Michael Vaupel ist einer der führenden Rohstoff- und Derivate-Experten. Bereits während seiner Studienzeit hat er als Finanzjournalist und Analyst gearbeitet.
Michael Vaupel in Traders Daily
vom
Ich hoffe, Sie hatten angenehme Feiertage!
Ich habe mir einen neuen Schreibtisch gekauft, höhenverstellbar, da ich wegen des Rückens ab und zu auch am Stehpult arbeiten möchte. Der neue Schreibtisch (er ist mir willkommen) soll mit dem piezoelektrischem Effekt arbeiten.
Das gefällt Ihrem Autor - und regt ihn dazu an, diesen Beitrag dieser Thematik zu widmen.
Es geht hier um das, was der Angelsachse "Energy Harvesting" nennt.
Was ist das? Dazu ein Auszug aus meinem Metalle-Buch: Als erstes tauchte der Begriff im Jahre 1998 auf. Damals stellte Joe Paradiso - ein Wissenschaftler am Institut für Technologie Massachusetts (MIT) - einen inzwischen legendären Joggingschuh vor. Dieser Schuh erzeugte mit jedem Schritt einen elektrischen Impuls, um damit den kleinen GPS-Navigationssender zu betreiben, der sich in dessen Sohle befand. Zwar wurde der Schuh nie zur Serienreife weiterentwickelt, aber die Idee, die Energie zu nutzen, welche als Nebenprodukt in physikalischen, chemischen oder (wie in diesem Falle) biologischen Prozessen entsteht, lebte weiter.
Zurück zum Schreibtisch. Die Grundidee des "Energy Harvesting" fasziniert mich. Sozusagen nebenbei erzeugte Energie zu nutzen. Solche Nebenprodukte (Abwärme, Vibrationen und Druckschwankungen wie in Paradisos Joggingschuh, Luftströmungen oder elektromagnetische Felder) befinden sich überall. Sie sind kostenlos und klimafreundlich, da sie nicht erst erzeugt werden müssen. Für Forschung und Wirtschaft noch interessanter als die Energieersparnis ist aber die Möglichkeit, kleinere Anwendungen unabhängig von einer externen Stromversorgung zu betreiben. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von autarken Systemen. Welche Möglichkeiten gibt es und wie funktionieren sie?
Das Prinzip ist einfach. In Grunde geht es darum, eine bestimmte Energieform durch einen Umwandler in elektrische Energie zu transformieren. Je nach Energieform unterscheiden sich natürlich auch die Umwandler, darunter der zu Beginn genannte piezoelektrische Effekt.
Dieser sorgt dafür, dass bestimmte nichtleitende Materialien durch Druckeinwirkung polarisiert werden. Durch das Zusammendrücken verschieben sich die Atome so, dass zwei gleichpolige Kristallschichten aneinander liegen. Werden die beiden Pole kurzgeschlossen, entsteht eine elektrische Spannung und es fließt Strom. Bekannt sein dürfte der Effekt vor allem durch seine Anwendung in Lautsprechern, allerdings in umgekehrter Richtung. Doch auch für das Energy-Harvesting eignet er sich hervorragend.
Regen, der auf eine Motorhaube prasselt, Tastendrücke auf eine Computertastatur oder Fernbedienung, ein LKW, der über eine spezielle Laderampe fährt...sie alle erzeugen Druck, der dank eines Piezoelements in elektrische Energie umgewandelt werden könnte. Und nun wohl auch der höhenverstellbare Schreibtisch Ihres Autors.
Ich sehe bei dieser Technologie gewaltiges Potenzial, und entsprechende Chancen bei Unternehmen, welche sich dieses zunutze machen. Steckt noch in den Kinderschuhen, ich versuche im Blick zu behalten, da potenziell sehr interessant!
Mit herzlichem Gruß!
Ihr
Michael Vaupel
Diplom-Volkswirt / M.A.
Chefredakteur Trader´s Daily
- Kommentar von Günter K
Hallo Herr Vaupel, ich lese Ihren Traders Daily seit Jahren sehr gerne. Zum Thema "Energy Harvesting" möchte ich Sie auf die Firma enocean hinweisen. Die Firma ist mit der Entwicklung von Sensoren beschäftigt, die nicht nur Druck, sondern alle möglichen Umwelteinflüsse als Energiequelle für Sensoren verwenden. Leider nicht börsennotiert. Mit freundlichen Grüßen Günter K.
Antworten- Kommentar von Neugebauer
Sehr geehrter Herr Vaupel, es gibt bereits Überlegungen, in stark begangenen Fußgängerzonen einen Boden herzustellen, der das Gehen der Besucher in Strom umwandeln soll. Technisch sicher machbar, aber unrealistisch teuer und vermutlich unrentabel und wartungsintensiv. Während man in Deutschland versucht, auch im kleinsten Bereich noch Energie zu sparen - siehe Glühlampenverbot - sollte man die richtig großen CO2 Verursacher ersetzen, weltweit und ohne Berücksichtigung der nationalen Befindlichkeiten. Aber dazu muß der Druck aus der Klimaveränderung wohl noch viel größer werden. Das Geld also da investieren, wo es den größten Nutzen bringt!! Das verfolgen Sie als Anleger doch auch. Mit freundlichen Grüßen K.N.
Antworten- Kommentar von Andreas
Lieber Herr Vaupel, in diesem Bereich bin ich praktisch Experte. Da Sie auch immer recht aufrichtig und glaubwürdig schreiben, möchte ich auf die Krux bei diesen Sachen hinweise: Es ist die Effizienz, der Wirkungsgrad. Es gibt da weit und breit nichts, dass tatsächlich auch nur wirtschaftlich sein könnte. Die Ideen hören sich gut an, halten einer Prüfung aber nicht stand. Das ist ähnlich wie Solarzellen an den Hauswänden oder -Fenstern. Immer wieder wird da ein riesiges Potential beschworen. Richtig ist, dass dieses Potential ganz nahe an 0 ist.
Antworten- Kommentar von Harald Kotas
Hallo Herr Vaupel! Könnten Sie mir den Schreibtisch bekanntgeben - interessiert mich! Was soll mit der gewonnenen Energie betrieben werden? mfG Harald KOTAS
Antworten- Antwort von Jutta Demel:
Kein Kommentar aber eine Frage:was passiert mit Schulden in einer Inflation?
- Kommentar von Eisner
"Bekannt sein dürfte der Effekt vor allem durch seine Anwendung in Lautsprechern, allerdings in umgekehrter Richtung." Bei Lautsprechern dürfte wohl etwas mehr als piezoelektrischer Effekt allein die akustischen Wellen verusachen. Sonst wüste ich nicht, was in den Lautsprechern permanente Magnete drin machen. Im Gegenteil zu so manchen Finanzinstrument (e.g. interest rates swaps) verändern sie ihre Lage ständig in beide Richtungen. Was mich interessiert ist wie könnten bei derivaten solch astronomische Beträge zusammen kommen wie 350 Tera €, die alleine auf Libor basieren. Bekanntlich ist ein interest rate swap so viel wert, wie die entstehende Differenz, oder doch nicht (bin da doch ein laie)? Doch auch für das Energy-Harvesting eignet er sich hervorragend.
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