Was soll man kaufen, wenn alles fällt?
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 12. Mai 2004 18:00 Uhr
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Wenn wir vom Investor's Daily eine Tugend haben, dann ist es unsere Bescheidenheit. Und selbst die ist unehrlich.
Denn ich gebe zu, dass meine Ignoranz grenzenlos ist. Und dennoch kann ich nicht widerstehen, meine Einschätzungen zu diversen Dingen abzugeben ...
Meine Einschätzung ist, dass die Aktien- und Anleihenmärkte beginnen, einzubrechen. Und auch die amerikanischen Konsumausgaben sind dabei, zurückzugehen ... und die amerikanischen Immobilienpreise folgen.
Ich dachte, dass der Wertverlust bei diesen Vermögenswerten zu einem riesigen Kollateralschaden bei den Billionen Dollar schweren Konsumenten- und Finanzschulden führen würde. Die Leute würden gezwungen sein, zu verkaufen; dann würde der Wert von fast allem fallen. So meine Überlegung.
Aber was soll man kaufen, wenn alles fällt?
Ich stellte diese Frage vor einer Gruppe von Londoner Fondsmanagern, Volkswirten, Strategen und sonstigen Investment-Profits. Und zwar letzten Montag, während der monatlichen Diskussionsrunde der Money Week.
Die Antworten: Das Billige. Das Solvente. Das Produktive. Die Peripherie.
Und überhaupt nichts!
"Wir könnten dem Ende des globalen Wirtschaftsbooms näher kommen ... auch wenn das ein merkwürdiger Boom war", begann Pelham Smithers. "Der von einem riesigen Schuldenberg begleitet wurde. Fast alle europäischen Regierungen haben Haushaltsdefizite, die die laut dem Maastricht-Vertrag erlaubten Grenzen überschreiten. Und in den USA haben wir noch nie so viele Schulden gesehen."
Und jetzt steigen die Zinsen.
Ich weiß, wann diese globale Wachstumsphase enden wird: Wenn steigende Zinssätze die Schuldenlast nicht mehr tragbar machen. Oder wenn die Vermögenswerte, die die Schulden noch haltbar machen – private Immobilien, Aktien, Anleihen – ihren Wert verlieren.
In Großbritannien ist es zum Volkssport geworden, sich mit dem Immobilienmarkt zu beschäftigen – nur eine Minderheit wohnt zur Miete, da direkt gekauft wird. Das hat dazu geführt, dass der britische Immobilienmarkt heiß gelaufen ist. Wann wird dort der Immobilienboom enden? Ist es bereits zu spät, um zu kaufen?
Die Bank of England hat vor ein paar Wochen die Leitzinsen um einen Viertel Prozentpunkt erhöht, auf 4,25 %. Die Bruttorendite, die man mit britischen Immobilien erzielen kann, ist ungefähr genauso hoch.
"Bereinigt um die notwendigen Ausgaben verliert der durchschnittliche Immobilienbesitzer wahrscheinlich schon Geld", so James Ferguson. "Er hat es nur noch nicht realisiert."
Britische Immobilienmakler sagen, dass sie nicht genügend Häuser finden, die sie verkaufen können. Aber Hausbesitzer sagen, dass sie keine Käufer finden können.
"Der Crash könnte schon begonnen haben", so Ferguson weiter, "und wir haben es schon seit Monaten nicht bemerkt."
Bei Aktien, Anleihen, Gold und Währungen merkt man das früher.
Nicht nur die Aktien sind zuletzt deutlicher zurückgekommen (der Dow Jones fiel vorgestern unter die Marke von 10.000 Punkten), auch der Goldpreis fiel. Auf unter 380 Dollar. Das ist deutlich unter dem Wert, den ich als Boden gesehen hatte.
Also, was sollen Sie kaufen?
"Es hat noch nie jemand mit Aktien oder Anleihen wirklich Geld verdient, wenn die Zinsen steigen", so Ferguson.
Was bleibt da noch übrig?
Öl!
Der Welt gehen nicht die Aktien aus, oder die Anleihen, oder Schulden, oder Einschätzungen darüber, was an den Märkten passieren wird. Aber Öl ist knapp. Experten glauben, dass die weltweite Erdölproduktion ihren Zenit überschritten hat – und genau jetzt beginnen die Asiaten, einen Geschmack für Öl zu entwickeln.
"Wenn wir einen langen, heißen Sommer haben werden", beobachtete Pelham, "dann werden die Erdölaktien fast sicher fallen ... aber die Erdölpreise werden steigen."
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