Was Sie gegen die hohen Energiepreise machen können
Von Georg Pröbstl in Investoren Wissen
vom 18. Juli 2006 16:00 Uhr
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Autofahren wird langsam zum Luxus. Der Liter Diesel kostet an der Tankstelle inzwischen schon fast 1,20 Euro. Benzin ist sogar noch 20 Cent teurer. Deswegen fahren auch immer weniger Deutsche mit dem Auto. Seit 1999 ging nämlich die durchschnittliche jährliche Fahrleistung je Pkw um sechs Prozent auf 11.340 Kilometer zurück. Oder Heizung. Meine Nebenkostenabrechnung für 2005 war alles andere als lustig.
Die Industrie muss 50 Prozent mehr für Strom bezahlen
Die hohen Energiepreise sind leicht erklärt: Aktuelle treiben der Konflikt im Nahen Osten und der Atomstreit mit Iran den Ölpreis. Der kletterte gestern auf einen neuen Höchststand. Ein Barrel der Sorte Brent kostete zwischenzeitlich über 78 US-$. Oder nehmen Sie die Gaspreise. Die Versorger in Deutschland drehen ständig an der Preisschraube. In vielen Regionen gab es in diesem Jahr schon einen Anstieg von fünf Prozent oder mehr. Vom Strom will ich gar nicht reden. Anstatt dass wir uns über fallende Preise als Folge der Liberalisierung am europäischen Strommarkt freuen können, müssen wir für die Kilowattstunde immer mehr hinlegen. Auch die Industrie muss blechen. Nach Angaben des Verband der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft VIK stieg der Strompreis für die Industrie zwischen 2002 und 2005 um rund 50 Prozent.
Ich befürchte, wenn das so weiter geht, werden viele Menschen hier im Land in einigen Jahren im Winter eng zusammenrücken müssen. Der frühere Arbeits- und Sozialminister Norbert Blüm hat es vor Jahren schon richtig plastisch formuliert: „Die Leute sollen sich wärmer anziehen!“
Was können wir tun? Den Gas-, Strom- und Ölpreis können Sie und ich als Verbraucher natürlich nicht beeinflussen. Wir können aber trotzdem an der neuen Versorgungsangst verdienen.
Sehen Sie sich die Aktien von Energiekonzernen an!
Der Versorger E.ON beispielsweise konnte im vergangenen Jahr seinen Umsatz vor allem wegen der höheren Strom- und Gaspreise um rund 21 Prozent auf 56,4 Milliarden Euro steigern. Der Absatz selbst kletterte nämlich bei Strom nur um drei bzw. sechs Prozent bei Gas. Für die guten Geschäfte bekamen die Aktionäre eine schöne Dividende mit einer Rendite von über sieben Prozent. Kein Wunder, dass die E.ON-Aktie trotz der allgemeinen Börsenschwäche vergleichsweise stabil war und in den letzten zwei Monaten rund vier Prozent besser abschnitt, als der DAX. 2005 legte die Aktie insgesamt 30 Prozent zu.
Spannend ist auch der britische Ölkonzern BP. Der Ölmulti konnte wegen der hohen Ölpreise seinen Umsatz im vergangenen Jahr um 47 Prozent auf 196,5 Milliarden Euro steigern. Der Gewinn kletterte dabei um knapp 80 Prozent auf rund 18 Milliarden Euro. Die Anleger werden über fette Dividenden und über ein phantastisches Aktienrückkaufprogramm am Erfolg beteiligt. Der Firmenchef von BP, Lord John Browne, will nämlich seine Aktionäre in den nächsten zwei Jahren mit über 40 Milliarden Euro am Gewinn des Konzerns beteiligen.
Vielleicht fragen Sie sich: was ist mit Gold? Das Edelmetall hat sich als Krisenwährung doch in der Vergangenheit oft bewährt! Stimmt! Viele Investoren halten Gold jetzt tatsächlich wieder für die richtige Anlageentscheidung. Sehen Sie sich die Preisentwicklung an: das gelbe Metall kletterte alleine in den letzten vier Wochen um rund 20 Prozent auf 650 US-$ je Unze. Wenn Sie einsteigen wollen, sollten Sie aber immer daran denken: Gold bringt keinen Ertrag –weder Zins noch Dividende. Und glätten sich die Wogen im Nahen Osten und Iran, dann fällt der Kurs ziemlich sicher nach unten.
Mit E.ON und BP können Sie dagegen alleine über die Ausschüttung in Form von Dividende und Aktienrückkauf einen Teil Ihrer steigenden Energierechnung begleichen. Und das auch ohne steigende Kurse.
Tipp:
1) Wenn Sie auf Gold setzen wollen, sollten Sie das mit währungsgesicherten Zertifikaten machen. Zum Beispiel ISIN DE000A0AB842.
2) Neben E.ON (ISIN DE0007614406) und BP (ISIN GB0007980591) sind auch noch die Aktien des französischen Ölkonzerns Total (ISIN FR0000120271) oder des Gasversorgers Gaz de France (ISIN FR0010208488) vielversprechend.