Was tun, wenn die Geldfressmaschine durch die Lande streift?
Cindy Bach in Insider Daily zum Thema Kapitalschutz
vom 26. März 2010, 14:30 Uhr
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haben Sie schon mal gebaut - ein Haus neu errichtet oder ein bestehendes ausgebaut? Wir versuchen uns gerade an Letzterem. Bisher waren wir stets nur die netten Mieter, die pünktlich ihre Hausordnung erledigen und sich auch sonst vorbildlich zu verhalten wissen.
Auch als vor einem unser Sohn zu Welt kam, waren wir zufrieden mit unserer kleinen gemütlichen "67-Quadratmeter-Bude". Aber ein Kind wird älter, das Spielzeug mehr. Und plötzlich wollten auch wir Eltern mehr - mehr Platz für das Kind und auch für uns. Und vor allen Dingen wollten wir plötzlich mehr Eigenbestimmung. Denn mit Kind ist pünktliche Hausordnung blitzartig nicht mehr ohne weiteres drin. Und auch das Straße kehren fällt bisweilen zugunsten von Kinderspaß aus.
Aber auch sonst schien uns als Familie die Zeit reif für eine Veränderung. Also entschieden wir uns zum Ausbau einer Wohnung in einer Lagerhalle meiner Eltern. Zugegeben auf den ersten Blick konnte auch ich mir kaum vorstellen, dass man dort leben kann. Aber mit engagierter und detaillierter Planung entstand über mehrere Wochen hinweg eine realisierbare Idee von einem eigenen Zuhause.
Und nun sind wir dem Ziel schon sehr nahe - 120 Quadratmeter Wohnraum nur für uns allein. Mit einem netten kleinen Garten dran, der zwar eher an eine Rabatte als an eine parkähnliche Idylle erinnert, doch dieses kleine Stückchen Grün kann mit etwas Liebe, Pflege und Hingabe durchaus zu einem netten Gärtchen werden. Und wir sind beide keine Freunde langer Nachmittage hinter dem Rasenmäher, also ein idealer Mittelweg.
Warum ich Ihnen von all diesem privaten Kram berichte, ist schnell erklärt. Ich wollte Ihnen eigentlich nur eine kurze Einleitung zum eigentlichen Thema bringen, und habe mich dann - typisch Frau - in meiner Geschichte verzettelt. Ein Argument meiner Eltern bezüglich des Wohnungsbaus war nämlich: Investiert Euer Geld "infaltionsbewusst". Auch wenn ich mir nicht sicher bin, ob es dieses Wort überhaupt gibt, aber ich denke, sie wissen was damit gemeint war.
Was tut man am Besten mit seinem Geld, wenn die Geldfressmaschine namens Inflation mit wachsendem Hunger durch die Lande streift? Entweder man investiert in Sachwerte wie Aktien oder Edelmetalle. Oder aber man investiert in Immobilien. Da es uns persönlich wenig bringen würde in Immobilienfonds zu investieren und weiterhin zur Miete zu wohnen, überlegten wir uns, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen, nämlich das Inflationsmonster und das Platzproblem.
Wo bitteschön ist denn das Inflationsmonster?
Wenn Sie es jetzt für vermessen halten, angesichts von aktuell 0,5 Prozent Inflationsrate in Deutschland solch eine "Panik" zu machen, dann kann ich sie einerseits verstehen. Denn aktuell liegen die Teuerungsraten in fast allen Industrieländern mit der Ausnahme Großbritanniens (3,5 Prozent) bei moderaten zwei Prozent oder wie bei uns sogar deutlich darunter. Doch viele Ökonomen rechnen bereits heute damit, dass sich das in den nächsten Jahren ändert.
