Was Sie besser nicht kaufen sollten ...
Michael Vaupel in Traders Daily
vom 27. Juli 2004 12:00 Uhr
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Vielleicht hat der eine oder die andere von Ihnen es gesehen: Bei NTV läuft derzeit Werbung für 7 %-Anleihen der Firma PCC. Trader's Daily-Leser Kurt E. aus der Schweiz hat mich per Email gefragt: "Ist das aus Ihrer Sicht ein lukratives, ich würde sagen fast eine risikolose Anlage?"
Ich habe mir die Sache daraufhin einmal etwas näher angesehen. Soviel vorab: Eine "risikolose Anlage" ist das sicherlich nicht!
Es handelt sich hier um eine nicht gesicherte Inhaber-Teilschuldverschreibung eines Unternehmens. Von "risikolos" kann man da schon einmal nicht sprechen. Denn wenn dieses Unternehmen Konkurs geht, dann ist auch Ihr Einsatz futsch (bzw. Sie erhalten nur einen Bruchteil Ihres Einsatzes zurück – diese Inhaber-Teilschuldverschreibungen sind "gleichrangig" mit den anderen Anleihen dieses Unternehmens).
Aus diesem Grund würde ich übrigens niemals Unternehmensanleihen kaufen. Anders sieht es bei von Banken ausgegebenen Papieren aus: Denn die Banken sind meist Mitglied im sogenannten "Feuerwehrfonds" der Banken. Das ist ein Einlagensicherungsfonds, der greift, falls eine Bank zahlungsunfähig werden sollte. So ist sichergestellt, dass die Einlagen der Kunden wirklich sicher sind, und dass die Geldgeber ihr Geld zurückerhalten.
Wie gesagt, das gilt für die BANKEN, die diesem Fonds angehören. Bei Unternehmen gibt es so etwas nicht. Und Unternehmen können Pleite gehen – selbst große Unternehmen, die scheinbar gut da stehen. Ich erinnere nur an Fälle wie Worldcom oder Enron! Diejenigen, die vermeintlich "sichere" Enron-Anleihen gekauft hatten, hatten auf einmal riesige Verluste bzw. verloren ihren gesamten Einsatz.
Doch konkret zum Emittenten der 7 %-Anleihen: Eine gewisse Gesellschaft mit Namen "PCC", was für "Petro Carbo Chem" steht. Keine kleine Klitsche, denn immerhin erzielte die PCC im letzten Jahr Umsätze von 468,45 Millionen Euro.
Doch halt, diese Umsätze erzielte die "PCC AG" – und die ist nicht der Emittent dieser Anleihe, sondern das ist die verbundene "PCC GmbH". Jetzt hätte ich doch fast dieses kleine, aber nicht unwichtige Detail übersehen.
Nicht unwichtig deshalb, weil die "PCC GmbH" nun einmal eine GmbH, also eine "Gesellschaft mit beschränkter Haftung" ist. Das ist schon mal eine Rechtsform, die Gläubigern normalerweise nicht so gut gefällt wie z.B. ein Einzelunternehmen, da bei einer GmbH im Konkursfall nicht auf die Kapitalgeber zurückgegriffen werden kann. Außerdem ist die "PCC GmbH" mit Umsätzen von 228,88 Millionen Euro (im letzten Jahr) kleiner als die "PCC AG". Und – jetzt kommt es – im Jahr 2002 musste die "PCC GmbH" einen Jahresfehlbetrag von 9,3 Millionen Euro hinnehmen. Im letzten Jahr wurde daraus ein Jahresüberschuss von 6,05 Millionen Euro. Von einer stetigen Gewinnentwicklung kann man also nicht sprechen.
Wofür braucht die PCC GmbH überhaupt das frische Geld aus den Anleihen? Hier hätte ich gerne eine konkrete Angabe gehabt, und nicht das schwammige "zur Stärkung ihrer Aktivitäten" (siehe www.pccag.de).
Und dann habe ich im Verkaufsprospekt ganz unten, als letzten Satz, diese Formulierung entdeckt: "Insgesamt erwartet die Petro Carbo Chem GmbH für das Jahr 2004 steigende Absatz- bzw. Umsatzzahlen bei allerdings aufgrund stark steigender Einstandskosten rückläufigen Margen. Die PCC GmbH rechnet daher für 2004 mit einem geringeren, aber immer noch deutlich positiven Ergebnis."
Im Klartext: Im laufenden Geschäftsjahr werden die Gewinne deutlich fallen! Zwar rechnet der Vorstand nicht damit, dass – wie im Jahr 2002 – wieder Verluste geschrieben werden. Aber wer garantiert Ihnen das?
Mein Fazit ist klar: Diese Anleihen würde ich nicht kaufen! Damit will ich nicht sagen, dass das emittierende Unternehmen schlecht ist. Aber die Risiken sind mir einfach zu groß. Oder, andersherum: Die Rendite, die man für das Eingehen dieses Risikos erhält, ist zu niedrig.
Letztlich geht es immer darum, eine für das Risiko mindestens angemessene Rendite zu erhalten. Und 7 % pro Jahr sind dafür einfach zu wenig.
Wenn Sie auf der Suche nach einer "sicheren Anlage" bei gleichzeitig sehr ordentlicher Renditeaussicht sind, dann kann ich Ihnen etwas Besseres empfehlen. Nämlich ...
Nein, stopp. Es bleibt mir kaum noch Platz, um dieses Zertifikat ausreichend zu beschreiben. Das verschiebe ich deshalb lieber auf Morgen. Morgen nenne ich Ihnen dann auch ganz konkret die ISIN und die WKN dieses Zertifikats. Versprochen!
Beste Grüße,
Michael Vaupel