Was man von Japan lernen kann
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 01. September 2004 18:00 Uhr
ENL5454
Im ersten großen Test für den Massenkapitalismus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg konnten all die Sicherheitsnetze, Steuern, Regulierungen, Interventionen von Zentralbanken, die Fiskalpolitik und die Illusion von Sicherheit den Prozess der "kreativen Zerstörung" (laut Schumpeter) nur verzögern. Die Zerstörung von schlechten Investments, fehlgeleitetem Kapital und überschuldeten Unternehmen und Konsumenten dauerte im 20. Jahrhundert viel länger, als es vorher gedauert hatte – weil so viele machtvolle Organisationen das verhindern wollten. Statt zum Beispiel die japanischen Banken untergehen zu lassen, wurde 1998 ein 514 Milliarden Dollar schwerer Rettungsfonds gegründet, und die Hälfte dieses Betrags war dafür da, dass die Regierung Aktien von in Schwierigkeiten geratenen Banken kaufen konnte. Das bedeutete, dass die schlechtesten Banken teilweise verstaatlicht werden sollten – statt die schlechten Banken Bankrott gehen zu lassen. Die japanische Regierung gründete auch einen Garantiefonds im Volumen von 20 Billionen Yen, der Kredite an Zombie-Gesellschaften (Gesellschaften, die Geld verloren und denen ohne neue Kredite die Pleite drohte) garantieren sollte. Der Economist bemerkte trocken, dass "die Mittel dieses Programms oft an Gesellschaften gingen, die nicht kreditwürdig waren und die ohne diese Mittel bankrott gegangen wären."
Im 3-Jahres-Zeitraum von 1992 bis 1995 brachte die japanische Regierung 6 Ausgabenprogramme im Volumen von 65,5 Billionen Yen auf den Weg. Dann wurden 1994 die Steuern gesenkt. Und 1998 wurden sie nochmal um 2 Billionen Yen gesenkt. Später in diesem Jahr wurde noch ein Ausgabenprogramm angekündigt – dieses Mal eins mit 16,7 Billionen Yen Volumen. Und im November 1998 wurde dieses Programm auf 23,9 Billionen Yen erweitert. Im folgenden Jahr (November 1999) wurde dann schon wieder ein Ausgabenprogramm verabschiedet, von 18 Billionen Yen, zu denen im nächsten Jahr weitere 11 Billionen Yen hinzukamen. Insgesamt gab Japan in 10 verschiedenen Ausgabenprogrammen über 100 Billionen Yen aus.
Und was bekam Japan für all diese Ausgaben?
Das offensichtliche Ergebnis war das höchste Haushaltsdefizit von allen G7-Nationen. Innerhalb von 11 Jahren verwandelte sich der Haushaltsüberschuss von knapp 3 % des BIP (1991) in ein Haushaltsdefizit von fast 10 % des BIP (2002) ... was die gesamten Schulden Japans auf horrende 150 % des BIP brachte. Aber die Japaner konnten es sich zumindest leisten, sich im eigenen Land zu verschulden; die heimischen Ersparnisse in Japan waren riesig.
Japan bekam noch etwas – eine verzögerte Erholung.
Die dominierende Ansicht unter Volkswirten ist, dass zusätzliche Staatsausgaben in einem Abschwung eine gute Sache sind. Also liegt die Beweislast bei mir. Ich werde dieses Thema weiter verfolgen, hier im Investor's Daily!