Was macht eigentlich der Euro?
Alexander Hahn in Investoren Wissen
vom 18. Februar 2010, 16:00 Uhr
ENL5462
wie Sie wissen, halte ich nicht sehr viel von unserer europäischen Gemeinschaftswährung Euro. Auch gehe ich davon aus, dass meine Generation noch die Nachfolgewährung(en?) sehen wird.
Schaut man sich jedoch die Berichterstattung in diversen Medien und dubiosen wirtschaftsapokalyptischen Endzeit-Internetseiten an, so könnte man denken, die letzte Stunde des Euros hätte gerade geschlagen und die Aasgeier kreisen schon wild sabbernd und mit vor Freude gar glasigen Augen über ihrem Festmahl. Man liest von Eurocrash, Abwertung und Ausverkauf...
In der Regel betrachten wir den Euro meist im Währungspaar EUR/USD. Schauen wir uns deshalb heute einmal den Euro gegenüber anderen Währungen (Crossrates) an.
Der unten stehende Performancechart zeigt den japanischen Yen, den Euro, den Schweizer Franken, das britische Pfund sowie den australischen Dollar gegenüber dem Euro. Die Zeitachse geht bis Anfang September 2009 zurück. Wie Sie sehen können, hat der Yen in diesem Zeitraum am besten gegenüber dem US-Dollar performt. An zweiter Stelle steht der australische Dollar, gefolgt vom Schweizer Franken. Der Euro steht an vorletzter Stelle. Das britische Pfund belegt den „traurigen“ letzten Platz.
Abb.: Perfomancechart: AUD / EUR / CHF / CAD / JPY / GBP gegenüber dem US-Dollar
Dieser Chart macht deutlich, dass sich der Euro seit geraumer Zeit schwächer als andere Währungen entwickelt. Aber von einem Eurocrash kann man m.E. beim besten Willen nicht sprechen.
Um einen solchen zu identifizieren bietet es sich an, den Euro mit dem Schweizer Franken (EUR/CHF) zu vergleichen. Seit Mitte Dezember fällt der Euro bzw. der Schweizer Franken wertet in € gerechnet auf. Dies mag sicherlich mit den griechischen Staatsfinanzen und den Peripherieproblemen (PIGS) der europäischen Währungsgemeinschaft zusammenhängen. Jedoch macht eine Abwertung von ca. 2,5% noch keinen Eurocrash aus. Lassen Sie sich also nicht verunsichern.
Abb.: Perfomancechart EUR/CHF
Betrachten wir abschließend den Euro (als einen schwacher Vertreter der Papierwährungen) gegenüber der stärksten Währung der Welt: Gold.
Abb.: 1/100-Goldpreis in € im Tageschart
Der Goldpreis in Euro hat gestern ein neues Allzeithoch erreicht. Eine Unze Gold kostete in der Spitze bis zu ca. 830€. Damit konnte der Goldkurs gegenüber dem Euro eine mehrmonatige Konsolidierungszone nach oben durchbrechen. Fällt der Euro weiterhin gegenüber dem US-Dollar und kann Gold sein Niveau halten oder sogar leicht ausbauen, kann es durchaus sein, dass wir noch dieses Jahr vielleicht gar die magische 1000€-pro-Unze-Marke sehen könnten (oder zumindest deren Nähe).
Abb.: 1/100-Goldpreis in € im Monatschart
Beste Grüße
ähnliche Beiträge:
- E.on - Die Grundaussage ist noch up to date
- Gold zeigt eine gefährliche Divergenz
- Was macht eigentlich der Ölpreis?
- Was macht eigentlich der Goldpreis?
- Was macht eigentlich...?
- Was macht eigentlich der Euro im Moment?
- Das Euro/Dollar-Problem: Um was geht es eigentlich?
- EUR/USD: hangelt sich nun wieder nach oben
- Euro-Politiker spielen auf Zeit
Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Dr Papp Ernoene Ungarn (18.02. 2010 20:56 Uhr):
Sehr geehrter Herr Hahn! Ich habe Ihren Beitrag mit Interesse verfolgt. Ich hätte auch gerne gewusst, wie sich CAD gegenüber USD verhielt, wie unter dem Performancechart angekündigt, aber weder in der Performanceachart, noch in der Auswertung fand ich diese Performance. Vielleicht könnten Sie in der nächsten Ausgabe den kompletten Chart mal zeigen. Ev. wäre die Aufnahme von SGD auch empfehlenswert. Bezüglich Euro: Mein Standpunkt liegt schon seit Jahren fest, und bleibt unverändert - es war viel zu verfrüht eine gemeinsame europäische Währung einzuführen. Das war die Idee der Politiker in Maastricht, wobei die Grundlagen zu einer gemeinsamen Währung bis heute noch fehlen, immer noch seit 1992 (Maastrichter Vertrag). Nur dann ist eine Währung von Bestand, wenn es von einem Staat herausgegebn wird, und die Eurozone ist weder eine Föderation, noch eine Konföderation. Denn für alle Zahlungsmittel hat ein Staat zu garantieren, ist jedoch bei Euro nicht der Fall. Also ist Euro definitionsgemäß nicht einmal ein Zahlungsmittel, geschweige Geld. Ich darf wohl hier wieder auf die Mitteilung von Herrn Stephan in seinem Investmentbrief verweisen, wo Herr Stephan kurz nach Lehmann Brothers darauf hinwies, dass in Krisenzeiten alle Staaten ihre eigene monetäre Mittel anwenden müssen. Und dass das zuerst in Griechenland, Italien, Spanien probleme geben wird, denn dort müsste man die Zinsen schon erhöhen. Also mit einer gemeinsamen EZB Politik ist niemandem gedient. Mit freundlichen Grüßen
Antworten




Artikel weiterempfehlen