Fundament dieser Vermutungen sind die desolaten öffentlichen Haushalte. Nicht nur in Griechenland, Portugal oder Island sind die Staatshaushalte angeknackst. Auch in Deutschland sind die Kassen von Bund, Ländern und Kommunen so leer wie nie zuvor. "Mit der Staatsverschuldung steigt generell die Inflationsneigung", sagt Véronique Riches-Flores, Volkswirtin bei der französischen Société Générale. Ich habe vergangene Woche einen Artikel des Hamburger Abendblattes gelesen, der sich mit dieser Entwicklung beschäftigt. Hier ist zu lesen: "Die Logik dahinter ist einfach: Gehen die Verbraucherpreise nach oben, vermehren sich auch die Staatseinnahmen. Je höher die Inflation, desto leichter fällt es der Regierung, sich ihrer Verbindlichkeiten ohne unpopuläre Sparmaßnahmen zu entledigen. Zusätzlicher Inflationsdruck kommt von den Rohstoffmärkten. Seit dem Tiefstand Anfang vergangenen Jahres haben sich die Notierungen für Rohöl nahezu verdoppelt. Kupfer verteuerte sich um 150 Prozent."
Die relativ niedrigen Inflationsraten würden daher rühren, dass die Finanzbranche, der wichtigste Transmitter von Notenbankgeld, noch immer in Trümmern liegt, erklärt Joachim Paul Schäfer, Vermögensverwalter bei der PSM in München gegenüber dem Hamburger Abendblatt. Endet die Kreditklemme sind bei einer robusten Konjunktur alle Voraussetzungen für eine starke Inflation gegeben. Mehr oder weniger rasante Geldentwertung wäre dann ein realistisches Szenario für den weiteren Verlauf des Jahrzehnts, so Reinhard Hellmuth, Portfoliomanager bei der I.C.M. InvestmentBank in Berlin.
Sechs Prozent Inflation sind keine Utopie
"Die Experten der Société Générale sehen in den Industrieländern bis Mitte des Jahrzehnts Raten von 6 Prozent. In den Schwellenländern halten sie sogar eine Teuerung von bis zu 14 Prozent für möglich", ist weiter zu lesen. Würden diese Prognosen zutreffen, dann hieße das für uns, dass unser Geld in vier Jahren rund ein Fünftel seiner Kaufkraft eingebüßt haben wird. Erschreckend, oder?
Viele Kritiker sehen Grund und Boden sowie Immobilien schon länger nicht mehr als Inflationsschutz. Glichen früher die Entwicklungen der Häuserpreise die Inflation aus, muss der Hausbau und Hauskauf heute wohl überlegt sein. Die Demografie Europas deutet schon jetzt auf sinkende Bevölkerungszahlen hin, so dass Wohnraum künftig nicht mehr ganz so stark gefragt sein könnte und darunter die Preise leiden.
Haben wir also etwas falsch gemacht. In unserem Falle: Nein. Wir haben von unseren Ersparnissen notwenigen Wohnraum geschaffen, anstatt weiterhin Miete zu zahlen. Doch wer den inflationsbedingten Kauf von Immobilien als Geldanlage erwägt, dem sei gesagt: Als Teil in einem ausgewogenen Anlagemix: Ja, als alleiniges Investment: Nein.
Aktien: Erfolgreicher Inflationsschutz
Eine nicht zu vernachlässigende Inflationsschutz-Funktion erfüllen nach wie vor Aktien. "An sich ist eine anziehende Teuerung für Dividendenpapiere neutral", sagt Ökonomin Riches-Flores im Hamburger Abendblatt. "Kapitalgesellschaften besitzen Grund und Boden, Anlagen und Maschinen und können auf steigende Kosten mit Preiserhöhungen reagieren. Erst wenn sich die Geldentwertung immer mehr beschleunigt und die Wirtschaft zu zerrütten droht - wie 1980 in Amerika oder noch extremer 1923 in Deutschland -, stürzen die Kurse ab." Am meisten profitieren die Titel dividendenstarker Konzerne mit grundsoliden Bilanzen.
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Ich wünsche Ihnen ein erholsames Wochenende.
Ihre
Cindy Bach
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