Was mit Optionen möglich ist: Eine kleine Geschichte
Alexander Hahn in Investoren Wissen zum Thema Derivate & Hebelprodukte
vom 16. Dezember 2009, 16:00 Uhr
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im folgenden Beitrag werde ich Ihnen eine kleine Geschichte über den (fiktiven) jungen Hobby-Trader Jonas erzählen. Diese soll noch einmal veranschaulichen, wie ein ganz gewöhnlicher Optionstrade im Alltag z.B. aussehen kann. Es geht natürlich noch viel komplexer, aber wenn Sie einmal alle "Optimierungspotentiale" bei solch einer Vorgehensweise berücksichtigen und gegenüber einem normalen Long-Trade betrachten, wird denke ich schnell klar, warum mir die Variante mit den Optionen stets deutlich lieber ist!
Beginnen wir also...
Jonas Faible für Optionen
Jonas ist 23 Jahre alt, Student, und verfolgt in seiner Freizeit die Finanzmärkte und speziell die US-Börsen recht intensiv.
Da er sich vor allem auf amerikanischen Investmentseiten über den aktuellen Marktverlauf informiert, wird er eines Tages durch eine Suchmaschinen-Werbung auf ein Optionsseminar aufmerksam. Wissbegierig wie Jonas nun einmal ist, nimmt er an dem Seminar teil und ist hellauf begeistert von den vielen strategischen Möglichkeiten, welche Optionen einem Privatanleger bieten.
März 2009 - Verkauf Naked Put
Wir schreiben den 15.03.2009. Vor wenigen Tagen hat laut den Finanzmedien eine ominöse Email des Citigroup CEOs Vikram Pandit die weltweiten Börsen vor einem weiteren Kurssturz bewahrt. Jonas sitzt der Schreck noch in den Knochen. Zahlreiche seiner Aktienpositionen weisen dicke Verluste auf. Zum Glück konnte er mit Hilfe von Put-Optionen sein Depot einigermaßen absichern, so dass er unbeschadet durch das „Katastrophenjahr 2008" kam.
Am 17.03.09 dreht Jonas Hauptindikator, der NYSE Bullish-Percent-Index, in eine X-Spalte. Das bedeutet, dass die Nachfrage nun wieder dominiert und das Marktrisiko gesunken ist. Jonas hat sich während des jüngsten Kursrutsches eine lange Liste mit möglichen Kaufkandidaten erstellt. Er geht einen Wert nach dem anderen durch und landet schließlich bei dem amerikanischen Technologieunternehmen "Newtech" (fiktiver Name und Firma). Die Firma erfüllt sowohl seine fundamentalen als auch seine technischen Kriterien. Jetzt gilt es nur noch, den Wert einzukaufen. Doch Jonas zögert...
Wie die meisten Privatanleger ist er aufgrund der vergangenen Börsenturbulenzen immer noch übervorsichtig. „Kann es nicht sein, dass der NYSE BPI bald wieder dreht?". „Was passiert, wenn es zu einem zweiten Lehman Brothers Vorfall kommt?"
Nach langem Überlegen kommt Jonas zu dem Schluss, dem NYSE BPI „zu vertrauen". Da sich die Volatilität an den Aktienbörsen jedoch noch immer auf extremen Niveaus befindet und somit Optionen aufgrund hoher Optionsprämien überproportional teuer sind, verzichtet Jonas auf den Kauf einer Call-Option als Aktienersatz für Newtech.
Eine bessere Idee...
Ihm kommt einer geniale Idee... Wäre es jetzt nicht an der Zeit, die Naked Put- (Cash-gedeckte-Put)-Strategie anzuwenden?
Gesagt und getan: Jonas verkauft eine Put-Option auf Newtech. Der Basispreis der Option liegt knapp unter dem aktuellen Kurs, die Restlaufzeit beträgt ca. einen Monat. Jonas streicht dafür $200 ein.
April 2009 - Naked Put verfällt, Kauf Call-Option
Bis Mitte April 2009 steigt Newtech leicht an, so dass der Kurs der Aktie am Verfallstag leicht über dem Basispreis der Put-Option liegt. Damit hat Jonas zwar keine Aktien in sein Depot gebucht bekommen, jedoch kann er sich über die $200 „Taschengeld" in Form der Optionsprämie freuen.
Mittlerweile ist auch wieder die Volatilität auf ein erträgliches Maß gesunken, so dass Jonas mit gutem Gewissen eine Newtech Call-Option (Laufzeit bis Oktober 08, Delta von 0,75) einkauft. Gegenüber dem Kauf von 100 Aktien spart er über 70% ein. Außerdem verbilligt sich (durch die eingenommene Optionsprämie in Höhe von $200) auch noch der Einstandskurs der Call-Option.
