden Eindringlinge für ihre Freiheit.

Die Streitkräfte in Syrakus konnten einen technischen Vorteil ausgerechnet in der Marine erlangen, indem sie die Rümpfe ihrer Schiffe verstärkten. Dadurch konnten die Schiffe aus Syrakus in dieser Enge leichter mit den athenischen Schiffen kämpfen und so gelang es der wesentlich kleinere Flotte aus Syrakus die athenische Flotte zu schlagen und dabei den athenischen General Eurymedon zu töten. Die Sieger vertäuten eine Reihe von Schiffen entlang der Hafeneinfahrt und die Athener saßen vollständig in der Falle.

Die Athener segelten wieder hinaus in den Hafen von Syrakus und versuchten, die Blockade zu zerstören, aber sie wurden in einer wütenden Schlacht auf der begrenzten Wasserfläche zurückgeschlagen. Die athenischen Krieger waren etwas verwirrt durch das Kriegsgeschrei und die Rufe ihrer sizilianischen Verbündeten, die genauso klangen wie das Kriegsgeschrei der feindlichen Streitmacht in Syrakus. Im Nebel der Schlacht verschaffte das den Gegnern einen weiteren Vorteil. Die Athener wurden geschlagen.

Demosthenes wollte die Barriere am nächsten Morgen noch einmal angreifen, weil die Athener immer noch mehr Schiffe hatten als die Marine aus Syrakus. Aber die entmutigten athenischen Segler weigerten sich, auf ihre Posten zu gehen. Die Flotte saß in der Falle, geschlagen und zerstört.

Die einzige Möglichkeit zum Rückzug war jetzt der Landweg. Es gelang General Nikias jedoch nicht, die Dringlichkeit dieser Zwangslage einzuschätzen. Er gab seinen Truppen einen Tag, die Sachen zusammenzupacken, ehe man das Camp verlassen wollte. Diese Verzögerung erlaubte dem spartanischen General Gylippus einen weiteren Schachzug; er positionierte seine Truppen an strategischen Punkten entlang der Marschroute der Athener. So musste sich die athenische Armee acht Tage lang unter dauernden Angriffen der berittenen Kavallerie aus Syrakus durchschlagen. Nachdem die Hauptmacht umzingelt war, gab sich Demosthenes geschlagen.

Die Vorhut der athenischen Armee hielt unter General Nikias noch zwei Tage durch ehe sie von den Soldaten aus Syrakus am Assinarus Fluss im Südosten Siziliens eingeholt wurden Dort metzelte man die durstigen Athener in Scharen nieder, während sie sich auch gegenseitig in dem Versuch an das Wasser zu kommen überrannten.

Demosthenes und Nikias wurden sehr bald hingerichtet. Die Meisten der Überlebenden dieser mächtigen Expedition Athens kamen als Kriegsgefangene der Sieger in den Steinbrüchen um, in denen schreckliche Bedingungen herrschten. In einem der traurigsten Berichte der Militärgeschichte nennt Thucydides die sizilianische Expedition die „größte Errungenschaft" in der griechischen Geschichte. Aber am Ende waren sie „geschlagen, heißt es. Eine vollständige Zerstörung der Armee und der Flotte. Nur die Wenigsten kehrten je nach Hause zurück. So waren die Ereignisse auf Sizilien."

„Alles war zerstört", heißt es. Bei einem solchen Ausgang hat man wohl das Recht zu fragen, ob die Kampagne in Sizilien eine gute Strategie war, die lediglich schlecht ausgeführt wurde? Oder ob es von Anfang an eine schlechte Strategie war? Es ist zu einfach, sich einfach nur das Ergebnis anzusehen und dann rückwärts zu argumentieren. Man muss mehr wissen. Die erste Regel einen Krieg zu gewinnen, ist, dass man sich nicht selber zu Fall bringt.

Letzter Teil dann in der nächsten Trader´s Daily-Ausgabe.



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