Was Mangel an Sex und der US-Immobilienmarkt miteinander zu tun haben
Dr. Marc Faber in Traders Daily
vom 20. Juni 2008, 12:00 Uhr
ENL5454
Feldberg zufolge sollte die Regierung einschreiten, um „zu verhindern, dass Hypotheken mit positivem Eigenkapital und Hypotheken mit negativen Eigenkapital werden". Mit anderen Worten schlägt Feldstein vor, dass die Regierung den Immobilienmarkt stützen sollte, indem sie „Kredite mit geringen Zinssätzen und vollem Regress anbietet, die es den Hausbesitzern erlauben würden, einen nennenswerten Teil ihrer Hypotheken zu bezahlen. Hausbesitzer tauschten damit im Grunde genommen die Möglichkeit bei ihren Hypotheken in Verzug zu geraten gegen geringere Zinskosten."
Es gibt jedoch bei Feldsteins Vorschlag noch einige Probleme. Zum einen ist es wahrscheinlich, dass die Mehrheit der Hausbesitzer, die mit den 8 Millionen negativen Hypotheken belastet sind (ich habe Zahlen gesehen, die nahe legen, dass es davon 15 Millionen noch ausstehende Hypotheken gibt) auch noch ungedeckte Autokredite und hohe Kreditkartenschulden haben - und somit kurz gefasst keinerlei Eigenkapital haben, von dem sie ausgehen könnten.
Also würden Kredite mit „vollem Regress" in diesem Fall ihren Zweck nicht erfüllen und letzten Endes auf eine den Markt verzerrende direkte Subventionierung der leichtsinnigen Kreditnehmer durch die Regierung auf Kosten der Steuerzahler hinauslaufen. Zum anderen Frage ich mich, wie Mr. Feldstein damit den Markt der unverkauften Wohnungen unterstützen will.
In Gebäuden mit fünf bis neun Wohnungen liegt der Anteil der Leerstände auf unerwarteten 15,2%. Das ist ein Anstieg gegenüber den 12,2% im Jahr 2007, und vor 2006 hat der Anteil nie die 10% überschritten. (Für Mietobjekte ist der Anteil sogar noch höher.)
Laut Floyd Norris, Chefkorrespondent bei der New York Times, stehen 25,2% (d.h. eine von vier) der seit 2000 gebauten Wohneinheiten leer.
Zuletzt stehe ich sehr auf Seiten von Mrs. Moneypenny, die, in einer klugen Kolumne der Financial Times vom 3. Mai 2008 schreibt, dass die britische Regierung am Immobilienmarkt nicht einschreiten sollte, weil die fallenden Hauspreise „für einige zwar schmerzhaft sein mögen, jedoch für andere von Nutzen. Krankenschwestern, Lehrer und Erstkäufer brauchen dringend fallende Preise."
Laut Mrs. Monneypenny ist es keine akzeptable Entschuldigung von Seiten der Investoren, dass sie das Kleingedruckte nicht gelesen haben. „Ich gehe davon aus, dass die Kreditnehmer von 110%- Hypotheken in den meisten Fällen jung und naiv sind, und dass sie in ihrem Enthusiasmus, ein Haus zu kaufen, das Kleingedruckte nicht gelesen habe. Auch das ist keine akzeptable Entschuldigung. Ehemänner sollten auch mit dem Kleingedruckten kommen. Ihre Ehe könnte in Gefahr sein, wenn sie darauf bestehen, die Stunden auf dem Golfplatz einzuschränken, oder etwas ähnlich Unverständliches."
Daraufhin erklärt Mrs. Moneypenny, dass eine Freundin von ihr ihren Ehemann verlassen wollte, weil sie es ärgerlich fand, dass er nie Sex mit ihr hatte. Doch „wenn diese Verärgerung und ein Mangel von Sex Grund genug wären, zu gehen, dann würde die Scheidungsrate durch die Decke schießen", schreibt sie. Sie hat ihrer Freundin gesagt, sie solle „dranbleiben", weil sie, wenn sie an den freien Markt zurückkehren würde, und dort einen neuen Mann findet, auch nicht wissen kann, ob er sie weniger verärgert und mehr Sex will. „Ehen werden häufig eingegangen, wenn man jung ist und naiv und die Risiken nicht abschätzt", schreibt sie, „aber es gibt keinen Regulierer und keine Regierung, die einen von dem Leid befreien wird, wenn es schief läuft. Und das sollte es auch nicht geben. Und das Gleiche gilt umso mehr für Leute, die 110%-Hypotheken nehmen."
Das hat sie gut gesagt.
Regierungen und ihre Behörden haben - nicht nur in den Vereinigten Staaten - Blasen bei den Anlagewerten hervorgerufen, indem sie zum einen die Zinssätze künstlich niedrig hielten und zum anderen durch eine nachlässige Aufsicht dazu anregten Anlagewerte mit hoher Fremdverschuldung zu kaufen. Diese Regierungen häufen nun ihre früheren Fehler an, indem sie den Anlagenmarkt mit noch geringeren Zinssätzen und fiskalischen Mitteln unterstützen, um zu verhindern, dass die Marktmechanismen die Sache mit geringeren Preisen klären.
Schließlich wird, wie Mrs. Moneypenny nahe legt, bei diesem Prozess normalerweise wenig oder gar nicht darauf hingewiesen, dass „ein inflationierter Anlagenmarkt" es teuer und schwierig für Erstkäufer macht, einen Anlagewert ohne hohe Fremdverschuldung zu kaufen. Die betreffend würde ich gerne darauf hinweisen, dass in den Siebzigern und Achtzigern weniger als 30 Arbeitsstunden (die Summe der Privateinkünfte eines Arbeiters in der Produktion) notwendig waren, um den S&P500 kaufen zu können. Heute braucht man dazu, trotz des Rückgangs gegenüber dem Gipfel von 2000, 78 Arbeitsstunden. Ich denke, dass der S&P500 im Laufe der Zeit wieder nach unten hin korrigiert werden wird und damit bezahlbarer sein wird, oder dass die Stundenlöhne signifikant steigen werden (Inflation).
Ich würde gerne auch noch feststellen, dass wenn die Regierungen und ihre Behörden weiterhin den Anlagen- und Immobilienmarkt unterstützen, dass sie dann in Zukunft auch die Rohstoffe, die gewerblichen Anlagen, Kunst und Sammelgegenstände unterstützen sollten. Um genau zu sein, bin ich sehr besorgt, dass die Investoren nicht genau genug die Probleme bedacht haben, die entstehen würden, wenn diese Märkte stark fallen.