Juni 2009 - Positionsoptimierung: Diagonales Rollen
Bis Mitte Juni läuft für Jonas alles glatt. Newtech steigt und seine Option gewinnt stark an Wert. Die Marktinterna verheißen jedoch nichts Gutes. Der NYSE BPI dreht im Bereich des 70er Level in eine O-Spalte. Jonas entschließt sich, seine Position den neuen externen Gegebenheiten anzupassen und gleichzeitig die Option hinsichtlich Laufzeit und Delta zu optimieren. Er verkauft seinen Call mit großem Gewinn und kauft stattdessen eine neue Call-Option mit höherem Basispreis (so dass das Delta wieder 0,75 beträgt) und längerer Laufzeit (um den Zeitwertverlust der Option so gering wie möglich zu halten) auf Newtech.
Dank des diagonalen Rollens der Option kann Jones jetzt schon seinen ursprünglich investierten Kaufbetrag für die Call-Option als Gewinn sichern und hat trotzdem noch die Chance, von einem weiteren Kursanstieg der Aktie zu profitieren. Und das zahlt sich sich im Zeitraum von Juli bis November 2009 noch einmal so richtig aus. Newtech steigt zusammen mit dem breiten Markt weiter an und die Call-Option verteuert sich dadurch ebenfalls.
November 2009 - Risiko minimieren: Vertikalspread-Strategie
Da die großen US-Indizes in den Staaten seit ihren Tiefs im März 2009 um über 60% gestiegen sind und die Luft nach oben immer dünner wird, entschließt sich Jonas etwas Risiko aus seiner Call-Option zu nehmen, indem er einen Out-of-the-Money-Call mit der gleichen Laufzeit, aber einem höheren Basispreis als der aktuelle Aktienkurs gegenverkauft. Durch diese Vertikalspread-Strategie ist Jonas Gewinn nun zwar nach oben begrenzt (Differenz zwischen den beiden Basispreisen mal 100 = Gewinn am Laufzeitende der Option), jedoch hat Jonas nun in Form des verkauften Calls ein zusätzliches Sicherheitspolster.
Januar 2010 - Auflösung Spread, Vergünstigung des Einstandskurses
Und dieses benötigt er auch im Zuge einer kräftigen Marktkorrektur im Januar 2010. Newtech fällt stark zurück und Jonas Call-Option verliert fast die Hälfte der aufgestauten Gewinne. Allerdings kann Jonas die verkaufte OTM-Call Option günstiger zurückkaufen, womit sich sein Einstandskurs weiter verbilligt. Im Februar 2010 steigt Jonas nach 11 Monaten mit einem dicken Gewinn aus seiner Newtech-Call-Option aus. Er blickt zurück und bewertet noch einmal sein Vorgehen...
Jonas Vorgehensweise beim Newtech-Trade:
März 2009:
- Verkauf Naked Put auf Newtech da Volatilität sehr hoch (Optionsprämie damit besonders hoch) und Marktumfeld noch unsicher
April 2009:
- Naked Put verfällt wertlos, Erlös des Verkaufs = Gewinn
- Kauf Call-Option (Delta 0,75) als Aktiensubstitut (70% Einsparung gegenüber Aktienkauf)
- Gewinn des Naked Put verbilligt Einstandskurs der Call-Option
Juni 2009:
- diagonales Rollen der Call Option um dem externen Marktgegebenheiten Rechnung zu tragen und um Position zu optimieren.
- längere Restlaufzeit
- erneuter Delta Effekt
- neue Option ist weitaus günstiger als die Alte > weniger „Money at Risk"
November 2009:
- Vertical-Spread-Strategie durch Verkauf eines Out-of-the-Money-Calls mit gleicher Laufzeit aber einem höheren Basispreis als das aktuelle Kurslevel, da „die Luft nach oben" immer dünner wird und eine Korrektur „im Raum schwebt"
Januar 2010:
• Rückkauf des OTM-Calls - Gewinn verbilligt den Einstandskurs der Call-Option
Dies ist, wie gesagt, nur ein kleines und einfacheres Beispiel, wie das Verfolgen eines Aufwärtstrends mit Optionen entsprechend risikogesichert und mit Zusatzrendite durchgeführt werden kann - anstatt einfach nur Aktien zu kaufen.
Weit mehr gibt es in meinem neuen Börsendienst!
Beste Grüße