Was Sie über das Traden mit Zertifikaten wissen sollten
Michael Vaupel in Traders Daily zum Thema Derivate & Hebelprodukte
vom 22. April 2008 12:00 Uhr
ENL5454
So, Hefte raus, mitschreiben: Heute geht es mit „Trading Know How“ weiter. Wenn Sie schon länger zur Trader´s Daily-Gemeinde gehören (was meiner Ansicht nach ein durchaus erstrebenswertes und Sinn gebendes Lebensziel ist), dann kennen Sie diese Informationen vielleicht schon. In diesem Fall können Sie den Raum verlassen und haben eine Freistunde.
Für alle anderen gilt: Aufmerksamkeit gewünscht, in Ihrem eigenen Interesse.
Los geht es: Immer wieder erhalte ich Emails von Lesern, in denen diese schreiben, dass Sie ja gerne genau wie ich lieber "Märkte statt Einzeltitel" kaufen würden, mittels Zertifikaten. Sie würden aber dadurch abgehalten, dass die Umsätze bei den beobachteten Zertifikaten oft sehr gering seien, da sei doch ein jederzeitiger Verkauf mindestens schwierig, weshalb sie die Finger davon lassen würden.
Diese Bedenken sind unbegründet.
Denn zumindest bei den von mir empfohlenen Optionsscheinen und Zertifikaten sind Sie nicht von tatsächlichen Umsätzen abhängig, denn der Emittent (="Herausgeber") dieser Scheine übernimmt die Funktion eines sogenannten "Market Makers". Das bedeutet, dass er an Handelstagen fortlaufend verbindliche An- und Verkaufskurse stellt. Diese werden laufend aktualisiert, manchmal alle paar Sekunden. Das bedeutet: Wenn Sie einen Kaufauftrag für ein bestimmtes Zertifikat in den Markt (meine Empfehlung nach wie vor: Börse Stuttgart) legen und gerade kein anderer Investor diesen Schein verkaufen möchte, dann springt sofort der Emittent ein und verkauft Ihnen die gewünschten Stücke.
Das ist eine Frage von Sekunden, maximal Minuten.
Genauso verhält es sich bei Verkäufen: Wenn Sie eine Verkaufsorder für ein bestimmtes Zertifikat in den Markt legen und kein anderer Investor kaufen möchte, dann springt der Emittent ein und kauft alle Ihre Stücke zum gerade aktuellen Ankaufskurs auf.
Sie erkennen die gewaltigen Vorteile gegenüber dem Handel mit Aktien
Das gilt besonders für Nebenwerte: Es kommt beim Zertifikate-Handel mit dem Emittenten zu KEINEN TEILAUSFÜHRUNGEN, bei Stoppkursen wird in der Regel auch tatsächlich zur Höhe des Stoppkurses oder nur unwesentlich davon entfernt verkauft (na, leider ist das nicht bei allen Emittenten so lehrbuchmäßig) und Sie sind eben nicht davon abhängig, dass es zu tatsächlichen Umsätzen an der Börse gekommen ist.
Um es nochmal klar zu sagen: Auch, wenn ein Schein wochenlang keine Umsätze generiert hat, können Sie problemlos kaufen und verkaufen, da der Emittent jederzeit einspringt!
Doch bis zu welcher Höhe springt der Emittent ein?
Diese Höhe können Sie sehr leicht feststellen: Gehen Sie einfach auf die Homepage der Börse Stuttgart, also der Euwax: www.euwax.de
- Geben Sie dort die ISIN oder WKN des entsprechenden Scheins ein.
- Sie erhalten die Daten zu dem Schein, darunter die Angabe "Geld" (das ist der Kurs, zu dem der Emittent von Ihnen Stücke kauft") und die Angabe "Brief" (das ist der Kurs, zu dem der Emittent Ihnen Stücke verkauft). Hinter dem Geld- und dem Briefkurs steht jeweils eine Zahl, die angibt, für wie viele Stücke diese Kursstellung maximal gilt.
- Da haben wir`s
Mal konkret an einem Beispiel: Für ein Silber Long-Zertifikat (WKN: CM8213) stellt der Emittent einen Geldkurs, der 5 Cent unter dem Briefkurs liegt. Die Höchstgrenze gilt auf der Briefseite (d.h., wenn Sie verkaufen möchten) für 20.000 Stück.
Wenn Sie mehr Stück kaufen oder mehr Stück verkaufen möchten, dann wird der Emittent sehr wahrscheinlich einen ungünstigeren Kurs stellen.
Das hängt damit zusammen, dass er sich absichern muss, z.B. durch Eingehen einer Gegenposition. Das ist bei liquiden Märkten (z.B. DAX, Bundfuture, Euro) kein Problem – bei Einzeltiteln (z.B. CropEnergies, Depfa, Kakao) schon eher.
Hier haben wir also den seltenen Fall, dass man mit höheren Summen eher benachteiligt wird als mit niedrigeren (während es ja sonst im Leben überall umgekehrt ist – jedenfalls fällt mir gerade kein Gegenbeispiel ein).
Übrigens: Natürlich könnten Sie Ihre Order splitten, um unter dieser Grenze zu bleiben. Wenn Sie z.B. 40.000 Stück des genannten Scheins verkaufen möchten, dann könnten Sie zwei Aufträge zu je 20.000 Stück aufgeben und hoffen, dass das durchgeht. Das kann natürlich der Fall sein, aber wenn der Emittent sieht, dass mehrere solche Aufträge reinkommen, dann kann er durchaus die Obergrenze einfach runtersetzen, um dem vorzubeugen. Und das tun die Emittenten auch, wie ich an der Euwax erleben konnte.
Aber den Emittenten sind da auch Grenzen gesetzt:
Es gibt ein minimales Quotierungsvolumen (in Euro und in Stück), das nicht unterschritten werden darf. Das liegt in diesem Fall (für den Schein mit der WKN CM8213) bei 10.000 Stück oder 3.000 Euro. Auch diese Angabe finden Sie zusammen mit der Angabe des Geld- und Briefkurses.
Beste Grüße,
Ihr
Michael Vaupel
ähnliche Beiträge:
- Stichtag 14. März: Das sollten Zertifikate-Trader wissen!
- Stichtag 14. März: Das sollten Zertifikate-Trader wissen!
- Turbos: Das sollten Sie bei Währungs-Scheinen beachten!
- Tipp zum Traden mit Zertifikaten!
- Warum es bei Zertifikaten keine Teilausführungen gibt
- Mit Faktor-Zertifikaten outperformen Sie Trendmärkte
- Zertifikate-Handel: Die Fakten, die Sie wissen sollten!
- Zur Risikoklasse von Zertifikaten