Was passiert in der Welt des Geldes?
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 22. September 2004 18:00 Uhr
ENL5454
Was passiert in der Welt des Geldes?
Mal sehen ... der Goldpreis ist immer noch da, wo er das letzte Mal war, ein bisschen über 400 Dollar. Auch die Aktienkurse stehen da, wo sie seit längerem stehen. Und der Dollar? Groß verändert hat der sich auch nicht.
Nur die Kurse der US-Staatsanleihen haben sich bewegt – und zwar entgegen der allgemeinen Erwartung. Denn die herrschende Meinung ging davon aus, dass die Kurse der US-Staatsanleihen fallen würden, wenn Alan Greenspan seine Zinserhöhungen beginnen würde. So schrieb "Grant's Interest Rate Observer" – eine Publikation, die den Anleihenmarkt seit über 10 Jahren beobachtet –, dass letzten Juni ein größeres Topp bei den Anleihenkursen erreicht sei. Die Zinsen sind in den letzten zwei Jahrzehnten in den USA gefallen, und die Anleihenkurse entsprechend gestiegen. Wenn ich mich richtig erinnere, dann verkündete "Grant's Interest Rate Observer" am 9. Juni das Ende dieses Trends. Von da an sollten die Anleihenkurse fallen und die Zinsen steigen.
Vielleicht.
Aber es sieht so aus, als ob der alte Trend hin zu fallenden Zinsen und höheren Anleihenkursen immer noch weiter läuft. Warum? Die Preise bei Wal-Mart sinken jeden Tag weiter. Und jetzt wird vermeldet, dass dem US-Konsumenten langsam die Luft ausgeht. Niedrigere Nachfrage bedeutet noch niedrigere Preise ... und weniger Jobs ... ein Platzen der Spekulationsblase am Immobilienmarkt ... und niedrigere Zinsen. Das bedeutet einen langen, soften, langsamen Abschwung.
Japan hat vor kurzem einen wichtigen Meilenstein erreicht; die Zahl der Japaner über 65 stieg auf über 25 Millionen. In der gesamten entwickelten Welt zeigt sich derselbe Trend ... und auch in China. Ältere Leute geben nicht mehr so viel Geld aus. Sie wollen keine Innovationen. Sie verschulden sich nicht. Wenn die Leute älter und langsamer werden, dann gilt das auch für die Volkswirtschaft, in der sie leben.
Natürlich könnte ich mit dieser Einschätzung falsch liegen, wie ich ja bei so vielen anderen Dingen falsch liege. Aber das ist seit 4 Jahren meine Einschätzung; ich werde daran festhalten, zumindest so lange, bis die Leute beginnen, mich auszulachen.
Wenn ich Recht habe – was wird das für die Aktienkurse, das Gold und den Dollar bedeuten?
Die Aktienkurse werden fallen, wie damals in Japan. Der Bärenmarkt bei den Aktien begann Anfang 2000. Am wahrscheinlichsten ist es, dass die Aktien so lange fallen werden, bis sie wieder mit einem einstelligen KGV bewertet sind. Dann müsste der Dow Jones unter 5.000 Punkte fallen.
Es ist schwerer zu sagen, was mit Gold und Dollar passieren wird. Ich kaufe Gold als eine Versicherung. In einem starken Abschwung werden die Leute Sicherheit suchen und Gold kaufen, und dann wird der Goldpreis steigen. Aber in dem langen, soften, langsamen Abschwung, den ich für wahrscheinlich halte, könnte sich der Goldpreis jahrelang kaum bewegen. Dasselbe gilt auch für den Dollar. Der könnte sogar steigen. Die USA haben Schulden in Billionenhöhe; die Leute werden Dollar brauchen, um diese Schulden zu bezahlen.
Mehr News von Eric Fry: