Was tun, wenn es brennt - ein Leserbrief
Ronald Gehrt in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 07. Februar 2007 07:30 Uhr
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Gestern erhielt ich einen Leserbrief, der zum größeren Teil an Mr. Bonner gerichtet war. Da dieser aufgrund seinen jeweils nur sporadischen Aufenthalts an den verschiedensten Orten der Welt nicht besonders viele Leserbriefe beantworten kann, habe ich in seinem Namen geantwortet. Es ging um eine Thematik, von der ich mir gut vorstellen kann, dass sie viele von Ihnen interessiert, daher möchte ich die Anfrage sinngemäß wiedergeben.
Das Thema war: Was tun, wenn es brennt? Was soll man den nun konkret mit seinem Vermögen anstellen, wenn die von Bill Bonner skizzierte Katastrophe kommt und das weltweite Schuldengebäude mit unfeinen Geräuschen in sich zusammenstürzt? Und wird dieses Szenario weltweit gelten?
Höre ich Warnungen aus der Ferne?
Ich muss dazu eines vorweg schicken. Es ist völlig offen, wann das geschieht. Irgendwann lässt sich das nicht mehr vermeiden, aber es können bis dahin noch viele Jahre vergehen. Wenn man ein solch fragiles Konstrukt wie diesen Krug, zusammengeleimt aus Krediten, Hypotheken und leichtem Geld, immer und immer wieder durch neue Innovationen und Vertuschungen flickt, ist es einfach nicht im Voraus zu ermessen, wann er bricht und wir endlich inmitten des unvermeidlichen Scherbenhaufens stehen.
Mr. Bonner warnt seit Jahren, und seit Jahren zu Recht. Ja, mit jedem Jahr, das ohne Schaden vergeht, wächst die mögliche Fallhöhe, aus der das Finanzsystem in die Tiefe stürzen kann. Nur, weil es bis heute nicht passiert ist, heiß das nicht, dass nichts passieren kann. Ob es nun um langfristige Perspektiven – mit ebenso langfristig negativen Auswirkungen – geht oder um meine auf eine kurzfristige Perspektive abzielenden Warnungen vor einem kalten Guss an den Aktienmärkten, es ist das selbe Prinzip:
Man hört die einsamen Mahner und blickt sich überrascht und verwundert um. Risiken? Ehrlich? Ei, wo denn? Und dann, wenn nicht umgehend etwas passiert, ist das Thema vom Tisch. Im Gegenteil, die Wachsamkeit wird meist noch geringer als zum Zeitpunkt, bevor man auf diese Dinge hingewiesen wurde. Das klingt nicht logisch, nicht wahr? Und doch tun wir Menschen dies immer wieder, ja regelmäßig.
Nehmen Sie einfach den Autofahrer, der von seiner Werkstatt darauf hingewiesen wird, dass er mit seinen abgefahrenen Reifen bei Regen ernste Probleme haben würde. Der Fahrer denkt sich, dass die ihm ja nur was verkaufen wollen ... und setzt sich dennoch mit einem ein wenig mulmigen Gefühl hinters Steuer. Er wird beim nächsten starken Regen besonders vorsichtig fahren ... und es wird ihm nichts passieren. Und beim nächsten Regen? Beim nächsten Mal wird er deutlich weniger Acht geben, weil die Werkstatt ja offenkundig unrecht hatte. Bei manch einem war es das letzte, was er dachte.
Also: Was bisher gut ging, muss nicht weiterhin gut gehen. Es ist einfach so. Und wenngleich mein Bereich in Ihrem Daily Observer mehr das Tagesgeschehen ist, während Bill Bonner auf den bisweilen philosophischen Ebenen des Grundsätzlichen und Umfassenden schwebt ... es ist für beide Bereiche das selbe. Und ich teile voll und ganz seine Ansicht: Das dicke Ende kommt. Nur:
Noch ist das vergraben der Goldbarren nicht nötig ...
