Was wäre, wenn ... Teil 2
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 07. November 2003 18:00 Uhr
ENL5454
Unsere Seelen werden getestet, liebe(r) Leser(in).
Unsere Überzeugungen ... unsere Vermutungen ... sogar unser Sinn dafür, was richtig oder falsch ist.
Was wäre, wenn ich Unrecht hätte, frage ich mich? Was wäre, wenn die Welt doch nicht so funktioniert, wie ich mir das vorstelle?
Nicht, dass ich annehmen könnte, zu wissen, wie die Welt wirklich funktioniert. Das ist etwas, was uns Menschen nicht gegeben ist. Alles was wir tun können, ist durch ein dunkles Glas sehen zu können, und dabei zu versuchen, generelle Muster zu erkennen ... die Regeln und Prinzipien ... die uns helfen, das zu verstehen.
Wenn ein Mann zuviel trinkt, dann erwarte ich, dass er hinfällt. Und offen gesagt: Ich bin etwas enttäuscht, wenn er das nicht tut; das ist so, als hätte er die Natur irgendwie betrogen.
Wenn ein Mann seine Frau oder seine Geschäftspartner betrügt ... ich weiß nicht, aber ich könnte mir vorstellen, dass er dafür einen Preis zu zahlen hat ... irgendwann ... irgendwie ... irgendwo. Wenn nicht in dieser Welt – dann vielleicht in der nächsten! Und wenn das nicht so ist ... nun, dann sollte es so sein.
Und jetzt haben wir vor uns das Spektakel von Millionen von Leuten, die denken, dass sie reicher werden können – nicht durch Schweiß oder die Disziplin des Sparens ... sondern durch das Kaufen von Häusern und Aktien. Der Kaufpreis scheint egal zu sein, das Geheimnis ist nur, "im Markt zu sein".
Und weil sie glauben, dass sie den Weg gefunden haben, wie ein fauler Mann reich werden kann ... sehen sie keine Notwendigkeit für die üblichen Vorsichtsmaßnahmen. Warum sollte man seine Hypotheken nicht erhöhen ... wenn man weiß, dass der Preis des Hauses weiter steigen wird? Die amerikanische Sparrate ist auf 1,5 % des BIP gefallen ... oder weniger als 3 % des verfügbaren Einkommens. Im Gegensatz dazu arbeiten die Chinesen länger, unter schlechteren Bedingungen, für 1/10 der Bezahlung ... und sie sparen 35 % ihres Geldes!
Die Amerikaner als Kollektiv sparen nicht nur NICHT, sondern sie geben auch eine halbe Billion Dollar mehr aus, als sie verdienen ... und sie leihen sich eine weitere halbe Billion – zum großen Teil von Dritte-Welt-Ländern, kommunistischen Nationen –, um ihre Regierung finanzieren zu können.
Aber keine Sorge – uns wird gesagt: "Amerika ist die größte, dynamischste Volkswirtschaft der Welt. Wir wachsen doppelt so schnell wie Europa. Unser Aktienmarkt boomt. Unsere Immobilienpreise steigen. Wir haben Alan Greenspan bei der Fed und George W. Bush im weißen Haus. Was könnte da schief gehen?"
Bis jetzt hat der Dow Jones 57 % der Verluste des Bärenmarktes von 2000–2002 wieder aufgeholt. Im letzten Quartal fiel das US-Wirtschaftswachstum so hoch wie nie zuvor in den letzten 19 Jahren aus. Die Investoren sind bullisher als je zuvor. Und selbst der Dollar ist gegenüber dem Euro wieder gestiegen.
Kann das sein, liebe(r) Leser(in)? Ist das real? Eine reale Erholung? Wird die Rechnung niemals kommen?
Ich warte ... und wundere mich ...
In der Zwischenzeit zu Addison: