Was sagen die Stimmungsindikatoren?
Andreas Wolf in DAX Daily
vom 5. Februar 2009, 08:00 Uhr
ENL5462
Liebe DaxDaily Leser,
zunächst entschuldigen Sie bitte den gestrigen Ausfall des DaxDaily, aber kleine technische Probleme haben eine rechtzeitige Versendung leider verhindert.
nachdem der Start in das Jahr 2009 fast so dramatisch schlecht zu verlaufen drohte wie vor einem Jahr, hat die Zahl der Prognosen, die einen weiteren, raschen Verfall der Aktienindizes erwartet, deutlich zugenommen. In den letzten Tagen konnte man den Eindruck gewinnen, es entwickelte sich geradezu ein Wettlauf um die punkgenaue, nächste Crash-Vorhersage. Fraglich war nur noch, mit welchem Ausmaß an Kursrückgängen nach der Unterschreitung der 4.000er Marke zu rechnen sei. Gleiches galt für den Dow Jones bei Unterschreiten der Schlüsselmarke von 7.500 Punkten. Selten halten sich die Märkte aber an eine vom Konsens der Mehrheit getragenen Meinung, schon gar nicht, wenn es sich um die Analysen der Experten handelt. Auch wenn die Reaktion der Aktienindizes auf schlechte Nachrichten aus dem Konjunktur- und Unternehmensbereich in jüngster Vergangenheit wieder zunehmende Sensibilität annehmen ließ, so war doch bereits eine Abnahme der Schwankungsintensität (Volatilität) zu verzeichnen. Erste Gegenreaktionen bei einigen tief gefallenen Konjunkturindikatoren fanden aufgrund der temperamentvoll geführten Debatte um die „Bad Banks"
noch keinen sehr fruchtbaren Boden.
So verzeichneten sowohl der deutsche ifo-Geschäftsklimaindex als auch der ISM-Index in den USA kleinere Aufhellungen. Das dies noch nicht für eine Trendwende an den Börsen reichen würde, stand außer Zweifel. Die nächsten Daten werden allerdings schon mit wesentlich größerer Aufmerksamkeit registriert werden. Zeichnet sich nämlich eine weitere Verbesserung ab, dürfte das den Indizes in jedem Fall einen Schub verleihen. Wenig Beachtung findet bei den Profis zudem, dass die geballte Wirkung der geschnürten Konjunkturpakete, vor allem in den USA und China, inklusive der deutlich gesunkenen Zinsen sich in den nächsten Monaten voll entfalten wird. Noch nie in der globalen Wirtschaftsgeschichte gab es einen so intensiven Vitaminstoß für die Weltwirtschaft seitens der nationalen Regierungen und Notenbanken. Auch wenn damit die durch die Krise entstandenen Probleme keinesfalls gelöst sind, werden die Maßnahmen mindestens für eine vorübergehende Entspannung in den Stimmungsindikatoren sorgen. Die Aktienmärkte werden ihren Part dazu beitragen.
Die technischen Indikatoren bei den großen Indizes selbst weisen zudem daraufhin, dass die Macht der Verkäufer zunächst einmal ihr Limit erreicht hat. Aufkommende Verkaufsdruck wird kaum noch von tatsächlichen Umsätzen getragen, sondern künstlich über den Terminmarkt gesteuert. Fährt sich diese Methodik irgendwann fest, ist die Wende nicht mehr weit. In diesem Zusammenhang muss natürlich erwähnt werden, dass es sich nicht um eine fundamentale Wende des anderthalbjährigen Abwärtstrends handelt, sondern lediglich um eine längere Phase moderat steigender Kurse. Vor allem die in Staatsanleihen übermäßig investierte Liquidität, die dort kaum noch auskömmliche Renditen erwirtschaftet, wird zur Renditeoptimierung vorübergehend zurück in den Aktienmarkt gelenkt werden. Erst wenn der Glaube an ein Überwinden der Krise am größten ist und kaum noch jemand mit einem deutlichen Rückschlag rechnet, werden die Bären zu ihrem nächsten Schlag ausholen. Davon sind wir in diesem Jahr aber noch ein gutes Stück entfernt. Es bleibt dabei: Eine Crash lässt sich selten punktgenau vorhersagen, es gibt höchstens Seismographen, die sein Näherrücken ankündigen.

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