Mr. Bonner ist in der Tat nicht derjenige, der sich nun hinstellt und Ihnen sagt, was genau Sie denn unter diesen Umständen mit Ihrem Geld machen sollten ... und wann. „Kaufen Sie Gold“ ist seine etwas lapidar klingende Aussage. Andererseits: Immerhin hätten Sie da in den vergangenen Monaten nicht schlecht gelegen. Und wenn es zu einem Zusammenbruch der Finanzsysteme kommt, ist es ganz sicher kein Fehler, etwas von Wert zu besitzen, das man festhalten kann.
Aber es ist keineswegs sinnvoll, bereits jetzt den Bunker im Vorgarten auszufegen und die Goldbarren hineinzuschleppen. Zum einen, weil ja absolut nicht festzumachen ist, wann das genannte „dicke Ende“ kommt. Und zum anderen, weil auch ein solches Gebäude aus gepumptem, nicht wirklich existentem Kapital nicht binnen eines Tages zusammenbricht. Wenn oben die ersten Risse breiter werden bleibt Ihnen genug Zeit zu handeln, bevor Ihnen die Trümmer auf den Kopf fallen.
Grundsätzlich allerdings muss klar sein: Nur, weil das Problem in den USA geboren wurde, bleibt der Rest der Welt doch nicht verschont. Wenn das Finanzsystem Risse bekommt, gehen diese auch durch unsere Börsenlandschaft, gar keine Frage. Aber es bleibt dabei:
Die Bedrohung ist da. Und mir fällt beim besten Willen nicht ein, wie sich das Problem nun noch reparieren lässt. Daran herumflicken, sicher. Lösen? Nein. Nur ist eben der Zeitpunkt völlig offen, wann es zum entscheidenden Bruch kommt. Und erst, wenn sich absehen lässt, wie sich das Platzen der Blase abspielt, lässt sich ermessen, was jeder für sich selbst sinnvollerweise tun sollte.
Der Rat, den Mr. Bonner öfters anklingen ließ, nämlich auf Aktien zu verzichten, ist schon ein paar Jahre alt. Und es wäre sicherlich ein Fehler gewesen, auf diese Kursgewinne, die sich in den letzten Jahren angehäuft haben, zu verzichten. Ich würde jedem raten, so lange dabei zu sein, solange der Zug noch rollt. Nur eines darf man nicht versäumen: Auf die Geräusche zu lauschen, welche die Lokomotive macht, um rechtzeitig abspringen zu können.
... aber man sollte wissen, dass man es vielleicht eines Tages tun muss
Wenn ich im Moment von dunklen Wolken am Aktienmarkt schreibe, meine ich eine scharfe, überfällige Korrektur, die den aktuell problematischen Rahmenbedingungen Rechnung trüge. Das hat nichts mit dem zu tun, was Bill Bonner meint. Ich rate zu Wachsamkeit, Teilverkäufen, Kaufstopp und Stoppkursen. Und dies, um nicht unter die Räder zu kommen, wenn aus 5-10% doch wieder mal 15 oder 20% Korrektur werden. Das ist das hier und heute.
Wenn Mr. Bonners Szenario eintritt, werden wir eine lange Baisse erleben. Das ist eine ganz andere Kategorie. In diesem Fall sind Aktien fatal, Gold kein Fehler und höchst ratsam, in seinen eigenen und abbezahlten vier Wänden zu wohnen. Das wäre das Rüstzeug, um so unbeschadet wie möglich durch solch eine Zeit zu kommen.
Aber um es zu wiederholen und gleichzeitig abzuschließen: Die Korrektur, über die ich schreibe, kann heute beginnen. Mr. Bonners Szenario nicht. Vielleicht in einem Jahr, vielleicht in fünf, das ist nicht abzuschätzen. Dass wir nicht darum herumkommen werden, würde ich unterschreiben. Aber ich meine, es wäre zu früh, jetzt bereits aktiv zu werden. Denken Sie an diese Bedrohung, wenn Sie neue Investments tätigen und bleiben Sie wachsam. Aber beginnen Sie nicht schon jetzt, Gold im Garten zu vergraben.