Was steckt hinter den Kursverlusten?
Klaus Buhl in Nebenwerte Daily zum Thema Nebenwerte
vom 11. Februar 2010, 17:00 Uhr
ENL5462
Wie bereits früher erläutert, bin ich etwas skeptisch, ob wirklich nur" die Schuldenprobleme Griechenlands und Portugals die Märkte weltweit auf Talfahrt schicken konnten.
Vor allem wenn man sich vergegenwärtigt, dass die Amerikaner sich noch nie für europäische Kreditmärkte sonderlich interessierten, und außerdem kaum jemals etwas von Portugal gehört haben. Dazu kommt die Tatsache, dass Länder wie Portugal und Griechenland gemessen an ihrer Wirtschaftskraft keine kritische Größe auf die Waage bringen. Ich glaube vielmehr, dass einige Marktteilnehmer nun den Zeitpunkt näher rücken sehen, an welchem die FED langsam die aktuell extrem laxe Geldpolitik strafft. Wie Sie sich erinnern, versetzte die Finanzkrise die Märkte derart in Panik, dass der Interbankenhandel und der Kreditmarkt quasi komplett versiegten. Daran änderten auch Leitzinssenkungen und Geldspritzen der Notenbanken nichts. Mit der berüchtigten "quantitativen Lockerung" ging die Federal Reserve deswegen dazu über, hypothekenbesicherte Wertpapiere und Anleihen aufzukaufen und Unternehmen direkt mit Liquidität zu versorgen. Der Umweg über die Geschäftsbanken wurde also stark verkürzt. In den vergangenen Wochen war allerdings deutlich zu beobachten, dass trotz einiger guter Nachrichten die Kurse erst seitwärts liefen und dann sogar einbrachen. Dies deutet darauf hin, dass die Konjunkturerholung bereits eingepreist ist und die starken Hände im Markt gedanklich einen Schritt weiter sind. Diese suchen nach Signalen, wann die FED andeutet, die lockere Geldpolitik zu beenden. Denn bekanntlich beruht die große Rallye der Aktien seit dem Frühjahr 2009 vor allem auf immenser Liquidität und billigem Geld und weniger auf fundamental überzeugenden Fakten.
Grammer überrascht positiv
Da wir uns hier eigentlich mit Nebenwerten beschäftigen wollen. lenke ich Ihre Aufmerksamkeit noch rasch auf die im SDAX notierte Grammer AG. Diese ist spezialisiert auf die Entwicklung und Herstellung von Komponenten und Systemen für die Pkw-Innenausstattung sowie von Fahrer- und Passagiersitzen für Offroadfahrzeuge, Lkw, Busse und Bahnen. Grammer liefert in seinem Unternehmensbereich "Automotive" Kopfstützen, Armlehnen und Mittelkonsolen sowie integrierte Kindersitze an Pkw-Hersteller und die Systemlieferanten der Fahrzeugindustrie. Der zweite Unternehmensbereich "Seating Systems" umfasst die Segmente Fahrer- und Passagiersitze. Hier ist Grammer im Bereich Fahrersitze sowohl im Erstausrüster- als auch im Nachrüstgeschäft tätig. Im Segment Passagiersitze bietet Grammer seine Produkte Erstausrüstern und Betreibern von Bahnen und Bussen an.
Am Mittwochabend präsentierte der Autozulieferer Grammer seine Jahreszahlen. Danach litt das SDax-Unternehmen wie erwartet heftig unter der Branchenkrise. Der Umsatz verringerte sich im Jahr 2009 um 28 Prozent auf 725 Millionen Euro. Beim Ergebnis vor Zinsen und Steuern rutschte Grammer sogar mit 24,5 Millionen Euro in die Miesen. Trotzdem gab es aber eine positive Überraschung in Kontrast zu den altbekannten Problemen des Vorjahres. Im vierten Quartal nämlich überzeugte Grammer und schrieb einen operativen Gewinn. Dieser war nicht erwartet, was sich heute an der positiven Kursreaktion zeigt. Gleich zu Beginn zog die Aktie um etwa 6 Prozent an!
Mit herzlichen Grüßen aus dem Rheinland,
Ihr Klaus Buhl
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Willi Pfeifer (11.02. 2010 19:11 Uhr):
Herr Buhl, im ersten Teil ihres Berichts haben Sie die momentane Situation m.E. exakt erkannt und sehr gut beschrieben. Die Musik spielt im USA-Markt, die für uns wirklich ernsten Probleme in einigen "unbedeutenden" EURO-Ländern spielen für die weltweite Börsensituation nur ein untergeordnete Rolle. Ich freue mich immer auf Ihre Kommentare. MfG Willi Pfeifer
Antworten - Kommentar von Adolf Zils (11.02. 2010 20:05 Uhr):
Sehr geehrter Herr Buhl, Ihre Aussage zu Griechenland ist noch milde ausgedrückt. Was diese verlogene, korrupte Regierung uns an der Nase mit falschen Zahlen herumgeführt hat, ist eine Schweinerei. Es war höchste Zeit, dass Brüssel aufgewacht ist und mit der Faust mal auf den Tisch haut und tacheles redet. Wo kommen wir denn hin, wenn jeder macht was er will. Ist denn die ganze Welt korrupt? Warum zahlen wir (ich als Rentner) noch hohe Steuern. Bleiben Sie am Ball. Mit freundlichen Grüßen Adolf Zils
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