Was passiert bei Kapitalerhöhungen mit den Bonus-Zertifikaten?
Michael Vaupel in Traders Daily zum Thema Derivate & Hebelprodukte
vom 21. September 2011, 12:00 Uhr
ENL5454
Trader´s Daily-Leser Diego M. schrieb mir:
"Ich hätte eine Frage zu Bonuszertifikaten und deren Anpassung im Falle von Kapitalerhöhungen bzw. Splits der zugrunde liegenden Aktie: Konkret, das Bonuszertifikat auf Unicredit CK1U36 hat eine Schwelle von 0,60 EUR. Mir ist bekannt, dass im Falle eines Aktiensplits z.B. 1:2 die Schwelle angepasst werden würde (also auf 0,30 gesenkt), um den neuen Verhältnissen Rechnung zu tragen. Wie verhält es sich bei einer -von der Unicredit in Betrach gezogenen- Kapitalerhöhung? Diese würde ja die Aktien verwässern (wenn unter Wert ausgegeben) - Kapitalerhöhungen gehen oft mit Kursrückgängen einher. Gibt es da eine Schwellenanpassung?"
Meine Antwort:
Kapitalmaßnahmen sollten keinen Einfluss auf den Kurs des Bonus-Zertifikats haben.
Das gilt zumindest bei allen guten Emittenten. Da werden Kapitalmaßnahmen entsprechend "rausgerechnet". Im Fall eines Aktien-Splitts ist das relativ einfach, bei einem Splitt 1:2 werden z.B. alle Angaben halbiert (Bonusniveau, Sicherheitslevel...).
Bei der Kapitalerhöhung gegen Einzahlung ist das nicht so einfach. Das Ziel eines guten Emittenten ist die "Neutralität der Kapitalerhöhung" in Bezug auf das Bonus-Zertifikat. Dazu kann er an diesen Stellschrauben drehen:
1. Bezugsmenge kann angepasst werden (ein Bonus-Zertifikat kann sich nach der Anpassung nicht mehr auf 1,0 Aktien beziehen, sondern z.B. auf 1,1 Aktien).
2. Der Schwellenkurs kann angepasst werden. Schwellenkurs, das bedeutet: Solange der Aktienkurs über dieser Marke bleibt, erhält der Besitzer des Bonus-Zertifikats am Ende die Bonuszahlung (solange der Emittent nicht Pleite gegangen ist). Im Fall einer Kapitalerhöhung kann es hier zu einer Anpassung nach unten kommen.
3. Und der Bonus-Betrag kann angepasst werden (bei einer Kapitalerhöhung geht es tendenziell nach unten).
Es gibt da kein Patentrezept, sondern der Emittent kann an allen Stellschrauben so drehen, dass seiner Ansicht nach die "Neutralität" der Kapitalerhöhung gewährleistet ist. Es soll zu keiner Verwässerung für die Besitzer der Bonus-Zertifikate auf die entsprechende Aktie kommen.
Ich kann hier also kein Patent-Rezept geben, was bei einer Kapitalerhöhung mit den zugehörigen Bonus-Zertifikaten genau passiert. Es gibt verschiedene Möglichkeiten der Anpassung. Das Ergebnis sollte aber immer dasselbe sein: Neutralität der Kapitalerhöhung, kein Verwässerungs-Effekt für die Besitzer zugehöriger Bonus-Zertifikate.
Mit herzlichem Gruß!
Ihr
Michael Vaupel
Diplom-Volkswirt / M.A.
Chefredakteur Trader´s Daily
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Folker W (21.09. 2011 13:31 Uhr):
Sehr geehrter Herr Vaupel, auf dem Zertifikate-Markt gibt es eine neue "Erscheinung": Faktor-Zertifikate (z.B. von der Coba), bei denen der Hebel (Faktor) über die endlose Laufzeit konstant gehalten wird. Haben Sie sich schon mit diesem Konstrukt auseinandergesetzt bzw. eine Meinung darüber gebildet? Freundiche Grüße,
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